WV-Serie „Meine Corona-Zeit“, Folge 9: Susanne Werner, Torjägerin des Fußball-Landesligisten TuS Sennelager
„Wir müssen da jetzt einfach durch“

Paderborn. -

Entschleunigen, hinterfragen, neue Wege gehen: Susanne Werner, Torjägerin des Fußball-Landesligisten TuS Sennelager, hat Verständnis dafür, dass der Amateursport ruht, und weiß die positiven Nebenwirkungen des Lockdowns durchaus zu schätzen.

Donnerstag, 28.01.2021, 03:14 Uhr aktualisiert: 28.01.2021, 03:20 Uhr
Susanne Werner (am Ball) ist Fußballerin beim TuS Sennelager und spielt in der Halle Futsal beim UFC Paderborn.

In der neunten Folge unserer Serie „Meine Corona-Zeit“ gibt die 29-Jährige, Product Marketing Manager im Home Office, Einblicke in ihr Leben mit der Pandemie.

Wie nah ist Ihnen das Virus bislang gekommen?

Susanne Werner: Zum Glück hatte weder in meinem engen Freundeskreis noch ich selbst bislang das Virus. Jedoch waren ein paar Arbeitskollegen davon betroffen, jeweils mit unterschiedlichen Symptomen. Während sich der eine nur etwas grippig fühlte, hatten andere stärkere Atembeschwerden oder sogar ihren Riech- und Geschmackssinn verloren. So richtig schlimm war es aber noch bei niemandem, den ich kenne (dreimal auf Holz geklopft).

Was überwiegt bei Ihnen gerade: Vertrauen und Gelassenheit oder Unzufriedenheit und Frust?

Werner: Momentan eher noch Vertrauen und Gelassenheit, obwohl man die Lage natürlich ernst nehmen und dementsprechend handeln sollte. Die aktuelle Lage gibt aber jedem die Möglichkeit zu entschleunigen, ein paar Dinge zu hinterfragen und neue Wege zu gehen. Ich finde, das sollte jeder für sich nutzen.

Der Amateursport ruht. Ist er Ihrer Meinung nach ein Teil des Problems oder ein Teil der Lösung?

Werner: Ich habe dafür Verständnis, dass der Amateursport zur Sicherheit aller momentan ruht. Es geht nicht, dass sich Menschen wie Ärzte und Pflegekräfte abrackern und teilweise nicht mehr wissen, wie sie das Arbeitspensum gestemmt bekommen, Restaurants und Geschäfte schließen müssen, aber für den Sport Ausnahmen gemacht werden. Jedoch würde ich auch lügen, wenn ich sage, dass ich die Trainingseinheiten, Spiele auf dem Platz und Aktivitäten neben dem Platz mit meiner Mannschaft nicht vermissen würde.

Wenn Sie für einen Tag Bundeskanzlerin sein dürften, was würden Sie für diesen einen Tag im Sinne der Nation ändern?

Werner: Wenn ich ehrlich bin, würde ich momentan gar nicht tauschen wollen. Ich glaube, Frau Merkel ist momentan in einer Lage, in der sie nur alles falsch machen kann. Die einen verlangen nach strikteren Maßnahmen, um endlich Herr der Lage zu werden, während die anderen ihr normales Leben und damit ein Stück Freiheit und Selbstbestimmung wieder zurückhaben wollen. Ich finde, wir müssen da jetzt einfach durch und das Beste draus machen. Sobald es die Zeiten wieder erlauben, würde ich als erstes die Geschäfte wieder öffnen, um Existenzen zu sichern, die Kontaktbeschränkungen lockern, um meine Freunde öfter sehen zu können und Reiseverbote aufheben, um alle Ecken dieser schönen Welt zu entdecken und aus dem Alltagstrott rauszukommen.

Was tun sie und wo tun sie es, um ihre körperliche oder auch geistige Fitness auf Trab zu halten?

Werner: Körperlich halte ich mich vor allem mit Laufen an der frischen Luft fit. In den Sommermonaten kamen noch Touren mit dem Fahrrad dazu, und die Inliner wurden auch mal wieder ausgepackt. Da ich noch ganz normal arbeiten darf, wenn auch im Home-Office, versuche ich in der Freizeit möglichst oft an die frische Luft zu kommen. Das hat auch dazu geführt, dass ich das Wandern und die Natur in der Umgebung neu für mich entdeckt habe.

Welt verändert sich, Gewohnheiten werden erschüttert. Hat diese Extremsituation Ihr Lebensgefühl, Ihre Wahrnehmung, Ihr Denken verändert?

Werner: Das hat sie definitiv. Wie schon angemerkt, nimmt man zum Beispiel die Natur wieder verstärkt wahr. Vorher hatte ich durch Fußball und Futsal ehrlich gesagt auch gar keine Zeit, um fünf Stunden durch die Natur zu laufen und die schönen Ecken in Ostwestfalen zu erkunden. Heimat kann also auch sehr schön sein. Außerdem macht man sich gerade jetzt, wo einem viele Sachen auch einfach verboten werden, bewusst, wie sehr man diese schätzen und eben nicht als normal empfinden sollte. Ich glaube, gerade in der Zeit nach der Pandemie, wann immer das auch sein wird, werden wir die Zeit mit Freunden, beim Sport, den Restaurantbesuch, die Party und, und, und viel intensiver wahrnehmen und schätzen als jemals zuvor.

Was ist Ihr Lieblingsort, um aufzutanken?

Werner: Die Natur.

Welches Buch lesen Sie gerade?

Werner: Ein bisschen was für die Seele, mit Am-Ende-wird- alles-gut-Charakter. Die Maxton Hall-Romanreihe von Mona Kasten „Save me“, „Save you“, „Save us“. Wie passend, oder?

Sehnen Sie die ,,Normalität‘‘ der Vor-Corona-Zeit herbei oder ist Ihnen bewusst, dass es diese Normalität nicht mehr geben wird?

Werner: Das ist eine schwierige Frage. In Zeiten eines Lockdowns und der bevorstehenden Auswirkungen für die Wirtschaft sowie dem Verlust, den viele erleiden mussten, sehne ich die Normalität der Vor-Corona-Zeit natürlich herbei. Ich hoffe aber auch, dass jeder aus dieser Zeit etwas Positives für sich persönlich und sein Umfeld herausziehen kann. Es wird wahrscheinlich nicht mehr so wie vorher werden, aber das muss ja auch nicht immer unbedingt was Schlechtes sein.

Was möchten Sie dem Coronavirus sagen?

Werner: Danke, wir haben es verstanden. Aber reicht jetzt auch...

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