Auch wenn der Eindruck täuscht: so viele Insekten wie derzeit sind auch in anderen Jahren unterwegs »Gutes Wespenjahr, aber keine Plage«

Bielefeld (WB). Spätestens wenn  Kuchen oder Saft auf dem Tisch stehen, sind sie derzeit Dauergast auf heimischen Terrassen: Wespen. In   Düsseldorf hatte  zuletzt sogar eine Bäckerei wegen der Insekten kurzzeitig den Verkauf eingestellt, Schädlingsbekämpfer berichten von deutlich mehr Einsätzen. »Wir haben aber keine Wespenplage«, sagen Experten.

Von Bernd Bexte

Silke Lobinat ist Schädlingsbekämpferin. »Wir haben  erheblich mehr zu tun   als im Vorjahr. Wir entfernen derzeit bis zu 15 Wespennester pro Tag«, sagt die Bielefelderin. 350 Mal hätten sich allein  in den vergangenen sechs Wochen besorgte Bürger aus  Bielefeld, aber auch aus  den Kreisen Herford, Lippe und Gütersloh  bei ihrem Betrieb gemeldet, damit Mitarbeiter ein Wespenneest entfernen. Dennoch sei die derzeitige Situation nicht außergewöhnlich. »Vor drei bis vier Jahren war es ähnlich.« So sieht es auch der Naturschutzbund NRW.  »Wir haben ein gutes Wespenjahr. Die Witterungsbedingungen insbesondere im trockenen Frühsommer waren für die Wespen sehr gut«, sagt Birgit Königs. Von einer Plage könne aber keine Rede sein. Dies sei vielmehr eine subjektive Wahrnehmung, meint die Biologin.

So schützt man sich

  • Wespen stechen, wenn sie sich bedroht fühlen. Vermeiden Sie  heftige Bewegungen. Auch  Wegpusten  ist nicht ratsam:  Kohlendioxid im Atem gilt im Wespennest als Alarmsignal.
  • Nahrungsmittel   abdecken,  mit  Strohhalm trinken.
  • Parfums, Cremes oder Möbelpolitur  ziehen Wespen an. Außerdem fliegen sie gerne auf bunte Kleidung – also meiden.
  • Obst rechtzeitig abernten
  • Allergiker sollten stets  Medikamente (Antihistaminikum) griffbereit haben.

»Jeden Sommer Ende Juli, Anfang August geht die Wespenzeit los. Dann erreichen die Völker ihre maximale Größe.« Deshalb sprächen, wie auch in anderen Jahren, viele von einer Plage. »Ich mache das jetzt seit 14 Jahren, und immer werde ich im August gefragt, warum es in diesem Jahr so viele Wespen gibt.« So sieht es auch Peter Schütz vom Landesamt für Umwelt-, Natur und Verbraucherschutz (LANUV). »2015 ist kein außergewöhnliches Wespenjahr.« Genaue  Zahlen über die Verbreitung der Insekten gibt es nicht. »Die für uns relevanten Arten stehen nicht unter Naturschutz, da gibt es keine  Dokumentation.«

Zwei Arten sind Plagegeister

Denn von den NRW-weit etwa 25 verschiedenen Wespenarten sind nur zwei echte Plagegeister: »Die Deutsche Wespe und die Gemeine Wespe«, erläutert Birgit Königs. Die Völker, zu Beginn des Jahres nur wenige Tiere stark, könnten jetzt, zur Hochzeit, auf bis zu mehrere tausend Wespen anwachsen – weitaus mehr als die anderer Arten. Anders als im Frühjahr könne man solch große Insektenvölker jetzt nicht mehr umsetzen.  Wenn sie wirklich stören, etwa im Rollladenkasten oder nahe der Terrasse, würden sie vernichtet. Ausschließlich diese beiden Arten könnten Menschen mit ihren Stichen gefährlich werden. »Nur sie haben dafür einen entsprechend kräftigen Stachel.«

Zur Zeit werden die Wespennester noch ausgebaut – Arbeiterinnen legen dafür Kammern für die Larven an, die aus den von der Königin gelegten Eiern schlüpfen. Das Baumaterial finden die Wespen derzeit überall reichlich: Sie schaben von trockenem Holz kleine Stückchen ab und kauen daraus eine Art Papierbrei. Die Brut füttern sie mit eiweißreicher Nahrung – meist zu Brei zerkleinerte Insekten wie Läuse oder Fliegen. Wählerisch seien sie nicht,  und greifen deshalb auch mal bei Grillfleisch oder Bratwurst zu. »Der Mensch interessiert sie nicht, es ist der Kuchen«, sagt Königs. Mehr Wespen, mehr Stiche? Nicht unbedingt. Notaufnahmen in NRW haben bislang keine erhöhte Zahl von Patienten, wie etwa Allergikern,  registriert. Wer dennoch von einer Wespe gestochen werde, den kann Birgit Königs trösten: »Der Stich einer Biene ist  oft schmerzhafter.« Die Wespensaison werde  noch mindestens den September über andauern.

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