Gericht weist Revisionen von Boxer Besar Nimani und Begleitern ab – Nebenkläger müssen zahlen – Täter nicht in Haft Schießerei: Opfer scheitern vor BGH

Bielefeld (WB). An der eineinhalbjährigen Haftstrafe gegen den Pistolenschützen (45), der den Bielefelder Profiboxer Besar Nimani (30), seinen Bruder Berat (31) und einen Freund (32) mit mindestens fünf Schüssen niedergestreckt hat, wird nicht gerüttelt.

Von Jens Heinze
 Im Bereich dieses Restaurants nahe der Fußgängerzone Bahnhofstraße fielen am 24. August 2013 Schüsse. Archivfoto: Hans-Werner Büscher
Im Bereich dieses Restaurants nahe der Fußgängerzone Bahnhofstraße fielen am 24. August 2013 Schüsse. Archivfoto: Hans-Werner Büscher

Der 4. Strafsenat des Bundesgerichtshofes (BGH) wies am Donnerstag die Revisionen der drei Opferanwälte gegen das Urteil des Schwurgerichtes Bielefeld zurück. Das Urteil vom 4. Juli vergangenen Jahres ist damit rechtskräftig.

Der verurteilte Täter, ein Bielefelder, ist seit mehr als einem Jahr auf freiem Fuß und wird es wohl auch bleiben. Ein weiterer Schlag für die Opfer ist, dass sie nun mehrere tausend Euro bezahlen müssen. Und zwar nicht nur ihre Gerichts- und Anwaltskostenkosten für die missglückte Revision, sondern auch die Kosten des Pistolenschützen. »Die Nebenkläger tragen die Kosten ihrer Rechtsmittel und die dem Angeklagten dadurch erwachsenen Auslagen«, sagte BGH-Sprecherin Angela Haasters.

Wie berichtet, eskalierte am 24. August 2013 in einem Restaurant an der Ecke Jöllenbecker-/Friedenstraße in der belebten Innenstadt unweit der Fußgängerzone Bahnhofstraße ein seit langem schwelender Streit zwischen Opfern und Täter. Nachdem der 32-Jährige dem Pistolenschützen eine Flasche gegen den Kopf geschlagen hatte und mit den Brüdern Nimani in Angriffshaltung ging, griff der 45-Jährige zu seiner Waffe und feuerte auf die Widersacher. Die Staatsanwaltschaft erhob gegen den Schützen Anklage wegen versuchten Totschlags. Das Bielefelder Schwurgericht erkannte jedoch auf eine Notwehrhandlung des Pistolenschützen und verhängte eineinhalb Jahre Haft. Die Opfer, die im Prozess als Nebenkläger auftraten, waren empört über das Urteil und legten über ihre Anwälte Revision vor dem BGH ein. Vergeblich, wie nun feststeht.

Die Opferanwälte Ulrich Kraft, Georg Schulze und Christina Peterhanwar äußerten sich in einer ersten Stellungnahme »enttäuscht« über die Entscheidung des Bundesgerichtshofes. Er habe den Eindruck gehabt, dass der 4. Strafsenat sehr formell, eben genau den Vorschriften entsprechend, verhandelt habe, sagte Kraft.

Verteidiger Rainer Pielsticker, der den Pistolenschützen vor dem Bundesgerichtshof vertrat, äußerte sich dagegen zufrieden, dass eines der höchsten Gerichte Deutschlands seiner Rechtsauffassung gefolgt sei und die Revisionen als unbegründet zurückgewiesen habe. Pielsticker bestätigte, dass sein Mandant sich seit Prozessende in Bielefeld vor gut einem Jahr auf freiem Fuß befinde. Von der verhängten eineinhalbjährigen Haftstrafe würden die fast elf Monate, die der 45-Jährige in Untersuchungshaft gesessen habe, bereits als verbüßt gelten, erklärte der Verteidiger. Er wolle sich dafür einsetzen, dass jetzt die Reststrafe des Schützen zur Bewährung ausgesetzt werde, sagte Pielsticker.

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