2. Frauen-Bundesliga: HSV-Trainer Lietz zieht Bilanz und verkündet Neumann-Abschied »Ich bin nicht der Allmächtige«

Herford (WB). Das Tabellenende ließ der Herforder SV in der 2. Frauenfußball-Bundesliga hinter sich. Im letzten Spiel des Jahres gelang dem HSV der erste Sieg. Nina Neumann traf dabei dreifach. Ihren Abschied verkündet Trainer Ralf Lietz im Interview mit Hendrik Fahrenwald. Außerdem bilanziert er die bisherige Saison und spricht darüber, wie nah er der Entlassung war.

Seltenes Jubelbild: Torschützin Amelie Fölsing vom HSV wird am Boden von Celine Demirönal geherzt. Helen Baus (links) und Nina Neumann kommen hinzu.
Seltenes Jubelbild: Torschützin Amelie Fölsing vom HSV wird am Boden von Celine Demirönal geherzt. Helen Baus (links) und Nina Neumann kommen hinzu. Foto: Hendrik Fahrenwald

Mit dem 4:1-Erfolg am Sonntag gegen den FSV Gütersloh haben Sie mit dem HSV erstmals gewonnen. Wie gut tat die Sieg-Premiere?

Ralf Lietz: Sehr gut. Schließlich stehen wir jetzt nicht mehr auf dem letzten Tabellenplatz. Wir wir waren nicht zum ersten Mal das bessere Team und haben mit viel Herz und Kampf dank unseres Kollektivs gewonnen. Allerdings hätte ich mir den Sieg viel eher gewünscht.

Warum hat sich Ihr Team bis dahin so schwer getan?

Lietz: Der Einstieg in die Saison war alles andere als gut. Schnell befanden wir uns in einer Abwärtsspirale. Die junge Mannschaft hatte noch keine Anführerin auf dem Feld. Wir waren nicht konsequent und unsere Fehler haben uns einige Punkte gekostet.

Haben Sie auch Fehler in der Kaderplanung gemacht?

Lietz: Wir haben uns gut mit Regionalliga-Spielerinnen und Talenten aus den eigenen B-Mädchen verstärkt. Die großen finanziellen Mittel, wie bei anderen Vereinen der Liga, sind nicht da. Der Verein muss das Geld in den Zirkus, rund um die 2. Bundesliga, stecken und muss zusehen, dass er so durch die Saison kommt.

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Ich hätte mich nicht beschweren dürfen, wenn ich aufgrund der geringen Ausbeute entlassen worden wäre.

Ralf Lietz

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Mit 25 Gegentoren innerhalb von drei Partien ging es zeitweise rapide Berg ab. Wie haben Sie die Talfahrt erlebt?

Lietz: Nach dem 1:11 gegen Gladbach war der Tiefpunkt erreicht. Ich hätte mich nicht beschweren dürfen, wenn ich aufgrund der geringen Ausbeute entlassen worden wäre. Aber der Vorstand hat die Situation anders bewertet und die Mannschaft hat sich für mich ausgesprochen.

Haben Sie zu der Zeit selbst ans Aufhören gedacht?

Lietz: Nein, denn ich neige nicht dazu aufzuhören, wenn ich noch Potential in der Mannschaft sehe.

Wie sind Sie aufgrund der Misserfolge mit Ihrer Mannschaft umgegangen?

Lietz: Ich habe nie etwas beschönigt, nur um irgendeinen Frieden nicht zu gefährden. Ehrlichkeit ist mir wichtig. Die Spielerinnen müssen wissen, dass sie mir vertrauen können. Ich bin aber nicht der Allmächtige. So Situationen zu meistern, geht nur durch ein intaktes Miteinander.

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Ich bin traurig, dass wir in die Pause gehen.

Ralf Lietz

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Kommt die Winterpause nach dem Sieg zu einem unglücklichen Zeitpunkt?

Lietz: Ich bin traurig, dass wir in die Pause gehen, weil ich es gar nicht möchte, dass ich die Mannschaft fast vier Wochen nicht sehe. Die Vorfreude auf den Rückenrunden-Start ist bereits vorhanden und ich wünsche mir, dass jede Spielerin auch schon an die nächsten Spiele denkt.

Wird sich Ihr Team in der Winterpause verändern?

Lietz: Ja, unsere dreifach Torschützin gegen Gütersloh, Nina Neumann, hat ihr letztes Spiel für uns gemacht. Aus beruflichen Gründen wird sie uns verlassen, ebenso wie unsere Torhüterin Josephine Plehn. Ein Zugang ist eine Option. Es ist auch möglich, dass wir ein Talent aus den eigenen Reihen hochziehen. Das ist aber alles noch nicht spruchreif.

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Klar ist, dass die 2018 kommende eingleisige 2. Bundesliga einem Todesurteil für kleine Vereine, wie uns, gleicht.

Ralf Lietz

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Den letzten Tabellenplatz sind sie los. Allerdings ist der Relegationsplatz, auf dem derzeit Meppen steht, 11 Punkte entfernt und der Konkurrent hat zwei Spiele weniger absolviert als der HSV. Wie realistisch ist der Klassenerhalt noch?

Lietz: Das kann ich nicht beurteilen. Vielleicht reicht ja auch der achte Platz zum Klassenerhalt. Klar ist, dass die 2018 kommende eingleisige 2. Bundesliga einem Todesurteil für kleine Vereine, wie uns, gleicht.

Was versprechen Sie sich von der Rückrunde?

Lietz: Der Knoten bei uns ist immerhin geplatzt. Ich bin sehr zuversichtlich, weil wir eine positive Entwicklung hingelegt haben.

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