Baskets-Headcoach treibt sein Team zur Aufholjagd – doch der Lohn bleibt aus Die Leiden des Uli Naechster

Paderborn (WB). Als die Fans von Phoenix Hagen noch nicht ahnen können, wie dramatisch das Westfalenderby noch werden soll, gönnen sie sich einen Blick an den Spielfeldrand. Dort, an der Seitenlinie vor der Bank der Uni Baskets, wird in Hälfte zwei durchgehend Spektakel geboten.

Von Elmar Neumann
Von restlos begeistert bis völlig fassunglos: Baskets-Headcoach Uli Naechster zeigt bei der 82:83-Niederlage in Hagen die komplette Palette der Emotionen.
Von restlos begeistert bis völlig fassunglos: Baskets-Headcoach Uli Naechster zeigt bei der 82:83-Niederlage in Hagen die komplette Palette der Emotionen. Foto: Elmar Neumann

Im Fokus: Uli Naechster. Paderborns Headcoach lässt nichts unversucht, um sein Team aus der scheinbar aussichtslosen Lage zu befördern. Würden in der ProA (wie in den Fußball-Bundesligen) die gelaufenen Meter gemessen – der Wert des 35-Jährigen wäre in der Statistik für diesen Abend ziemlich weit vorne aufgetaucht. Anfangs zeigten sich die Beobachter noch etwas amüsiert. Was will dieser über die Maßen engagierte Mann bei dem Spielstand denn noch bewegen? Doch mit jedem Zähler, um den die Gäste das zwischenzeitliche 22-Punkte-Defizit verkleinerten, wurde jedem Phoenix-Fan immer klarer, dass da ein hoch emotionaler Paderborner einen kühnen Plan verfolgte, der sogar aufgehen könnte. Selbst Hagens Chris Harris zeigte sich vom enormen Einsatz seines Paderborner Pendants beeindruckt: »Uli, du hast geschrien, bist gesprungen, bist gerannt – hast du eigentlich gemerkt, wie viel Energie du dem Team damit gegeben hast?«

Hagens Trainer Chris Harris zeigt sich von seinem Pendant beeindruckt

In jedem Fall so viel, dass die Gäste aus dem 41:63 (24.) ein 82:80 (39.) machten und auch 3,8 Sekunden vor der Schlusssirene in Führung lagen. Dass die Baskets trotzdem mit 82:83 verloren, die zweite vermeidbare Niederlage in Folge und bereits die fünfte knappe in dieser Zweitliga-Saison kassierten, ging an Naechster nicht spurlos vorüber: »Ich bin fix und fertig.« Aber nicht geschafft genug, um Co-Trainer Claus Reinsberger nicht direkt nach Spielende noch einmal auf dem Feld zu demonstrieren, wie regelwidrig viele Schritte Hagens Kapitän Dominik Spohr in der Vorbereitung des siegbringenden Korbes hatte aneinanderreihen dürfen, ohne von den Referees ausgebremst zu werden: »Ohne Dominik hätte Hagen das Spiel nicht gewonnen. Er war der einzige, der in der entscheidenden Phase Eier gezeigt hat. Bei allen anderen habe ich die Angst in den Augen gesehen. Aber Dominik ist auch der einzige Spieler der gesamten Liga, der in der Szene von den Schiris keinen Schrittfehler gepfiffen bekommt.«

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Wenn’s nötig ist, mache ich mich auch ein bisschen zum Affen.

Uli Naechster

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Naechster hatte an der Darbietung der Unparteiischen noch jede Menge mehr zu monieren, war jedoch auch fairer Verlierer genug, um festzustellen, dass sich die Seinen die Abhängigkeit von den Schiedsrichtern mit einer besseren ersten Hälfte und etwas cooleren Entscheidungen in der Crunchtime hätten ersparen können. Und letztlich waren die Refs auch an Naechsters Energizer-Diensten und der Aufholjagd überhaupt nicht ganz unbeteiligt. »In der Pause habe ich mit den Schiedsrichtern darüber gesprochen, dass wir unseren Verteidigungsstil in Sachen Aggressivität dem der Hagener anpassen müssen, wenn er so erlaubt ist. Das haben sie mir bestätigt und dann habe ich gedacht: Okay, wenn ihr Intensität haben wollt, sollt ihr Intensität bekommen«, sagte Naechster und versuchte sich fortan als Vorbild: »Für mich ist es in so einer Situation das Gebot der Stunde, die Aggressivität vorzuleben und wenn’s nötig ist, mache ich mich eben auch ein bisschen zum Affen.« Dazu wäre er auch am Freitag (20 Uhr, Sportzentrum Maspernplatz) im Heimspiel gegen Karlsruhe bereit, aber lieber hätte es der Coach natürlich, wenn sich sein Team von Beginn an auf der Höhe zeigte und er sich in relativer Ruhe einen Sieg ansehen könnte.

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