Uli Naechster im Interview – mit Video Uni-Baskets-Headcoach: »Vielleicht war es Zeit für einen Umbruch«

Paderborn (WB). Am Samstag (19.30 Uhr) beginnt für Uli Naechster mit dem Heimspiel gegen den FC Schalke 04 die fünfte Saison als Headcoach der Uni Baskets. Auch diese wird eine große Herausforderung. Mit Elmar Neumann sprach der 35-Jährige über die neuformierte Mannschaft, das Saisonziel und die Crowdfundingaktion.

Entspannt: Uli Naechster, Headcoach der Uni Baskets, sieht seine neuformierte Mannschaft für den Saisonstart in der ProA gut gerüstet.
Entspannt: Uli Naechster, Headcoach der Uni Baskets, sieht seine neuformierte Mannschaft für den Saisonstart in der ProA gut gerüstet. Foto: Besim Mazhiqi

Herr Naechster, mit Luca Kahl und Ivan Buntic sind nur zwei Spieler dabei, die auch in der Vorsaison im Kader standen. Wie schwierig war und ist es, aus diesem Duo und den vielen Neuzugängen eine funktionierende Einheit zu formen?

Uli Naechster: Menschlich ist uns das sehr gut gelungen. Die Jungs haben schnell zueinandergefunden. Aber gerade in der Verteidigung dauert es länger, bis man alle auf eine Idee eingeschworen hat. Was man in der Offense mit individuellem Talent ein bisschen kaschieren kann, funktioniert in der Verteidigung eben nicht, weil da fünf Spieler zusammenarbeiten müssen. Es wird noch etwas dauern, bis wir da sind, wo wir hin möchten, aber wir sind auf einem guten Weg.

Wenn es um die Zusammenstellung einer Mannschaft geht, ist immer auch von Identifikation und Identifikationsfiguren die Rede. Jetzt sind lediglich zwei Spieler geblieben – das war doch bestimmt nicht der Plan.

Naechster: Nein, natürlich nicht. Das ist ein gegenläufiger Trend zu dem, was wir in den Jahren zuvor gemacht haben. Da war es uns gelungen, teilweise bis zu acht Spieler zu halten. Aber nach drei, vier Jahren mit relativ viel Kontinuität war es jetzt vielleicht auch mal Zeit für einen Umbruch. Mit Ivan und Luca haben wir zwei Spieler dabei, die sich nach wie vor zu 100 Prozent mit den Baskets und Paderborn identifizieren. Dazu haben wir drei Talente aus dem eigenen Nachwuchs hinzugenommen und bei den anderen Neuzugängen versucht, Spieler zu finden, die den Gedanken von Team-Basketball schnell verinnerlichen. Das ist uns gut gelungen.

Erstes Ziel: Klassenerhalt

Wie lautet das Saisonziel? Liegt der Fokus zunächst wieder darauf, zwei Mannschaften zu finden, die etwas schwächer sind als man selbst?

Naechster: Erstes Ziel ist es, so schnell wie möglich den Klassenerhalt zu sichern. Die Liga ist wieder sehr ausgeglichen, sehr offen. Ich sehe keinen Topfavoriten und auch die Aufsteiger sind stark besetzt. Wir wollen mindestens zwei Mannschaften hinter uns lassen und so viele Spiele wie möglich gewinnen. Der Unterschied zwischen Platz acht und Platz 13 oder 14 war zuletzt manchmal nur ein oder zwei Siege groß. Wenn wir es schaffen, die knappen Spiele zu gewinnen und – gerade zuhause – auch mal eine vermeintlich besser besetzte Mannschaft zu schlagen, können wir vielleicht auch im Kampf um die Play-offs ein kleines Wörtchen mitreden. Aber das ist das untergeordnete Ziel.

Gegen Schalke gab es in der Vorbereitung eine 57:63-Niederlage. Was erwarten Sie vom Wiedersehen am Samstag?

Naechster: Ich erwarte, dass wir bereit sind, den Kampf anzunehmen, über ein verteidigungsgeprägtes Spiel den Schalkern unseren Stil aufzudrücken und ihnen von Beginn an klarzumachen, dass wir in diesem Spiel der etablierte ProA-Ligist sind und gegen einen Aufsteiger die Punkte unbedingt zuhause behalten wollen.

Wer führt die Mannschaft als Kapitän aufs Feld?

Naechster: Ivan Buntic ist unser Kapitän. Er ist lange dabei, hat in der Vorbereitung – ohne Kapitän zu sein – bereits viele Aufgaben übernommen, die ich einem Kapitän zuschreibe und uns gezeigt, dass er für diese Rolle bereit ist.

Mit Fritz Hemschemeier, aber auch Miles Osei und Melvin Jostmann mussten die Baskets wieder drei vielversprechende Eigengewächse abgeben – ist der Trend aufzuhalten?

Naechster: Nein. Ich glaube, das ist auch ein bisschen dem Zeitgeist geschuldet, dass junge Menschen in dem Alter unheimlich viele Möglichkeiten haben, nach der Schule ihr Leben zu gestalten, und da ist Basketball gerade in dem Bereich zweite, dritte Liga nicht die oberste Prämisse. Da geht es eher darum, den richtigen Studienort zu finden, mal rauszukommen aus der Heimatstadt. Das geht nicht nur uns so. Das geht allen Vereinen so, dass sie dem Freiheitsdrang der jungen Menschen Tribut zollen müssen. ›Ich mache hier mein Abi, dann bei einem Sponsor die Ausbildung und bleibe für immer in der selben Stadt‹ – das ist nicht mehr zeitgemäß.

Bus für Auswärtsfahrten

Zeitgemäß sind Crowdfundingaktionen wie das Auswärts-erfolgreich-Projekt der Baskets, bei dem es darum geht, nicht mehr mit zwei Bullis, sondern mit einem Bus zu den Auswärtsspielen fahren zu können. Bis Mittwochabend war knapp die Hälfte der erhofften 17.500 Euro auf dem Konto. Gab es auch negatives Feedback?

Naechster: Bei mir sind nur positive Reaktionen angekommen. Ich hoffe, dass wir bei dem einen oder anderen den Finger in die Wunde legen und zeigen konnten, dass der professionelle Auftritt auf Facebook, Instagram oder bei den Heimspielen nicht unbedingt das widerspiegelt, was Alltag im Team ist. Dazu gehören auch die Auswärtsfahrten, die für uns in vielen Punkten suboptimal sind. Wenn wir mit dieser Aktion, die sehr vielversprechend läuft, an dem Punkt eine Verbesserung erreichen, dann ist das für mich sehr positiv, weil wir als Mannschaft direkt davon profitieren.

Kommen die 17.500 Euro zusammen, gibt’s für Auswärtsniederlagen aber eine Ausrede weniger als bisher.

Naechster: (lacht) Nur weil wir mit dem Bus anreisen, werden wir nicht 30 von 30 Spielen gewinnen. Aber wenn das dazu führt, dass wir ein Spiel oder zwei Spiele auswärts mehr gewinnen, hat es sich schon gelohnt. Den 100-prozentigen Beleg dafür, dass es etwas bringt, wird man nie bekommen.

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