Mitglied der Bielefelder Nomads Turkey soll Inhabern eines Brautmodengeschäfts mit Waffe gedroht haben Rocker wegen Erpressung vor Gericht

Bielefeld (WB/hz). Ein Rocker der Hells Angels-Untergruppe Nomads Turkey steht seit Donnerstag wegen versuchter Erpressung vor dem Amtsgericht. Der massiv vorbestrafte Bielefelder (28) soll mit einer Waffe im Hosenbund von den Inhabern eines Brautmodengeschäftes am Oberntorwall 2000 Euro gefordert haben.

Akan Y. (rechts im Bild), der mutmaßliche Erpresser und Rocker der Bielefelder Hells Angels-Untergruppe Nomads Turkey, schweigt vor dem Amtsgericht. Sein Verteidiger Dr. Detlev Binder (links) gibt nur die Erklärung ab, dass sein Mandant am Tatort Oberntorwall gewesen ist.
Akan Y. (rechts im Bild), der mutmaßliche Erpresser und Rocker der Bielefelder Hells Angels-Untergruppe Nomads Turkey, schweigt vor dem Amtsgericht. Sein Verteidiger Dr. Detlev Binder (links) gibt nur die Erklärung ab, dass sein Mandant am Tatort Oberntorwall gewesen ist.

Astrid Salewski, Vorsitzende Richterin des Schöffengerichtes, vor dem der Fall verhandelt wird, stellte ihren beiden Beisitzern den Angeklagten Akan Y. wie folgt vor: Bei dem verheirateten, vierfachen Familienvater handele es sich um ein »Full Member« (Vollmitglied) der hiesigen Nomads Turkey. Die Nomads Turkey sind die türkisch-arabische Unterabteilung der berüchtigten Hells Angels-Rocker.

Haftbefehl wegen versuchten Totschlags

Dem  28-jährigen »Hells Angels«-Rocker aus Bielefeld soll auch in Bremen der Prozess gemacht werden. Gegen seinen Mandanten liege ein Haftbefehl wegen versuchten Totschlags vor, erklärte Verteidiger Dr. Detlev Binder vor dem hiesigen Amtsgericht. Informationen dieser Zeitung zufolge soll der 28-Jährige am 12.  April 2013 in der Bremer Innenstadt bei einer Massenschlägerei     zwischen   Hells Angels und     verfeindeten Mongols  einen gegnerischen Rocker   niedergestochen haben. Das Opfer der Messerattacke wurde  lebensgefährlich verletzt. Es seien DNA-Spuren des Bielefelders an der Klinge der Tatwaffe und an der Wunde des Opfers gefunden worden, sagte Verteidiger Binder.

Neben dem Vorwurf der versuchten Erpressung im Brautmodengeschäft gebe es noch Verfahren wegen Drogendelikten und gefährlicher Körperverletzung gegen den Mann, erklärte die Richterin.

Staatsanwalt Moritz Kutkuhn wirft dem in der Justizvollzugsanstalt Bielefeld in Haft sitzenden Angeklagten vor, am 24. September 2014 gegen 18.45 Uhr vom Sohn des Brautmoden-Geschäftsinhabers 2000 Euro gefordert zu haben. Dabei soll im Hosenbund des Rockers eine Faustfeuerwaffe gesteckt haben.

Motiv für die Erpressung: Der Sohn des Inhabers soll über Akan Y. gesagt haben, dieser fahre »dicke Autos«, obwohl er keine Fahrerlaubnis besitze. Der Rocker fühlte sich in seiner Ehre verletzt, obwohl die Aussage zutrifft: Akan Y. sitzt aktuell wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis für acht Monate hinter Gittern.

Zur Geldübergabe kam es nicht, stattdessen alarmierten die Bedrohten die Polizei. Zwei Streifenwagenbesatzungen eilten zum Tatort und trafen hinter dem Laden an der Mauerstraße die Beteiligten an. Darunter befand sich der wegen Diebstahl-, Raub- und Gewaltdelikten vorbestrafte Akan Y. Wie die Auswertung der Telefonüberwachung des Nomads Turkey ergab, hatte der sich vier Widersachern im Geschäft gegenüber gesehen und zwei Autos mit Rockerfreunden angefordert.

Die hielten sich jedoch angesichts der Streifenwagen lieber an der Ecke Ritter-/Mauerstraße im Hintergrund, wie ein am Einsatz beteiligter Polizist (43) vor Gericht aussagte. Sonst blieben viele Details im Dunkel. Akan Y. schweigt zu den Vorwürfen. Über seinen Anwalt Dr. Detlev Binder ließ der Angeklagte mitteilen, dass er im Brautmoden-Geschäft gewesen sei. Er habe sich vier Leuten gegenüber gesehen, mit denen er Streit gehabt habe, und das Treffen beendet. Eine Waffe habe er nicht dabei gehabt.

Was davon stimmt, ist unklar. Die Waffe wurde nie gefunden. Die Geliebte (19) des Rockers bestritt vor Gericht, die Pistole oder den Revolver versteckt zu haben. Weitere Aussagen gab es nicht – drei von vier geladenen Zeugen fehlten unentschuldigt. Zuvor hatten die Erpressungsopfer vergeblich versucht, ihre Anzeige gegen Akan Y. zurückzuziehen. Der Prozess wird fortgesetzt.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.