Flüchtlingsstrom verschärft Liquiditätsengpässe IBZ-Friedenshaus meldet Insolvenz an

Bielefeld (WB). Noch nie gab es in Bielefeld so viele Flüchtlinge, die Unterstützung brauchen. Gerade zu diesem Zeitpunkt muss das IBZ-Friedenshaus, das diese Hilfe leistet, Insolvenz anmelden.

Von Hendrik Uffmann
In dem roten Backsteingebäude an der Ecke Teutoburger Straße/Webereistraße hat das Internationale Begegnungszentrum Friedenshaus seinen Sitz. Auf drei Etagen gibt es Seminar- und Gruppenräume sowie Büros.
In dem roten Backsteingebäude an der Ecke Teutoburger Straße/Webereistraße hat das Internationale Begegnungszentrum Friedenshaus seinen Sitz. Auf drei Etagen gibt es Seminar- und Gruppenräume sowie Büros. Foto: Hans-Werner Büscher

»Wir mussten diesen Schritt vorsorglich gehen, um nicht in Gefahr zu geraten, uns wegen Insolvenzverschleppung strafbar zu machen«, sagte am Donnerstag Gabriele Schmiegelt-Uzunömeroglu, Mitglied des vierköpfigen Vorstands des Vereins Internationales Begegnungszentrum Friedenshaus. Dieser ist Träger des IBZ an der Teutoburger Straße/Ecke Webereistraße. »Wir versuchen jedoch alles, um die Angebote aufrecht zu erhalten.

Der Betrieb geht zunächst weiter wie gewohnt«, ergänzt die Diplom-Pädagogin, die wie alle anderen Vorstandsmitglieder auch ehrenamtlich arbeitet.

Derzeit beschäftigt das IBZ acht hauptamtliche und mehr als 20 freie Mitarbeiter. Diese werden zunächst wie bisher weiterbeschäftigt, erklärt Gabriele Schmiegelt-Uzunömeroglu. Heute soll es ein erstes Treffen mit dem Bielefelder Rechtsanwalt Andreas Stratenwerth geben, der als vorläufiger Insolvenzverwalter bestellt worden ist.

Grund für den Insolvenzantrag ist laut Schmiegelt-Uzunömeroglu, dass der Verein nicht mehr in der Lage gewesen sei, die Liquiditätsengpässe zu bewältigen und neue finanzielle Mittel zu beschaffen, die für die immer umfangreicher werdenden Aufgaben nötig seien.

Der Verein IBZ bestreitet seine Arbeit ausschließlich aus öffentlichen Fördermitteln. Das Land NRW bezahlt zwei Teilzeitstellen für Bildungsprojekte, das Bundesministerium für Migration und Flüchtlinge finanziert eine halbe Stelle für Integrationskurse. Den Löwenanteil trägt die Stadt Bielefeld, die einen Leistungsvertrag über jährlich 70?000 Euro mit dem IBZ geschlossen hat. Diese Mittel reichten jedoch nicht mehr aus, um die ständig steigenden Kosten zu decken. Die Anforderungen würden durch die aktuelle Flüchtlingswelle immer größer, so Gabriele Schmiegelt-Uzunömeroglu. »Es herrscht ein wahnsinniger Andrang.«

Gleichzeitig sei die Förderung seit Jahren zurückgegangen. Bereits 2006 habe das Land NRW seine Förderung um etwa 30 Prozent gekürzt, auch die Stadt habe ihre Leistungen zwischenzeitlich reduziert. Diese Entwicklung habe der Verein nun nicht mehr ausgleichen können. Und mehr Geld von den Teilnehmern der Angebote zu verlangen, sei nicht möglich. Gabriele Schmiegelt-Uzunömeroglu: »Dann können sich die Menschen das einfach nicht mehr leisten.«

Gemeinsam mit Insolvenzverwalter Stratenwerth und dem Päritätischen Wohlfahrtsverband will der Verein nun nach einer Lösung für ein künftiges Konzept für das IBZ suchen.

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