SSV Elsen und andere Bundesliga-Vereine entwickeln eigenen Wettkampfmodus
Quickstern würdigt Solidarität

Paderborn (WB/jm). Nachdem der Ligaausschuss des Deutschen Schützen-Bundes mehrheitlich für eine Absage der Bundesliga-Meisterschaft votiert hat (diese Zeitung berichtete ausführlich), Aufarbeitung und Frustbewältigung erfolgreich waren, regt sich kreativer Widerstand bei den betroffenen Klubs.

Freitag, 09.10.2020, 03:00 Uhr
Freude bei den Luftgewehrschützen des SSV St. Hubertus Elsen: Sie kommen nach der Liga-Absage doch noch zu sportlichen Vergleichswettkämpfen. Von links: Nadine Hochgeschurz, Dirk Steinicke, Denise Palberg, Malin Wigger, Bastian Blos und Seonaid McIntosh. Foto: Jörg Manthey

Auch der SSV St. Hubertus Elsen gehört einem Kreis von acht Nord-Vereinen an, die am Mittwochabend Überlegungen in Form gegossen haben, um das Vakuum sinnvoll zu füllen.

Resultat der konstruktiven Eigeninitiative, die demnächst kristallisieren soll: Wettkämpfe an vier Wochenenden nach dem Vorbild des Bundesligamodus’ – auf hygienetechnisch bestens präparierten Ständen mit freiwillig zusätzlich getroffenen Sicherheitsmaßnahmen. Start ist demnach am Wochenende 24./25. Oktober. Elsen gastiert zunächst beim Ausrichter SV Wieckenberg. In Wietze heißen die Auftaktgegner SV Kamen und Wissener SV. „Wir wollen, dass unsere Sportler ihren Sport ausüben können. Das ist der Hauptfokus“, erklärt Markus Quickstern, 1. Vorsitzender des SSV St. Hubertus Elsen. So denken neben dem SV Wieckenberg auch die SSG Kevelaer, SV Kamen, BSV Buer-Bülse, Braunschweiger SG 1545, Wissener SV und PSS Inden/Altdorf (2. Liga Nord).

„Nicht nur Übergangslösung“

„Die Vereine sind froh, dass es diese Möglichkeit gibt“, berichtet Markus Quickstern. Der gehört dem fünfköpfigen Orga-Team an, das am Mittwoch in einer dreistündigen Videokonferenz den Feinschliff erarbeitete. „Tenor ist, dass diese Runde nicht unbedingt nur eine Übergangslösung sein soll.“ Aus der Nordstaffel der Bundesliga nehmen nicht teil: SB Freiheit, SG Mengshausen, SV Petersberg, SV Ladekop und SV Gölzau. Weitere Wettkampftermine sind der 7./8. November (in Kevelaer), 6. Dezember (in Dortmund) und 9./10. Januar (Kamen).

Der SSV St. Hubertus fehlt als Ausrichter, „weil wir uns für die kostengünstigsten Anlagen entschieden haben“, entgegnet Quickstern. Elsen wird nicht immer in identischer Besetzung antreten, sondern all seinen startberechtigten Schützen mit einer Bundesligalizenz die Chance geben, sich zu präsentieren. Am Sonntag steht eine finale Videokonferenz mit allen beteiligten Klubs an. „Das Kind wird noch einen Titel, einen schicken Namen bekommen. Und es wird hinterher auch eine Auszeichnung zu gewinnen geben, einen Pokal oder etwas anderes“, verrät Markus Quickstern.

„So noch nicht kennengelernt“

Grundsätzlich zeigt sich der Vorsitzende der Elsener Schützen beeindruckt, was sich seit der offiziellen Bundesligaabsage in der Kürze der Zeit getan hat. „Für mich hat sich eine absolut einmalige Solidarität im deutschen Schießsport gezeigt. Alle beteiligten Klub haben eigene Befindlichkeiten hinten angestellt und in der Sache nur an den Schießsport gedacht. Was da an Energie, an ehrenamtlicher Arbeit investiert wurde, habe ich in den vergangenen 20, 25 Jahren so noch nicht kennengelernt.“ Und das bisherige Feedback zu dem gefundenen Konsens, sich national auf hohem Niveau zu messen, sei „absolut überwältigend. Der Schießsport findet weiter Präsenz in der Öffentlichkeit“, freut sich Markus Quickstern.

Alle großen Meisterschaften für dieses Jahr waren bereits im Frühjahr abgesagt worden. Die Liga war das einzige, was der Schießsport noch hatte. Die Luftgewehr-Bundesliga ist ein Format, das auch international ein hohes Ansehen genießt. Niemand möchte Corona kleinreden, doch dass der abwartende Verband außer dem geäußerten und abgeblitzten Vorschlag „Fernwettkämpfe“ keine andere flexible Lösung, keinen abgestuften Plan B oder C offerieren oder gar durchsetzen konnte, hat Kritiker auf den Plan gerufen.

Online-Petition

So hat die SSG Kevelaer auf der Suche nach einer Perspektive eine Online-Petition formuliert, die auch von den Elsener Schützen unterstützt wird. „Sportschießen bietet als kontaktlose Sportart Möglichkeiten, die andere Sportarten nicht haben“, heißt es darin. Die geäußerte Sorge: „Die Bindung unserer Schüler und Jugendlichen ans Schießen steht jetzt auf dem Spiel.“ Kevelaer wirbt für „dezentrale Minimallösungen“. Tenor: „Wir fordern den DSB auf, unverzüglich mit den Landesverbänden auch alternative Konzepte zur Durchführung der Meisterschaftsrunde 2020/21 anzubieten! Jeder Wettkampf ist besser als gar kein Wettkampf!“ Ohne vorangegangene Meldeergebnisse könnte 2021 wieder ein Abbruch der Meisterschaftsrunde drohen. „Es ist höchste Zeit. Ansonsten schafft sich Sportschießen selber ab!“

Die „Rebellen“ haben mit ihrer gefundenen Wettkampfserie womöglich Signalwirkung auf die unteren Ebenen. WSB-Kreisvorsitzender Ulrich Harkötter ist ja Vereinsmitglied im SSV St. Hubertus Elsen. „Tenor ist, dass ein Wettkampfkalender aufgebaut werden soll, um unseren Sport hochzuhalten“, berichtet Markus Quickstern von Plänen, trotz Mehraufwandes wegen der Corona-Krise Meisterschaften auf Kreis-, Bezirks- und auch Landesebene durchzuführen.

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