Basketball: Yannis Wiele arbeitet ab Sommer hauptamtlich für die Baskets
Mini-Koordinator mit großer Aufgabe

Paderborn. Vor mehr als zwei Monaten, am 8. März, haben die Uni Baskets in der ProA ihr letztes Spiel bestritten. Plötzlich war der Traum von der Play-off-Teilnahme geplatzt. „Erst hieß es: Ihr spielt beim nächsten Mal ohne Fans. Dann hieß es: Das nächste Spiel wird verschoben. Und wiederum nur wenige Tage später wurde uns mitgeteilt: Ach, übrigens, die Saison ist vorbei“ – Assistant Coach Yannis Wiele erinnert sich noch sehr genau an die „krassesten Momente“ seiner Trainerlaufbahn.

Samstag, 16.05.2020, 05:00 Uhr
Co-Trainer Yannis Wiele im Gespräch mit Pointguard Demetrius Ward. In der nächsten Zweitliga-Saison wird Wiele den Baskets in dieser Funktion nicht mehr zur Verfügung stehen. Er arbeitet dann als hauptamtlicher Mini-Koordinator für den Zweitligisten. Foto: Elmar Neumann

Natürlic, es sollten einige Tage vergehen, bis diese niederschmetternde Nachricht jeden Kopf erreicht hatte. Auch Wiele benötigte etwas Zeit, aber auf das viel zu frühe Ertönen der Schlusssirene folgte für den gebürtigen Bielefelder keinesfalls eine arbeitslose Zeit. „Der Themenschwerpunkt lag anschließend nicht mehr in der Halle, sondern in anderen Bereichen. Wir haben die Saison im organisatorischen Bereich Revue passieren lassen, um künftig möglichst noch besser aufgestellt zu sein, hatten einige Zoom-Meetings und haben Konzepte erarbeitet“, sagt Wiele.

Seit 2016 bei den Baskets

Dessen Einstieg bei den Baskets liegt mittlerweile vier Jahre zurück. 2016, über ein zweimonatiges Pflichtpraktikum im Rahmen seines Studiums, öffnete sich für den angehenden Sportwissenschaftler die Tür. Zunächst unterstützte der B-Lizenz-Inhaber Werner Gorsky bei der Arbeit mit der JBBL-Mannschaft und seit der Saison 2018/2019 bildete der 29-Jährige zusammen mit Prof. Dr. Dr. Claus Reinsberger das Co-Trainer-Duo des ProA-Teams. Auf die letzte Spielzeit an der Seite von Headcoach Uli Naechster folgte die erste mit Naechsters Nachfolger Steven Esterkamp. Die Kooperation mit beiden hat Wiele genossen. Einen Vergleich anzustellen, fällt ihm schwer. Der auffälligste Unterschied kommt sehr nachvollziehbar daher. „Auch Uli ist mit unseren US-Boys sehr gut klargekommen, aber als Amerikaner ist Steve natürlich in der Lage, eine intensivere Beziehung aufzubauen. Es war schon beeindruckend zu sehen, wie sich das Verhältnis vor diesem Hintergrund entwickelt hat. Die Jungs haben Steve zum Schluss zu 2000 Prozent vertraut und das hat sich logischerweise auch in der Leistung widergespiegelt“, sagt Wiele.

Die Zeit auf Zweitliga-Niveau hat dem ehemaligen Aufbauspieler des Turn- und Sportverein Einigkeit 1890 Bielefeld sehr viele wertvolle Erfahrungen beschert. Dass es in den vergangenen beiden Jahren an der Muße zum Finalisieren des Studiums mangelte, eine Klausur und die Bachelor-Arbeit sind noch zu schreiben, ist aber nicht nur mit seinem Engagement am Rande des ProA-Parketts zu begründen. Wiele ist bei den Baskets weit mehr als nur Co-Trainer. Er verantwortet als Vizepräsident das Ressort Spiel- und Trainingsbetrieb, ist aber seit August 2019 vor allem Mini-Koordinator des Clubs. Was klein klingt, ist eine große Aufgabe. Um die U10 und darum, die Schulprojekte mit Leben zu füllen, hatte er sich schon zuvor gekümmert, seitdem ist er es, der den Überblick über alle jüngeren Jugendteams hat und mit jeglichen Nachwuchstrainern einen engstmöglichen Kontakt pflegt. Das hört sich nach wesentlich mehr als einem Mini-Job an und ist es alsbald auch. Noch ist Wiele Student, ab Sommer wird er als hauptamtlicher Koordinator bei den Paderborn Baskets geführt. Eine vielversprechende Perspektive mit einer notwendigen Konsequenz: „Die zeitlichen Kapazitäten, um in ein drittes Jahr als Co-Trainer des ProA-Teams zu gehen, werde ich dann leider nicht mehr haben. Das ist schade. Ich habe das super gerne gemacht und ich schließe auch keinesfalls aus, dass ich irgendwann mal auf den Posten zurückkehre, aber fürs Erste ist das nicht mehr drin.“

Ohne Wiele wird das Zweitliga-Team in der kommenden Saison einen weiteren Anlauf in Richtung Play-offs nehmen, mit ihm soll das Niveau der Profis von morgen auf ein neues Niveau gehoben werden: „Im Rahmen der Professionalisierung ist es ein völlig logischer Schritt, die Strukturen in diesem Bereich zu verbessern und auszubauen. Wir können und müssen sicherlich noch ein paar Stufen klettern, um Paderborn auch hier auf ein Toplevel zu hieven. Ich hoffe außerdem, dass es uns gelingt, auch andere Vereine aus dem Kreis Paderborn und OWL dazu zu animieren, für Acht- und Neunjährige mehr Angebote zu schaffen“, sagt der ehemalige Sportkoordinator der BBG Herford.

Ohne Spaß geht nichts

Als einer von bundesweit 16 Teilnehmern am fünften Jahrgang der Minitrainer-Offensive, einem Kooperationsprojekt des DBB und des Deutschem Basketball Ausbildungsfonds (eine Einrichtung von BBL und 2. Bundesliga), hat Wiele eine Menge hilfreiche Erkenntnisse gesammelt. Des aus seiner Sicht bedeutendsten Aspekts des Trainings mit den Jüngsten war er sich aber schon vorher bewusst: „In erster Linie geht es mir darum, dass die Kinder Spaß haben an dem, was sie tun, dass sie Spaß an der Bewegung haben, sie Bewegung schätzen lernen“, sagt Wiele. Er weiß selbst, dass das früher mal anders war: „Als ich in dem Alter war, haben meine Trainer noch viel über Drills gemacht. Da stand das Gewinnen im Vordergrund. Aber ohne Spaß funktioniert das auf Dauer nicht. Unserer Philosophie entsprechend geht es vielmehr um die persönliche und basketballerische Entwicklung, und zu sehen, wie schnell sich die Kids entwickeln, wie dankbar sie sich schon nach kleinen Fortschritten zeigen, macht meine Aufgabe so angenehm“, sagt Wiele. Und wenn er über solche Momente redet, hat er die krassen Tagen nach dem 8. März schon so gut wie vergessen.

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