Center John Bryant verstärkt die Uni Baskets Paderborn bis auf Weiteres
„Big“ John will nur spielen

Paderborn -

John Bryant soll den Uni Baskets auch in der kommenden ProA-Partie gegen Rostock Seawolves helfen. Sobald ein interessanteres Angebot eintrifft, wird der zweimalige BBL-MVP den Zweitligisten wieder verlassen, aber zunächst freut sich der 33-Jährige auf weitere Einsätze.

Dienstag, 10.11.2020, 02:16 Uhr aktualisiert: 10.11.2020, 02:20 Uhr
In der Saison 2011/2012 wurden John Bryant (Zweiter von rechts) und Steven Esterkamp (rechts) mit Ulm Deutscher Vizemeister. Jetzt sind die Freunde in Paderborn wieder vereint. Foto: Imago

Es war der 1. Oktober 2008, als die heutigen Uni Baskets zum ersten Mal mit der Verpflichtung eines äußerst prominenten Centers für Aufsehen sorgten: Auf die Verabschiedung eines gewissen Spencer Tollackson ließ der damalige Erstligist den Transfer von Chris „Mr. Rebound“ Ensminger folgen. Ein Deal, der seine Wirkung nicht verfehlte. „Ense“, zweimal Deutscher Meister, fünfmal BBL-Allstar und fünfmal bester BBL-Rebounder, hatte einen entscheidenden Anteil daran, dass es die Paderborner in jener Saison zum ersten und bislang einzigen Mal ins Viertelfinale schafften, ehe der 2,09 Meter große Musterprofi nach einem Jahr in Richtung Telekom Baskets Bonn weiterzog.

Jetzt, elf Jahre später, haben die Uni Baskets mit „Big“ John Bryant abermals einen bundesweit bekannten Brettspieler im Team. Der 33-Jährige debütierte bei der klaren 77:93-Niederlage in Quakenbrück im Trikot des Zweitligisten und wie es der Zufall will, waren es am Sonntagabend die souverän siegreichen Artland Dragons, die einen Ensminger in ihren Reihen hatten: Zachary, genannt Zach, der 19-jährige Sohn des ehemaligen Paderborners, der in dieser Begegnung beinahe sein erstes Triple-Double auf ProA-Niveau verbucht hätte. Bei zehn Punkten, neun Rebounds und acht Assists fehlte dem Teenager gar nicht viel.

Nicht nur im Vergleich dazu waren Bryants Debütanten-Werte von erheblich bescheidenerer Natur. Auch wenn technische Probleme dafür sorgten, dass seine offizielle Statistik (9:46 Minuten, 3 Punkte, 2 Rebounds, 2 Assists, 5 Fouls) nicht dem Geleisteten entsprach, war nicht zu übersehen, dass sich der Trainingsgast noch an seine neuen Teamkollegen gewöhnen und vor allem an seiner Fitness arbeiten muss. „Wenn wir in der vergangenen Woche im Fünf-gegen-fünf trainiert haben, war John kaum dabei, weil wir nach Tom Altes Verletzung mit Ivan (Buntic) und Jens (Großmann) auf der Fünf geplant haben und Jens sich erst mal an die für ihn neue Position gewöhnen musste. Aber jetzt, solange John für uns spielt, werden wir da etwas umstellen und je öfter er mit uns trainiert, desto besser wird die Abstimmung funktionieren“, sagt Headcoach Steven Esterkamp. Aus dieser Aussage klingt heraus: Mit dem einen Einsatz im Artland ist die Zusammenarbeit nicht sofort wieder beendet. Am kommenden Samstag, wenn es die Uni Baskets mit den Rostock Seawolves zu tun bekommen, ist „Big“ John wieder mit von der Partie. Sofern in der Zwischenzeit kein interessanteres Angebot eintrifft, denn dann – so ist es vereinbart – will und darf er sich sofort wieder verabschieden.

2012 hat Esterkamp an Bryants Seite mit Ulm die BBL-Finals erreicht, nicht den Titel, aber einen „sehr, sehr guten Freund“ gewonnen. „Wenn wir uns treffen, haben wir immer Spaß. Wir denken immer das Gleiche. Er ist einfach ein super Typ“, sagt der Trainer. Aus diesem Grund möchte er auch die Zahlen, die Bryant bei seiner Premiere aufgelegt hat, anders eingeordnet wissen: „John ist stark unter dem Korb, ein guter Dreierwerfer und Rebounder, er kann auch tolle Pässe spielen, aber am wichtigsten sind bei ihm die Dinge, die nicht auf dem Scoutingbogen zu erkennen sind: Er ist einer, der all seine Teamkollegen besser macht, der mit jedem spricht, jedem hilft. Das macht ihn so unglaublich wertvoll – auch für uns.“ Sorgen, die Uni Baskets müssten ihr Spiel dem namhaften Neuzugang anpassen, hegt Esterkamp nicht: „Ich habe mit John natürlich schon darüber gesprochen. Wir spielen in etwa so wie mit Ulm damals. Dieser Stil liegt ihm und wenn er bald die nötige Spielfitness hat, werden wir garantiert sehr viel Freude an ihm haben.“

Unbeantwortet bleibt die Frage, was dieser Deal die Uni Baskets kostet. Auch zuletzt in Gießen soll der 2,11-Meter-Mann Summen verdient haben, die mit der wirtschaftlichen Welt, in der die Uni Baskets leben, nicht das Geringste zu tun hätten – bis zu 300.000 Euro. Am Sonntag sprach Geschäftsführer Dominik Meyer von einem Freundschaftsdienst, den Bryant für seinen Kumpel Esterkamp leiste und danach sieht es auch weiterhin aus. „Die Situation bietet für beide Seiten nur Vorteile: John kann Spielpraxis sammeln und an seiner Fitness arbeiten, wir besitzen nach dem Ausfall von Tom Alte eine dringend benötigte Alternative auf der Centerposition. Wir werden alles dafür tun, ihn gerade in der Coronazeit dabei zu unterstützen, in Form zu kommen und einen Club zu finden. Bis dahin hilft er uns mit seiner Erfahrung und seiner Qualität weiter.“ Genauso sieht es der Deutsch-Amerikaner selbst: „Ich freue mich sehr, wieder mit Steven zusammenzuarbeiten – mit dem Unterschied, dass er diesmal der Coach ist. Ich bin ihm dankbar für das Angebot, hier in Paderborn trainieren zu dürfen und einfach nur froh, wieder spielen zu können.“

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7670830?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2447933%2F2352966%2F4988682%2F
Coronavirus-Newsblog: Die aktuellen Zahlen aus OWL: 15 neue Todesfälle - Länderübergreifende Demo gegen Corona-Maßnahmen - 13 Millionen Infektionen in den USA
 Die Pandemie und ihre Folgen für Ostwestfalen-Lippe, Deutschland und die Welt : Coronavirus-Newsblog: Die aktuellen Zahlen aus OWL: 15 neue Todesf...
Nachrichten-Ticker