1. Tri-Club Paderborn meldet Mannschaft für virtuellen Wettbewerb
Radrennen im Wintergarten

Paderborn -

Nun sind Triathleten bekanntermaßen Schwimmradläufer, doch in Corona-Zeiten ist alles etwas anders. So mutiert der traditionelle Dreikampf vom heutigen Samstag an bis Mitte März 2021 zu einem Acht-Etappen-Radrennen in der virtuellen Welt. Auch Regionalligist 1. Tri-Club Paderborn tritt auf der Zwift-Plattform (Software für interaktives Rollentraining) künftig alle zwei Wochen in die Pedale. Teamkapitän ist Vereinsvorsitzender Roman Reeschke (32).

Samstag, 28.11.2020, 03:08 Uhr aktualisiert: 28.11.2020, 03:10 Uhr
Schnelle Ausfahrt im Wintergarten: Triathlon Roman Reeschke trainiert auf der „Rolle“

In Zeiten von Kurzarbeit und Bäderschließungen („Es ist einfach schrecklich“) freut sich der hauptamtliche Schwimmtrainer des 1. Paderborner SV 02 auf die willkommene Abwechslung im Alltag. Reeschke: „Ich trainiere vor mich hin, ohne zu wissen wofür. Es ist echt relativ langweilig. Aber in diesen Zeiten geht die Gesundheit nun mal vor, und das erfordert Maßnahmen. Ich gehöre nicht zu denen, die fordern, den Sport wieder komplett zu öffnen nach dem Motto: Koste es, was es wolle.“

In der anstehenden ZTS-Saison warten anspruchsvoll profilierte 241,1 Kilometer mit insgesamt 2931 Höhenmetern auf die teilnehmenden Teams. Neben dem klassischen Rennformat wird auch ein etwa 20 Kilometer langes Einzelzeitfahren als Herausforderung eingestreut. Da explodieren die Wattzahlen. Bei Radfahrern ist die Angabe der Leistung in Watt ein unbestechliches und effizientes Maß für die Fitness und zeigt an, in welcher Verfassung die Beine sind. „Es ist richtig schön, sich mal wieder mit stärkster Konkurrenz messen zu können“, beteuert Roman Reeschke.

Technischer Schnickschnack ist Voraussetzung für die Teilnahme an diesem Wettkampf, etwa die Nutzung eines Leistungsmessers oder Powermeters. Der kann in Pedale oder Kurbel verbaut sein. Bevorzugte Lösung ist in der Regel ein Smart-Trainer. Wichtig dabei: Das Equipment muss richtig kalibriert sein. „Am Material scheitert es nicht. Triathleten sind ein bisschen verrückt. Die haben das, was sie denken, haben zu müssen“, grinst Roman Reeschke.

Ihm ist natürlich bewusst, dass diese vormittagliche Challenge im Zwift-Rennformat, die er auf einer Rolle im heimischen Wintergarten bestreiten wird, „kein vollwertiger Ersatz für Triathlon-Wettkämpfe ist. Doch wir müssen das Beste aus der Situation machen. Und es wird da richtig zur Sache gehen!“

Bislang haben 82 Mannschaften aus dem ganzen Bundesgebiet für die Challenge gemeldet. Das neunköpfige Aufgebot des 1. Tri-Clubs Paderborn bilden neben M30-Mann Reeschke noch Fabian Hoya (M30), Marc Schulze (M25), Mario Teune (M30), Max Wetzel (M20), Maximilian Hambrock (M35), Sebastian Schär (M25), Lukas Kersting (M20) und Senior Sven Kost (M40). Die besten drei Athleten werden jeweils in die Tageswertung aufgenommen.

Dieses Rennformat ist eine Fortsetzung. Auf Initiative der Zweitligisten Tri Team Hamburg und TG Tri Zack Rostock hatte es schon im Sommer die virtuelle Premiere der Zwift Triathlon Series (ZTS) gegeben. Sieger damals: das Team Berlin. „Diesmal haben die Jungs aus Hamburg und Rostock das Ding noch professioneller aufgezogen“, lobt Reeschke deren Engagement.

Die App Zwift verlangt von den Triathleten keine perfekte Technik. Sie misst einfach nur die Kraft und Leistung, die auf die Pedale gebracht wird. Trizack Rostock wird zu jedem Rennen einen kommentierten Livestream starten. Dieser ist über die Veranstaltungshomepage (www.ztsracing.de), bei Instagram und Youtube abrufbar.

Reeschkes virtuelles Trainingspensum kann sich sehen lassen. Am Donnerstag radelte er auf Manhattan Island durch den New Yorker Central Park. Für 51,5 Kilometer mit 819 Höhenmetern benötigte er 1:38:04 Stunden. Tags zuvor führte ihn die Einheit in die britische Grafschaft Harrogate (60,3 km, 1143 Höhenmeter, 2:10:58 Stunden). Sein Strava-Profil, die von Sportlern gern genutzte Leistungsdatenaufzeichnung, weist als Bewegungszeit für den Monat November bislang 52:45:23 Stunden (1492,9 Kilometer) aus. Kein Wunder also, dass der Paderborner sich grundsätzlich „ziemlich fit“ fühlt. „Ich habe die ganze Zeit durchtrainiert. Das ist nicht immer einfach. Ich muss mich dafür doppelt und dreifach motivieren.“ Da kommt diese Rennserie gerade recht. Das kurbelt die Trainingsmotivation an. Auch in der digitalen Welt lässt sich niemand gerne abhängen.

Reeschkes letzter ,,echter“ Triathlon ist schon eine Weile her. „Das war im September 2019 in Xanten. Da sind wir mit unserer Mannschaft in die NRW-Liga aufgestiegen, die höchste Liga.“ Sein letzter Wettkampf war Ende Oktober, kurz vor dem Lockdown, der Bahnlauf des Warburger SV. In der Diemelaue lief er die 5000 Meter in 17:15,36 Minuten; Platz vier.

Was das kommende Jahr für den Leistungssport bereithält, bleibt abzuwarten. Noch steht Roman Reeschke in der Teilnehmerliste des Ironman Hamburg am 6. Juni 2021. Der musste in diesem Jahr auch trotz Verlegung auf den 6. September ausfallen. Ob das Großereignis mit tausenden Athleten und noch mehr Zuschauern an Binnen und- Außenalsterwirklich durchgeführt werden kann? „Die Hoffnung stirbt zuletzt“, seufzt der 32-Jährige. Für ihn soll das Abenteuer schließlich ein Saisonhöhepunkt sein. „Mein Ziel ist es, mich da für Hawaii zu qualifizieren.“

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