Baskets-Geschäftsführer Dominik Meyer freut sich über das Hilfspaket vom Bund
„Das ist ein extrem wichtiges Zeichen“

Paderborn (WB). Selbst das GT-Kennzeichen hat Dominik Meyer nicht davon abgehalten, sich mit seiner Familie für zwei Wochen in den Kroatien-Urlaub zu verabschieden. Dort, auf der Insel Rab, findet der in Schloß Holte beheimatete Geschäftsführer der Uni Baskets etwas Zeit, um mal durchzuatmen und abzuschalten. Aber ganz ohne Basketball geht es auch an der Adria nicht, und es sind positive Nachrichten, die den 34-Jährigen erreichen.

Montag, 06.07.2020, 03:00 Uhr aktualisiert: 06.07.2020, 05:00 Uhr
Baskets-Geschäftsführer Dominik Meyer entspannt aktuell in Kroatien und blickt der kommenden Saison zuversichtlich entgegen. Foto: Jörn Hannemann

Zum einen haben die Uni Baskets die Lizenz für die kommende Saison ohne Auflagen erhalten, zum anderen hat der Bund ein Hilfspaket verabschiedet, das die 2. Basketball-Bundesliga ebenfalls miteinschließt. Das sorgt bei den Baskets für viel Erleichterung, wie Meyer im Gespräch mit Elmar Neumann gerne einräumt.

Herr Meyer, der Bundestag hat am vergangenen Donnerstag ein Hilfspaket in Höhe von 200 Millionen Euro verabschiedet, mit dem unter anderem die ersten und zweiten Ligen im Basketball, Eishockey, Handball und Volleyball sowie die Frauen-Fußball-Bundesliga und die 3. Liga der Fußballer unterstützt werden sollen. Wie war Ihre erste Reaktion auf die Nachricht?

Dominik Meyer: Ich bin natürlich froh, dass wir überhaupt gehört werden. Da gibt es ja andere Branchen, zum Beispiel Künstler und Veranstalter, für die sich die Lage noch schwieriger gestaltet. Die Teamsport-Initiative auf Bundesebene hat einen sehr guten Job gemacht. Uns nimmt dieses Hilfspaket die Angst, vergessen zu werden. Das ist ein extrem wichtiges Zeichen. Am Anfang hatten wir die große Sorge, dass alle Sportarten abseits der Fußball-Bundesliga links liegengelassen werden, weil die Lobby fehlt. Aber das Paket spricht eine andere Sprache und sorgt für Erleichterung. Jetzt sehen wir gute Chancen, auch die zu erwartende Zeit mit weniger Fans als gewohnt zu überstehen, weil uns die entgehenden Einnahmen bis zu 80 Prozent erstattet werden.

 

Sie gehen fest davon aus, dass die Saison mit deutlich weniger Zuschauern oder vielleicht sogar ohne Zuschauer beginnt?

Meyer: Das Ziel der 2. Basketball-Bundesliga war und ist es, die Saison erst starten zu lassen, wenn wieder Zuschauer zugelassen werden. Wir haben verschiedene Zeitpläne in der Schublade – Plan A, Plan B, Plan C – und je nachdem, wie sich die Situation entwickelt, ziehen wir den passenden heraus. Das größte Problem, das ich sehe, ist, dass Corona nichts mit Logik zu tun hat. In dieser Krise lässt sich nahezu nichts antizipieren und nur wenig verlässlich erklären. Wenn wir den Saisonstart nach hinten verlegen, kommen wir der Grippezeit immer näher, in der sich die Lage ja auch noch einmal verschärfen soll oder kann. Stand jetzt gehe ich davon aus, dass wir nicht in einer vollen Halle, aber vor einer begrenzten Zuschauerzahl werden spielen dürfen.

 

Was ist in den angesprochenen Plänen als frühester, was als spätester Zeitpunkt für den Saisonstart vorgesehen?

Meyer: Der früheste Starttermin wäre – wie ursprünglich geplant – Mitte September. Das halte ich aber für absolut unrealistisch. Die späteste Variante sieht einen Beginn im Januar vor. Aber auch das ist aus meiner Sicht unrealistisch. Es wird wahrscheinlich ein Datum in der Mitte. Wir werden in Zusammenarbeit mit der Liga und der Stadt ein Hygienekonzept entwickeln und wenn das steht, werden wir wissen, wie viele Zuschauer wir in die Halle lassen dürfen.

 

Großveranstaltungen bleiben bis zum 31. Oktober verboten – sofern eine Kontaktverfolgung und die Einhaltung von Hygieneregelungen nicht realisierbar sind. Wie beurteilen Sie das Verbot mit Blick auf mögliche Heimspiele im Sportzentrum Maspernplatz?

Meyer: Ich gehe auch davon aus, dass wir bis dahin nicht mehr als 1000 Zuschauer in die Halle lassen dürfen, wobei die sogenannte Kontaktverfolgung ja bei uns möglich ist. Ich kann mir zum Beispiel vorstellen, dass wir die Abendkasse nicht mehr öffnen und die Tickets nur online erworben werden dürfen, damit wir wirklich wissen, wer wo ist. Und außerdem gibt es noch die Corona-App. Wenn die auf den Handys unserer Fans ist, ist ebenfalls eine Nachvollziehbarkeit gegeben. Man sieht: Es gibt noch viele Wenns und Abers. Die Situation ist immer noch sehr aufgeheizt. Du hörst aus jeder Ecke etwas anderes. Wir müssen jetzt erst mal unseren Job machen, ein Konzept erarbeiten und dann sollen das Land oder die Stadt entscheiden, ob das plausibel genug ist, um damit spielen zu dürfen.

 

Bei dem besagten Hilfspaket geht es zunächst um entgangene und ausbleibende Einnahmen von April bis Dezember dieses Jahres. Es sollen 80 Prozent erstattet werden. Ein Club kann bis zu 800.000 Euro erhalten. Haben Sie schon überlegt, ob Sie auch entgangene Einnahmen für ein durchaus realistisches Play-off-Heimspiel geltend machen?

Meyer: Das werden wir auf jeden Fall versuchen. Wir hätten im April das letzte Hauptrunden-Heimspiel gegen Bremerhaven gehabt, für das der Vorverkauf unglaublich gut gelaufen ist, und hatten als Tabellensechster echt gute Chancen auf die Play-off-Teilnahme. Ich muss das mal mit Christian Krings, dem Geschäftsführer der Liga, besprechen. Die Liga muss uns da unterstützen, muss sagen: „Ja, Paderborn hätte mit hoher Wahrscheinlichkeit das Viertelfinale erreicht.“ Vielleicht zählt aber auch die Tabelle zum Zeitpunkt des Abbruchs. Das muss alles geprüft werden. Versuchen werden wir es definitiv. Es geht dann um Bremerhaven plus X.

 

Von welcher Summe reden wir bei einem Heimspiel der Baskets?

Meyer: Das lässt sich nicht auf den Cent genau sagen, weil wir nicht wissen, wie viele Fans gekommen wären. Aber wir reden hier etwa von 20.000 Euro.

 

Auch wenn es mit den Vertragsverlängerungen von Daniel Mixich und Demetrius Ward jetzt die ersten Personalien zu vermelden gab – bei derart vielen Unwägbarkeiten muss es doch extrem schwierig sein, die Planungen für die kommende Saison voranzutreiben.

Meyer: Keine Frage, so schwierig war es noch nie. Aber was für eine gewisse Gerechtigkeit sorgt, ist die Tatsache, dass der Sport weltweit betroffen ist. Wenn man mit den Agenten spricht und ihnen sagt, dass man noch ein paar Wochen warten muss, trifft man auf viel Verständnis. Wir müssen die Verträge logischerweise etwas anpassen, für den Fall, dass keine Saison gespielt werden kann, gewappnet sein, ein paar Klauseln mehr einarbeiten. Das ist zum Teil ein bisschen abenteuerlich, aber es lässt sich nicht anders bewerkstelligen.

 

Aber die Variante, dass gar nicht gespielt wird, die schließen Sie doch aus, oder?

Meyer: Ja. Aber es wäre fahrlässig, in den Verträgen nicht alle Eventualitäten zu berücksichtigen. Ich gehe davon aus, dass wir eine Saison spielen und wir müssen auch eine Saison spielen, denn so viele Hilfspakete könnte man gar nicht schnüren, wie dann benötigt würden. Da spreche ich noch nicht mal von uns, wir könnten so einen Worst Case noch irgendwie umschiffen, aber es gibt viele Vereine, denen viel schneller die Luft ausginge. Daher muss der Betrieb am Laufen gehalten werden. Ich hoffe, dass wir die Corona-Thematik langsam in den Griff bekommen, denn sonst bleiben noch mehr Clubs auf der Strecke.

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