Dominik Meyer, der Geschäftsführer der Uni Baskets, im Interview
„Angenehmer geht es gar nicht“

Paderborn (WB). Mit dem Heimspiel gegen Abstiegskandidat Ehingen am Samstag, 4. Januar (19.30 Uhr, Sportzentrum Maspernplatz), beginnt für Zweitligist Uni Baskets die Rückrunde. Die Zwischenbilanz, die Geschäftsführer Dominik Meyer (33) vor Beginn der zweiten Saisonhälfte im Gespräch mit Elmar Neumann zieht, fällt so positiv aus wie schon lange nicht mehr.

Samstag, 04.01.2020, 02:30 Uhr aktualisiert: 04.01.2020, 05:01 Uhr
Seit viereinhalb Jahren ist Dominik Meyer der Geschäftsführer der Paderborn Baskets Team GmbH, der Spielbetriebsgesellschaft der Uni Baskets. Am kommenden Dienstag, 7. Januar, wird er 34 Jahre alt. Foto: Jörn Hannemann

Herr Meyer, acht Siege, acht Niederlagen, achter Platz – wenn Ihnen dieses Halbzeitfazit jemand vor Saisonbeginn in Aussicht gestellt hätte, wären Sie wie begeistert gewesen?

Dominik Meyer: (lacht) Ich wäre sehr zufrieden gewesen. Wir haben einen neuen Trainer und gerade auf den Import-Positionen einige neue Spieler. Unter diesen Vor­aussetzungen haben wir nicht gedacht, nicht erwartet und erst recht nicht gefordert, dass wir nach der Hälfte der Saison mit einer solchen Bilanz Achter sind. Vielmehr haben wir vor Beginn ja gesagt, dass unser neuer Coach Steven Esterkamp sich erst einmal an das für ihn als Trainer neue Niveau, die ProA, gewöhnen soll und wir ihm alle Zeit geben, die er braucht. Dass ihm das derart schnell gelungen ist, macht uns alle sehr, sehr glücklich.

 

Ist dieser achte Platz der Rang, auf den die Uni Baskets gehören?

Meyer: Wie heißt diese bekannte Floskel? Die Tabelle lügt nicht. Da ist durchaus etwas dran. Wir haben in den vergangenen Wochen die wichtigen Spiele gegen Schalke, Ehingen, Schwenningen und auch Leverkusen gewonnen. Nicht zuletzt deshalb verfügen wir jetzt über ein schönes Polster auf die Abstiegsplätze und haben Tuchfühlung nach oben – angenehmer geht es gar nicht.

 

Das Thema Abstiegskampf ist bei vier Siegen Vorsprung abgehakt?

Meyer: Abgehakt ist das auf keinen Fall. Wir haben das, was da unten passiert, noch genau im Blick. Schließlich spielen wir in einer Liga, in der jeder jeden schlagen und sich ganz schnell viel verändern kann. Es kann immer sein, dass da unten ein Team eine Serie startet. Aktuelles Beispiel ist doch Phoenix Hagen, die nach schwachem Start zuletzt fünfmal in Folge gewonnen haben und nur noch einen Sieg hinter uns stehen. Man darf nicht den Fehler machen zu glauben, man sei schon durch. Dafür ist die Liga zu stark, und wir müssen ja vorsichtshalber weiterhin von drei Absteigern ausgehen, aber wenn wir die kommenden Partien gegen Teams wie Ehingen und Schalke gewinnen, sollten wir Ende Januar mit dem Thema abgeschlossen haben.

 

Wenn man den achten Platz ins Verhältnis zu den Etats setzt, ...

Meyer: (lacht) Dann haben wir bislang durchaus überperformed. Wir liegen in etwa bei 750.000 Euro. Im Schnitt haben die Klubs ungefähr 1,1 Millionen zur Verfügung. Wir gehen auch in dieser Saison wieder unseren bekannten Weg, versuchen aus relativ geringen Mitteln viel zu machen. Diese Herangehensweise ist ja nicht nur bei uns, sondern auch bei den Fußballern ein Hauptmerkmal der Identität geworden und gehört irgendwie zu Paderborn.

 

Wünschen Sie sich nicht trotzdem, mal in der Situation zu sein, aus viel viel machen zu können?

Meyer: Wir haben schon das eine oder andere Mal darüber gescherzt, dass wir das gerne ausprobieren würden. Aber vielleicht macht man auch schneller Fehler, wenn man weiß, dass man einen Spieler oder einen Trainer, der nicht funktioniert, problemlos wieder austauschen kann. Wir gucken uns die Spieler dreimal, viermal an, bevor wir sie verpflichten. Wir müssen extrem gewissenhaft arbeiten, weil wir uns keine teuren Fehlgriffe erlauben können. Dazu gezwungen zu werden, hat durchaus auch Gutes, aber ich fände es ehrlicherweise tatsächlich nicht schlecht, eines Tages viel Geld zur Verfügung zu haben. Das brauchen wir auch, wenn wir uns in der Liga weiter nach oben arbeiten wollen, denn irgendwann ist es mit dem Überperformen vorbei.

 

Vor dieser Saison scheinen die Entscheidungsträger besonders genau hingeschaut zu haben. Eine so hohe Erfolgsquote bei den Neuzugängen gab es schon lange nicht mehr. Wenn Sie hier einen Spieler herausheben müssten, dann wäre das?

Meyer: Bei der Beantwortung dieser Frage muss ich zunächst mit der Mannschaft beginnen. Die einzelnen Spieler hinterlassen vor allem deshalb einen so guten Eindruck, weil wir ganz extrem auf Team-Basketball setzen, bei uns an den guten Tagen ein Rädchen ins andere greift und wir nicht – wie viele andere Mannschaften – von diesem einen Go-to-guy abhängig sind. Wenn ich trotzdem jemanden heraushebe, dann ist das Kendale McCullum. Wir wussten, dass er gut ist, hätten aber nicht gedacht, dass er so gut ist. Von allen Neuzugängen hat er die Erwartungen am deutlichsten übertroffen. Nur die unseres Trainers nicht: Steven wollte Kendale unbedingt und sieht sich jetzt nur bestätigt.

 

Das Urteil über den bisherigen Arbeitsnachweis des neuen Trainers fällt ähnlich positiv aus?

Meyer: Ja, keine Frage. Steven war unsere Wunschlösung und die Empfehlung seines Vorgängers Uli Naechster. Uli hatte ihn sofort als seinen Nachfolger im Kopf und alle Hoffnungen, die wir mit dieser Verpflichtung verbunden haben, haben sich erfüllt. Mindestens. Wir haben schon damals gesagt, dass wir einen Trainer brauchen, der bereit ist, sich auf die Begebenheiten und das Umfeld in Paderborn einzulassen. Das hat Steven vom ersten Moment an gemacht. Er hat vom ersten Tag an verdeutlicht, dass Paderborn für ihn nach seinen fünf Jahren als Spieler ein ganz spezieller Standort ist. Das hat mich in dieser Form schon etwas überrascht. Ich dachte eigentlich, Profitrainer ist Profitrainer, egal wo. Aber bei Steven haben wir sofort gemerkt, dass ihm die Baskets wirklich am Herzen liegen. Er verfolgt einen ganz klaren Plan. Das hat mit der Kaderzusammenstellung begonnen und spiegelt sich nun auf dem Feld wider. Dass wir jetzt einen so attraktiven Basketball spielen, hätte ich mir nicht träumen lassen, aber das ist genau der begeisternde Stil, für den der Headcoach Steven Esterkamp steht.

 

Dazu passen die Zuschauerzahlen. Das letzte Heimspiel 2019 gegen Karlsruhe haben fast 1700 Fans sehen wollen.

Meyer: Wir sind sehr zufrieden mit unserem Schnitt, zumal es in den vergangenen Jahren meist so war, dass wir die Zahlen in der Rückrunde deutlich steigern konnten und es sich andeutet, dass wir gegen Ehingen die 1700 knacken könnten. Die Leute kommen gerne, sie sehen diese Mannschaft gerne spielen und auch mehr Siege. Von den bisherigen acht Heimspielen haben wir fünf gewonnen – in der Vorsaison hatten wir am Ende fünf Heimsiege auf dem Konto. Unsere aktuellen Zahlen sind gut, aber ich bin optimistisch, dass da im neuen Jahr noch mehr geht. Wenn man wie zuletzt in Trier vor fast 4200 Zuschauern spielen darf, hofft man natürlich, dass in Paderborn zumindest bald mal wieder eine Zwei vorne steht.

 

Die Tatsache, dass es in der Mannschaft keinen echten Paderborner mehr gibt, scheint keinerlei negativen Einfluss zu haben.

Meyer: Das ist auch nicht so einfach. Du kannst dir nicht mal eben einen Paderborner mit ProA-Format schnitzen. Wir arbeiten daran, keine Frage, doch manche Jahrgänge sind eben deutlich stärker als andere. Wir sagen dafür immer: Ivan (Kapitän Ivan Buntic, Anm. d. Red.) ist unser Paderborner. Dazu haben wir mit Steven einen Trainer, der über eine intensive Verbindung zum Verein und zur Stadt verfügt. Beide verstehen, wie die Paderborner ticken, Ivan noch etwas mehr als Steven. Ivan fühlt sich mittlerweile so wohl, dass er gar nicht mehr weg will. Vielleicht verkörpern solche Jungs den Paderborner Basketball sogar noch etwas mehr, als es ein junger Ur-Paderborner könnte, der von hier aus schnell die große weite Basketball-Welt erobern will.

 

Wie müssen die verbleibenden 16 Spiele verlaufen, damit Sie auch am Ende der Hauptrunde ein positives Fazit zu können?

Meyer: Wir wollen so lange wie möglich um die Play-off-Plätze mitspielen und ich hoffe und wünsche mir, dass wir die Play-offs am Ende auch tatsächlich erreichen. Das hätten alle verdient. Nicht nur Mannschaft, Trainer, Mitarbeiter der Geschäftsstelle und Fans, sondern zum Beispiel auch das große Helferteam, das bei jedem Heimspiel enormen Einsatz zeigt. Zu sehen, dass sich der Einsatz lohnt und auszahlt, täte richtig gut.

 

Gibt es eigentlich auch eine Art Masterplan, den Sie mit Blick auf die Entwicklung in den nächsten – sagen wir – fünf Jahren verfolgen?

Meyer: Ja, den haben wir. Wir wollen uns zunächst so weit stabilisieren, dass wir mittelfristig vor einer Saison gar nicht mehr über das Thema Abstieg sprechen müssen. Dazu müssen wir uns auch in wirtschaftlicher Hinsicht weiter kräftig steigern. Die Umsatz-Million ist definitiv eines meiner großen persönlichen Ziele. Dafür müssen wir noch ein bisschen was tun. Wir möchten die Baskets als Play-off-Team etablieren und so gut aufstellen, dass man langfristig mal wieder die Chance hat aufzusteigen. Wenn man bedenkt, dass der Mindestetat für die BBL mittlerweile bei drei Millionen Euro liegt, ist das natürlich ein äußerst ambitioniertes Unterfangen. Wir müssten unser aktuelles Budget vervierfachen und das schafft man nicht innerhalb von fünf Jahren. Aber vielleicht gibt es bei den BBL-Standards ja auch mal eine kleine Rolle rückwärts und zumindest dann wollen wir in einer Position sein, in der wir die Voraussetzungen für eine BBL-Rückkehr erfüllen können.

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