Forward Marc Nagora zeigt sich bislang sehr nervenstark Ein Mann für »Heldenwürfe«

Paderborn (WB). Erst die 100:113-Niederlage nach zweimaliger Verlängerung gegen Ehingen, dann das nicht minder dramatische 82:83 gegen Hagen: Für die Endphasen der ganz engen ProA-Partien scheinen die Akteure der Uni Baskets noch nicht cool genug – mit einer Ausnahme. Die trägt den Namen Marc Nagora.

Von Elmar Neumann
Fast-Matchwinner gegen Matchwinner: Marc Nagora hat die Uni Baskets in Hagen mit 82:80 in Führung gebracht, Jannik Lodders traf kurz vor Ende zum 83:82 für Hagen.
Fast-Matchwinner gegen Matchwinner: Marc Nagora hat die Uni Baskets in Hagen mit 82:80 in Führung gebracht, Jannik Lodders traf kurz vor Ende zum 83:82 für Hagen. Foto: Elmar Neumann

Je knapper die Spielzeit, je höher die Spannung, desto nervenstärker der Neuzugang aus Dresden. Erstmals bewies der »Iceman« die Crunch­time-Qualitäten beim ersten der zu wenigen Erfolgserlebnisse in einem der zahlreichen Zweitligakrimis mit Baskets-Beteiligung, dem 83:82 in Rostock am vierten Spieltag.

In Rostock erzielt Nagora die letzten acht Paderborn Punkte

Mehr als 38 Minuten lang war von dem 2,03-Meter-Mann im Vergleich mit den Seawolves nichts zu sehen. Dann schlug er eiskalt zu. Die acht Zähler, die der 25-Jährige an jenem Abend erzielte, markierte er allesamt in den finalen 99 Sekunden. Es waren zugleich die acht letzten Paderborner Punkte der Partie, darunter der siegbringende Dreier fünf Sekunden vor Schluss. Ein Zufall? Mitnichten. Am vergangenen Samstag in Hagen bot sich das gleiche Bild samt vergleichbarer Vorgeschichte. Über mehr als drei Viertel – abgesehen von einem Dreier in Minute 25 – agierte Nagora wie die Unauffälligkeit in Person, um sein Team dann beinahe wieder im Alleingang ans Ziel zu bringen. Erneut war auf seine Dreierquote (47,9 Prozent, die beste im Team) Verlass. Er traf aus der Maximaldistanz zum 70:77, 79:80 sowie 82:80, wurde diesmal aber von Phoenix-Forward Jannik Lodders 3,7 Sekunden vor Ende um die Auszeichnung als Matchwinner gebracht. »Marc hat mehrfach bewiesen, dass er keine Angst vor den wichtigen Würfen hat. Er hat da aber sicher auch ein bisschen davon profitiert, dass er in den jeweiligen Spielen bis dahin offensiv weniger in Erscheinung getreten war und ihn die Gegner nicht so auf dem Zettel hatten«, sagt Headcoach Uli Naechster.

Statt sich diese Einschätzung als gewiefte Taktik gutschreiben zu lassen, zeigt sich Nagora vor dem anstehenden Doppelspieltag mit dem Heimspiel gegen Karlsruhe (Freitag, 20 Uhr, Sportzentrum Maspernplatz) und dem Auswärtsauftritt in Nürnberg (Sonntag, 17 Uhr) selbstkritisch: »Natürlich freue ich mich darüber, dass ich in den entscheidenden Momenten kaum einen Dreier verworfen habe, aber auf der anderen Seite kann man sich auch fragen, wo ich in den drei Vierteln davor war. Ziel muss es sein, schon früher mal den einen oder anderen Wurf mehr zu treffen und aktiver zu sein, damit ich erst gar nicht in die Verlegenheit komme, die Heldenwürfe versenken zu müssen.«

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Wo war ich in den drei Vierteln davor?

Marc Nagora

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Die Fitness, über die volle Einsatzzeit Vollgas zu geben, ist zweifellos vorhanden. In der Sommerpause hat Nagora unter der Anleitung seines ehemaligen Dresdner Mannschaftskollegen Andrew Jones ein ausgesprochen anspruchsvolles Offseason-Programm mit zwei bis drei Einheiten pro Tag absolviert. Auch in Paderborn steht der Soziologie-Student regelmäßig außerhalb der offiziellen Trainingszeiten in der Halle. Jetzt hofft der gebürtige Hamburger darauf, gegen Karlsruhe mal eine komplette Partie mit norddeutscher Gelassenheit über die Bühne bringen zu können: »Am liebsten wäre mir ein entspannter Sieg, bei dem wir am Ende keine Aktionen mehr für das Highlight-Tape produzieren müssen.«

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