John Bryant ist für die Uni Baskets nicht nur als Punktesammler von enormer Bedeutung
Der Bessermacher

Paderborn -

Als die Uni Baskets beim überraschenden Debüt des massigen Mannes mit der Nummer 54 eine sehr deutliche Niederlage (77:93) im Artland kassieren, muss sich Geschäftsführer Dominik Meyer von einigen Ligakollegen hämische Nachrichten gefallen lassen. Der allgemeine Tenor: „Big John“ Bryant hat noch einen großen Namen, ist im derzeitigen Zustand aber scheinbar keine große Hilfe.

Dienstag, 15.12.2020, 01:55 Uhr aktualisiert: 15.12.2020, 02:00 Uhr
Wie viele Hände sich ihm auch entgegenstrecken: Der zweimalige BBL-MVP John Bryant lässt sich in der ProA von niemandem bremsen. Foto: Elmar Neumann

Etwas mehr als fünf Wochen nach der besagten Abfuhr in Quakenbrück ist aus der Häme jedoch längst eine stattliche Portion Neid geworden. Paderborns prominenter Neuzugang fremdelt nicht mehr, sondern trägt das Team nach der 24-tägigen Zwangspause auf seinen breiten Schultern von einem Kantersieg zum nächsten – 105:75 in Hagen, 105:69 gegen Trier. Bryant ist der Bessermacher. „Wenn ich John spielen sehe, komme ich aus dem Strahlen gar nicht mehr heraus und ich glaube, das geht uns allen so. Es ist einfach unglaublich, was für einen Einfluss er auf diese Mannschaft hat“, sagt Meyer.

Es ist der seinesgleichen suchende Mix aus harten und weichen Faktoren, mit dem der in seiner Karriere mit persönlichen Auszeichnungen überhäufte Brettspieler auch im Trikot der Baskets brilliert. Da sind zum einen die immer beeindruckenderen statistischen Werte: Darf man die Daten von der fehlerbehafteten Premiere gegen die Dragons auch aufgrund von Scoutingproblemen an jenem Sonntag vernachlässigen, so zeigt der Trend seitdem nichts als steil bergauf: In den vergangenen drei Partien benötigte der zweimalige MVP der 1. Liga nur knapp 23 Minuten pro Spiel, um im Schnitt 22,3 Punkte und 8,3 Rebounds zu sammeln, traf 58 Prozent von der Dreierlinie (7/12), 68 Prozent aus dem Feld insgesamt (26/38) und 89 Prozent von der Freiwurflinie (8/9).

Bryant trifft nach Belieben? Es sieht fast so aus. Und er trifft vor allem dann, wenn es seinen neuen Kollegen eine besondere Hilfe ist. In Hagen stellte er mit 15 Punkten im ersten Viertel die Weichen auf Sieg, gegen Trier gab er mit vier fixen Punkten die Richtung vor. Der 33-Jährige überzeugt aber auch als Dirigent der Defensivarbeit, und dann gibt es da eben auch noch seine nicht direkt messbare Wirkung, die er selbst so beschreibt: „Natürlich helfe ich dem Team mit meiner Erfahrung und meinen Fähigkeiten auf dem Feld, aber ich kann die Jungs auch im Training und in der Kabine unterstützen, ihnen aufzeigen, wie sie durch schwierige Situationen kommen, ihnen Sicherheit geben“, sagt der Deutsch-Amerikaner, der sich so bescheiden gibt, wie er klingt.

John Bryant lässt die Haare der Gegner zu Berge stehen.

John Bryant lässt die Haare der Gegner zu Berge stehen. Foto: Elmar Neumann

Der Umgang mit „Big John“ könnte – sofern man nicht Gegenspieler ist – nicht unkomplizierter sein. Die Teamkameraden und Verantwortlichen genießen jedes Spiel, in dem sie den kolossalen Kumpel von Headcoach Steven Esterkamp im Baskets-Dress sehen. Klar ist aber auch, dass sich der 140-Kilo-Mann mit jeder starken Darbietung größere Hoffnungen auf ein Angebot machen kann, wie er es sehnlichst erwartet und das einem Center von seinem Format gerecht wird. „Wenn er so weiterspielt, passiert da bald was, da bin ich mir sicher“, sagt Meyer. Noch allerdings spielt Bryant für Paderborn in der ProA, hält sich hier unter Wettbewerbsbedingungen fit und beschert allen Beteiligten eine Win-win-Situation, die zeitlich nicht limitiert ist. Ursprünglich für den verletzten Tom Alte verpflichtet, wird der gebürtige Kalifornier selbst dann weiter für die Uni Baskets auflaufen, wenn Alte – wahrscheinlich Anfang Januar – wieder Einsatzbereitschaft vermeldet. „John darf so lange bei uns spielen, wie er möchte. Wenn er noch da ist, macht er das im neuen Jahr mit Tom und Ivan zusammen“, sagt Meyer. Bryant, Alte und Buntic gemeinsam für die Uni Baskets am Ball? Eine verlockende Aussicht. Hämisch sieht aber schon jetzt kein Gegner mehr nach Paderborn.

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