Fußball: Im SCP-Nachwuchsleistungszentrum ist Mannschaftstraining wieder möglich. Amateurklubs müssen sich gedulden
„Das falsche Signal“

Paderborn (WB/jm) -

Nach vier Monaten im Lockdown sind die Nachwuchsleistungszen-tren (NLZ) des Landes und damit auch der Unterbau des SC Paderborn am Donnerstag mit dem Segen der Politik wieder ins geordnete Mannschaftstraining eingestiegen. Die Steilvorlage der NRW-Landesregierung erzeugt in der Region einen Gefühlsmix, der von Verständnis bis Empörung reicht.

Freitag, 26.02.2021, 21:36 Uhr aktualisiert: 01.03.2021, 07:30 Uhr
Anders als das kickende Nachwuchspersonal des SC Paderborn müssen sich die A-Junioren des SV Heide und Delbrücker SC (hier eine Szene aus dem Landesligaderby) noch gedulden, bis sie wieder zurück auf den Trainingsplatz dürfen. Foto: Elmar Neumann

Vereine wie Borussia Dortmund, FC Schalke 04, VfL Bochum, Arminia Bielefeld oder eben der SC Paderborn dürfen unter strengen Auflagen mit ihrem Juniorenbereich zurück in eine gewisse Normalität. Für Anfang/Mitte April ist aktuell ja noch der Re-Start der Junioren-Bundesligen vorgesehen.

„Wir kommen unserer Fürsorgepflicht nach. Der Infektionsschutz, die Gesundheit der Spieler, steht an erster Stelle. Ich kann die Verwunderung bei den anderen Vereinen verstehen und wünsche mir, dass auch sie möglichst bald wieder ins Training einsteigen dürfen“, meint Ayhan Tumani, Sportlicher Leiter des Paderborner NLZ.

Auch wenn er dem SCP „sehr verbunden“ ist – für Ralf Kowalleck, Fußballobmann des BV Bad Lippspringe, ist das grüne Licht fürs NLZ „persönlich schwer nachvollziehbar. Wir würden auch gerne. Gleiches Recht für alle!“ Für ihn setzt diese Sonderbehandlung „das falsche Signal für die kleinen Vereine.“ Kowallek weist darauf hin, dass auch die Sportanlage des BVL rundum eingezäunt sei. „Wir haben ein Hygienekonzept, das von der Stadt abgesegnet worden ist. Auch wir können Corona-konform all das leisten, was der SCP in seinem NLZ kann. Dass das nicht anerkannt wird, macht mich stutzig. Ich kann mir vorstellen, dass die Basis nicht mehr lange stillhalten wird.“

Keine Missgunst bei Frank Sundermeier. Der Geschäftsführer des Delbrücker SC gibt offen zu: „Das ist doch eine super Sache für das NLZ. Natürlich brennen unsere Jungs auch auf die Rückkehr auf den Platz, doch wir freuen uns für die SCP-Jungs.“ Er interpretiert diesen vollzogenen „ersten Schritt“ seitens der politischen Entscheidungsträger als „Zeichen, dass langsam Lockerungen kommen, auch für den Amateurbereich. Es geht aufwärts.“

Thomas Dressler, Fußball-Abteilungsleiter beim SV Heide, findet die Maßnahme ebenfalls „nicht verwerflich. Der SCP hat ja klar verständlich gemacht, dass er sich an sämtliche Corona-Regeln halten wird.“ Nein, neidisch sei er nicht. Er interpretiert den NLZ-Start als „Wegbereiter für uns. Ich gönne dem SCP das und werte es als Zeichen für die Amateure und damit für uns, dass wir auch kurzfristig nachlegen dürfen. Wir haben schließlich 2020 schon bewiesen, dass wir ein gutes Hygienekonzept haben.“

„Hauptsache raus und an der Luft bewegen“ – Frank Regenbrecht, 1. Jugendobmann des Hövelhofer SV, kann nicht so ganz ergründen, warum der SCP die Sonderbehandlung erhält, freut sich aber für jedes Kind, dass ohne Mundschutz endlich wieder auf den Rasen darf. „Es wird Zeit, dass die Kinder was machen dürfen. Selbst wenn es uns wieder erlaubt sein sollte, würde ich zunächst auf Abstand trainieren.“ Erwartungen an ein Meisterschafts-Comeback sind für Regenbrecht untergeordnet: „Für mich ist diese Saison gegessen.“

Christian Kroker, der Vorsitzende des Jugendausschusses im Fußballkreis Paderborn, kann jedes Unverständnis der „kleinen“ Vereine in der Region nachvollziehen. Im Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen (FLVW) sei die Problematik dieses Reiz-Themas bekannt, merkt er an. Sein Standpunkt: „Das ist ein Unding der Politik. Wer kann mir erklären, was bei der E-Jugend des SCP anders ist als bei den Senioren des Delbrücker SC? Ich habe keine Ahnung!“ Grundsätzlich sei es für ihn „natürlich erstmal begrüßenswert, dass Kinder und Jugendliche wieder auf den Platz dürfen. Wir wissen, dass die Ansteckungsgefahr draußen mehr als gering ist.“ Krokers „großes Aber“: „Dass der SC Paderborn sein Privileg, seine von der Politik gegebene Generalvollmacht ausnutzt, ohne zu hinterfragen, mag legal sein. Aber legal ist nicht immer richtig.“

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