Anhaltender Corona-Lockdown ist eine Bewährungsprobe für Solidarität und Disziplin
Der Sport muss sich weiter gedulden

Paderborn -

Die wenig überraschende Konsequenz der Politik, den harten Lockdown bis zunächst Ende Januar zu verlängern, bremst den Amateur- und Freizeitsport in Westfalen erneut mit Wucht aus. Der Stillstand hält also weiter an, der Spielbetrieb bleibt ausgesetzt.

Donnerstag, 07.01.2021, 03:16 Uhr aktualisiert: 07.01.2021, 06:22 Uhr
Der Ball ruht seit Monaten. Die Fußballer im Kreis Paderborn fühlen sich derzeit irgendwie ein bisschen wie „Dummys“ Foto: Jörg Manthey

Eine echte Bewährungsprobe für Geduld, Solidarität und Disziplin. Die Fragezeichen bei den Vereinen und ihren Akteuren, wie es denn nach der unfreiwillig langen Winterpause weitergehen soll, sie werden größer. Jeder Blick in die Glaskugel ist zwecklos. Dass aber mindestens im Februar noch starke Sport-Einschränkungen vorherrschen werden, sollte heute jedem klar sein.

Fußball: König Fußball hat bis zum 30. Juni Zeit, Meisterschaftsspiele zu bestreiten. Bis dahin müssen mindestens 50 Prozent der Spiele absolviert sein, um eine Wertung zu erreichen. Und nur darum geht‘s noch. Dass eine komplette Runde gespielt wird, ist schon auszuschließen. Geplant war, dass am 23./24. Januar zunächst jene Partien, die im November ausgefallen waren, nachgeholt werden. Dieser Plan ist bloß noch Makulatur. In der Oberliga Westfalen sind erst 87 Spiele absolviert worden; für eine Wertung müssen es mindestens 210 werden. SCP-U21-Trainer Mitch Kniat leidet mit seinen Spielern, die mit Lauf-, Fitness- und Kraftplänen Vorlieb nehmen müssen. „Die Situation schlägt aufs Gemüt. Wir Trainer haben echt Mitleid mit unseren Jungs. Sie sind im goldenen Alter, um Fußball zu spielen. Das Thema 40 Spiele ist durch. Es wird wohl bei einer Hinrunde bleiben.“

Handball

Im Handballverband Westfalen, seit Ende Oktober im Ruhestand, hatten sie ebenfalls darauf gehofft, im Januar wieder einsteigen zu können. Dieses Ansinnen muss nun bestenfalls auf Ende Februar verschoben werden. Hendrik Schubert, Sportlicher Leiter des Verbandsligisten HSG Altenbeken/Buke, über die schwierige Situation: „Alle wollen an den Ball greifen. Doch ehe es wieder richtig losgeht, brauchen die Mannschaften unbedingt einen längeren Vorlauf, sonst drohen lange Verletztenlisten. Wir halten uns im Moment mit Home-Workout fit, aber ein Teamgefüge fehlt. Die Kabinengespräche fehlen uns total.“ Gleichwohl sei die Grundstimmung der Spieler positiv. „Erste Abfragen zeigen, dass die HSG 2021/22 wieder einen starken Kader haben wird.“

Andreas Tiemann, Leiter Spieltechnik des HV Westfalen, bleibt gewohnt gelassen. „Wir werden voraussichtlich in der dritten Januarwoche den Kontakt zu den Vereinen suchen und das umsetzen, was sie wollen. Wollen sie spielen, werden wir ein entsprechendes Angebot schaffen.“ Dem Hiller bieten sich für den Restart vor allem zwei Varianten an. Erstens: Bis zum 30. Juni („theretisch geht es auch länger“) nur eine Hinserie zu bestreiten, mit Auf- und Absteigern. Zweitens: Nach der Hinrunde noch eine verkürzte Rückserie anzuschließen, mit Auf- und Abstiegs-Playoffs. Dieses Modell wird von der HSG favorisiert. „Das wäre auch für die Zuschauer am reizvollsten“, findet Schubert, indes skeptisch, ob der Zeitplan so etwas zulässt. „Wir können die Saison nicht unendlich verlängern, wenn es im September wieder losgehen soll.“ Als allerletzte Option bliebe, diese Saison zu annullieren. Ein Worst-Case-Szenario, das keiner will. Dann würde die Serie 2021/22 so anfangen, wie die alte geplant war. „Ich empfehle, auf jeden Fall sportliche Aufsteiger zu ermitteln. Das ist meine persönliche Meinung, und dafür wird es auch Lösungen geben“, meint Tiemann. „Ein Abbruch wäre ein Schuss vor den Bug für die ehrenamtlichen Bemühungen der Vereine.“ Die Handballjugend ist seit dem Saisonabbruch im Frühjahr 2020 noch gar nicht wieder zum geregelten Punktspieleinsatz gekommen. Am Samstag berät das erweiterte Präsidium des HV Westfalen die Lage im Rahmen einer Videokonferenz.

Volleyball

Das Präsidium des Westdeutschen Volleyballverbandes kommt am 12. Januar zusammen, um die neue Situation zu bewerten und das weitere Vorgehen zu besprechen. Klar ist: Die Drittligisten DJK Delbrück (Männer) und VoR Paderborn (Frauen) oder auch die Regionalligafrauen des SC Grün-Weiß Paderborn werden noch mindestens bis Ende Februar keine Punktspiele austragen. DJK-Coach Uli Kussin hat wohl Kenntnis von andiskutierten anderen Formaten („Nur eine Hinrunde oder ein Abschlussturnier“), wirkt jedoch wenig optimistisch. „Ich glaube ehrlich gesagt nicht so recht daran, dass noch gespielt wird.“

Basketball

Die Basketballer im Westen hatten ihren Saisoneinstieg ursprünglich auf Mitte Januar verlegt. Der Westdeutsche Basketball-Verband korrigierte dies Ansinnen bereits 2020 weitsichtig. Aktuell sieht der Plan vor, Anfang März auf Korbjagd zu gehen und nur eine Rückrunde zu bestreiten. Dann haben die Accent Baskets Salzkotten (2. Regionalliga) und Co. fast ein Jahr lang kein Punktspiel absolviert. „In diesen Zeiten ist nichts wirklich vorherseh- oder gar planbar“, erklärt WBV-Präsident Uwe J. Plonka. „Klar ist, dass wir erst wieder beginnen können, wenn die Sporthallen geöffnet sind.“

Badminton

Im Badminton gibt es Indizien für einen erneuerten Saisonabbruch, wie schon 2020. Eine Umfrage zu möglichen Fortführungsszenarien der laufenden Saison unter den Regionalligisten und Oberligisten, insgesamt 24 Teams waren beteiligt, hat ein klares Meinungsbild ergeben, ein 21:3-Votum für eine Beendigung. Allerdings ist bislang ungeklärt, wie mit Auf- und Abstieg umgegangen wird. Der SC BW Ostenland ist nach sechs absolvierten Duellen ungeschlagener Spitzenreiter in der NRW-Oberliga Nord, Phönix Hövelhof hatte sein Team im Oktober vom Regionalliga-Spielbetrieb zurückgezogen, da seine serbischen Leistungsträger Andrija Doder und Ilija Pavlovic sowie deren neu verpflichtete Landsfrau Sara Loncar keine Einreiseerlaubnis erhielten. Ostenlands Sportwart Tim Fischbach vertritt eine klare Meinung: „Wir sehen das sportlich und würden, unabhängig von unserer Platzierung, gerne zumindest die Hinrunde beenden. Uns fehlen dafür noch zwei Spiele. Ich gehe davon aus, dass es machbar sein sollte, die ab März oder April bis zum Juni zu absolvieren, weiß aber auch, dass andere Vereine das anders sehen.“ Als Abbruchszenario könnte er sich vorstellen, dass die Erstplatzierten das Aufstiegsrecht erhalten, niemand absteigt und die Ligen so für 2021/22 weiter aufgestockt werden.

Tischtennis

Der Westdeutsche Tischtennis-Verband (WTTV) hat bereits beschlossen, die laufende Meisterschaft zu einer Einfachrunde schrumpfen zu lassen, und sich damit ein bisschen Luft verschafft. Für die Regionalligadamen des TTV Hövelhof, Tabellendritter, stehen mithin bloß noch fünf Spiele aus. Im Idealfall geht‘s Anfang März wieder um Punkte. Auf Verbandsebene ist die TT-Saison samt Entscheidungsspielen bis Ende Mai verlängert worden. Bezirk und Kreis dürften sogar bis in den Juni hinein spielen, falls erforderlich.

Baseball und Football

Ob die Meisterschaft der Baseball-Bundesliga Nord tatsächlich wie geplant am 3. April – die Untouchables treffen am dem Tag daheim auf die Bonn Capitals – beginnen kann, bleibt abzuwarten. Die NRW-Footballer haben mehrere Szenarien entwickelt. Für den Regionalligisten Paderborn Dolphins könnte der erste Kick-off je nach Lage sowohl Anfang Mai oder auch erst im August erfolgen.

Squash

Nichts los auf den Courts. Der Bundesligastart war von Januar auf Februar verschoben worden, doch das wird nicht zu halten sein. Mit einem Beginn nicht vor März ist zu rechnen. Die für Anfang Februar geplanten Deutschen Einzelmeisterschaften sind verschoben worden auf den 18. bis 20. Juni in Hamburg.

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