Meine Corona-Zeit, Folge 11: Basketballer Benedikt Bartoldus
„Das Lebensgefühl hat sich verändert“

Paderborn (WB) -

In der 11. Folge unserer Serie „Meine Corona--Zeit“ haben wir Benedikt Bartoldus ausgewählt. Der 37-Jährige arbeitet als Grundschullehrer an der Marienschule Paderborn und unterrichtet hauptsächlich Sport.

Mittwoch, 10.02.2021, 03:06 Uhr aktualisiert: 10.02.2021, 03:10 Uhr
Da war noch kein Schnee in Sicht: Benedikt Bartoldus mit seinen Kindern Johanna (sechs Jahre) und Christoph (drei Jahre) beim Wandern an den Externsteinen.

In der heimischen Sportszene ist er bekannt als Abteilungsvorstand der Leichtathleten des SC Borchen, zudem spielt der zweifache Familienvater als sogenannter Fußgänger bei den Rohlstuhlbasketballern der Ahorn-Panther.

 

Wie nah ist Ihnen das Virus bislang gekommen?

Benedikt Bartoldus: Ich arbeite als Sportlehrer in der Grundschule. So habe ich in der Woche circa 200 Kontakte mit Kindern und Kollegen. Aktuell hat sich das auf acht Kinder in der Notbetreuung und vier bis fünf Kollegen reduziert. In unserer Schule hatten wir bereits einen positiven Corona-Fall. Unser Nachbar war ebenfalls infiziert. Dadurch mussten meine Kinder (drei und sechs Jahre alt) zehn Tage in Quarantäne. Hier war ich froh, dass wir ein Haus mit Garten besitzen. Ich selbst hatte bislang Glück und musste noch nicht in Quarantäne.

Was überwiegt bei Ihnen gerade: Vertrauen und Gelassenheit oder Unzufriedenheit und Frust?

Bartoldus: Natürlich habe ich Vertrauen in die Schutzmaßnahmen, die gefahren werden. Meine Gelassenheit habe ich im vergangenen Jahr leider etwas verloren. Und natürlich bin ich mit der Situation unzufrieden. Vor allem frustriert mich die Tatsache, dass unsere Kinder so unter dieser Situation leiden müssen. Sie werden bei vielen Maßnahmen vergessen. Ihnen fehlen die sozialen Kontakte, der Sport und die Unbekümmertheit. Ich hoffe, dass diese Zeit nicht zu prägend für meine Kinder sein wird.

Der Amateursport ruht. Ist er Ihrer Meinung nach ein Teil des Problems oder ein Teil der Lösung?

Bartoldus: Momentan ist er ein Teil der Lösung. Nur durch die Kontaktreduzierung ist es möglich, das Infektionsgeschehen zu bremsen. Ein Teil des Problems ist er meiner Erfahrung nach nicht. Ich habe bereits mit meinen Leichtathletikgruppen vor den Sommerferien wieder das Training starten können. Natürlich auf Abstand. Durch meine Tätigkeit als Abteilungsvorstand der Leichtathleten des SC Borchen habe ich am Hygienekonzept des Vereins mitgewirkt, so dass wir vielen Kindern und Jugendlichen wieder Sportangebote machen konnten. Besonders froh war ich, als wir auch mit den Rollis wieder zusammen in der Halle spielen konnten. Auch hier gab es durch die klaren Hygienemaßnahmen keine Probleme.

Wenn Sie für einen Tag Bundeskanzler sein dürften, was würden Sie für diesen einen Tag im Sinne der Nation ändern?

Bartoldus: Ich wollte noch nie in die Politik und momentan noch weniger. Die Entscheidungen, die gerade getroffen werden müssen, sind alles andere als einfach. Wenn ich dennoch etwas ändern könnte, würde ich versuchen, das Leben der Kinder zu verbessern (gute Konzepte für den Unterricht, den Sport und die sozialen Kontakte).

Was tun Sie und wo tun Sie es, um ihre körperliche oder auch geistige Fitness auf Trab zu halten?

Bartoldus: Bis Dezember bin ich regelmäßig mit meinem besten Freund Rennrad gefahren. Momentan ist mir das zu kalt und zu rutschig. Dementsprechend leidet meine körperliche Fitness etwas. Wobei ich mich nun schon mehrfach auf dem Crosstrainer ertappt habe. Dabei finde ich laufen schrecklich… Des Weiteren nutze ich die Zeit, um meine Beweglichkeit zu verbessern und etwas Kraft aufrecht zu erhalten. Für meine geistige Fitness sorgen meine Kinder. Die halten mich auf Trab. Wenn es doch mal eine ruhige Minute gibt, schaffe ich es wirklich, etwas zu lesen. Sonst habe ich nur im Urlaub die Ruhe und Muße dazu.

Die Welt verändert sich, Gewohnheiten werden erschüttert. Hat diese Extremsituation Ihr Lebensgefühl, Ihre Wahrnehmung, Ihr Denken verändert?

Bartoldus: Natürlich hat diese Situation das Lebensgefühl verändert. Corona ist nun mal überall und spukt auch ständig im Kopf rum. So viel Nachrichten wie im vergangenen Jahr habe ich in den Jahren davor zusammen wahrscheinlich nicht gesehen. Trotzdem versuchen wir, das Beste daraus zu machen und uns nicht unterkriegen zu lassen. Ich glaube, wir leben nun bewusster und lernen auch die kleinen Dinge des Lebens wieder wertzuschätzen.

Was ist Ihr Lieblingsort, um aufzutanken?

Bartoldus: Normalerweise die Sporthalle, im abgelaufenen Jahr das Rennrad und momentan der Hängesessel in unserem Wohnzimmer.

Welches Buch lesen Sie gerade?

Bartoldus: Den historischen Roman „Schwert und Krone – Herz aus Stein“ von Sabine Ebert. Eine fantastische Autorin, die mir mit ihrer Buchreihe Barbarossa näher bringt.

Sehnen Sie die ,,Normalität‘‘ der Vor-Corona-Zeit herbei oder ist Ihnen bewusst, dass es diese Normalität nicht mehr geben wird?

Bartoldus: Klar sehne ich mich nach Normalität. Mir fehlen der Mannschaftssport, die Treffen mit Freunden und das unbekümmerte Schlendern über Libori. Allerdings bin ich mir bewusst, dass es bis zu dieser Normalität ein langer Weg wird. Ich hoffe auf Entspannung im Frühjahr, so dass wir wieder in die Sporthallen dürfen, einen schönen Sommer, in dem wir in den Urlaub fahren können und auf die Impfbereitschaft vieler, damit es keine weitere Welle im Herbst gibt.

Was möchten Sie dem Coronavirus sagen?

Bartoldus: Du hast jetzt lang genug unser aller Leben bestimmt. Jetzt reicht es, wir wollen wieder einen Alltag ohne Maske und Angst haben.

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