Untouchables empfangen Favorit Bonn Capitals im dritten DM-Halbfinalspiel
Die Lust auf eine Sensation

Paderborn (WB/jm). Autsch. In zwei Spielen bloß eine Handvoll Hits, kein Run zur Homeplate. Zum Auftakt der DM-Halbfinalserie hatten die Untouchables Paderborn den Gala-Auftritten der Bonn Capitals im Baseballstadion Rheinaue gar nichts entgegenzusetzen, weder offensiv noch defensiv.

Donnerstag, 01.10.2020, 21:00 Uhr
Zusammenstehen! Der 0:2-Rückstand ist schmerzhaft. Nur als Einheit haben die Untouchables eine Chance gegen Bonn. Foto: Jörg Manthey

Da war sogar Headcoach Jendrick Speer „ein bisschen geschockt. Die einen waren gut und die anderen nicht gut.“ Erst ein 0:6 bei gruseligen Witterungsbedingungen bis zum Regenabbruch, tags darauf ein noch beeindruckenderes 0:15 nach bloß fünf Innings. „Ich will Bonn die Leistung ja nicht wegnehmen. Aber dieser Score gibt das Match nicht korrekt wider“, merkt Speer an.

„Noch nie 0:15 verloren“

Gleichwohl griffen angesichts solcher Eindeutigkeit die Umpire zur „Mercy Rule“ (Gnadenregel); eine gänzlich neue Erfahrung für ein Topteam wie die U’s, für Jendrick Speer und genauso wie für Maurice Bendrien. „Mit 0:15 hatte ich noch nie verloren. Es war nix los mit uns“, blickt der Paderborner Catcher wütend und enttäuscht auf ein „schlechtes Wochenende“ zurück. „Wir waren nicht gut, und dann kam auch noch Pech dazu. Bonn war mehr da!“ Und irgendwann hatte der Gegner das Momentum auf seiner Seite. „Wir sind aufgrund unserer Defensivfehler immer wackliger geworden. Es war einfach der Wurm drin“, räumt Bendrien ein.

Ob Paderborns Baseballer nach dieser Demontage am Samstag (17 Uhr, Ahorn-Ballpark) zu einer anderen Qualität von Widerstand fähig sind? „Wir haben alle Möglichkeiten. Es ist Samstag ein Spiel, und wir können ein Spiel gewinnen. Darauf liegt der Fokus“, erklärt Jendrick Speer. Sollte Bonn in den Sonntag gezwungen werden können, geht’s um 12 Uhr und 15.30 Uhr um die Wurst. Mit dem Heimvorteil im Rücken.

Fakt ist: Seine Mannschaft wird angesichts des 0:2-Rückstandes in der Best-of-5-Serie gegen diese Bonner, gerade deren Star-Pitcher Sascha Koch, einen „großen Tag“ brauchen. Speer bleibt cool: „Es geht in dieser Serie darum, drei Spiele zu gewinnen. Egal welche.“

Noch nie ein 0:2 gedreht

Nun haben es die Untouchables bislang noch nie geschafft, ein 0:2 zu drehen. Andersrum hat es diese bittere Erfahrung schon gegeben. „Wir lagen im Finale gegen Regensburg mal 2:0 vorn haben noch 2:3 verloren“, meint Speer. Der Rekord-Nationalspieler hat in seiner langen Karriere schon allerlei erlebt, wie er betont. „Da waren Spiele bei, in denen wir im neunten Inning mit zehn Punkten hinten lagen und das Ding noch gedreht haben. Das ist Baseball. Ich weiß, was alles möglich ist.“

Ein Schlüssel zur Sensation sei „Selbstvertrauen“. Da habe der Gegner wohl Vorteile. „Das ist der Unterschied. Die Bonner sind älter und spielen schon länger zusammen. Wir haben ein junges, talentiertes Team, das zwar ein hohes Spielniveau aufweist, aber bei einem Rückstand schon mal die Motivation verliert“, hat der Coach beobachtet. Er nimmt seine Führungsspieler in die Pflicht. „Sie müssen die anderen mitreißen.“

Das Prinzip Hoffnung

Es seien „gute Gespräche“ geführt worden. Maurice Bendrien hat verstanden. „Ich habe Lust, Geschichte zu schreiben“, sagt der Catcher trotzig. „Wir haben immer noch eine Chance. Aus den vielen Fehlern, die wir in Bonn gemacht haben, haben wir Lehren gezogen. Bonn muss sich den Finaleinzug erst noch verdienen.“ Apropos Sascha Koch. Bendrien: „Den hatten wir nach drei Innings runter vom Mound. Das war bis dahin richtig gut von uns. Solch eine Leistung müssen wir die ganze Zeit durchziehen.“ Letztlich regiert rund um den Ahorn-Ballpark das Prinzip Hoffnung. Der 2015 im Alter von 90 Jahren verstorbene „Yogi“ Berra von den New York Yankees, der insgesamt 2120 Mal auf dem Feld stand und 358 Homeruns schlug, prägte in seiner Zeit eine Vielzahl an Zitaten. Eines davon, an das sich auch die U’s klammern: „It isn’t over til it’s over.“ Es ist nicht vorbei, bis es vorbei ist.

Champions-Cup-Ticket winkt

Die Bonn Capitals, in dieser Saison erst einmal unterlegen, haben also ihre Favoritenstellung souverän unterstrichen. So genügt dem Nordmeister ein Sieg am Samstag, um nach 2018 – da gab’s den ersten Titel in der Vereinshistorie – und 2019 erneut in das Endspiel um die Deutsche Meisterschaft einzuziehen. Ein Triumph mit Ansagen: Bonns australischer Spielertrainer Wilson Lee, Linkshänder, hatte schon vor der Saison nach seiner Rückkehr aus Solingen angekündigt: „Es ist mein großes Ziel, meine erste Deutsche Meisterschaft zu holen!“ Die internationale Zugabe für den Titel ist lohnenswert: Für den European Champions Cup 2021 hat der Deutsche Baseball- und Softballverband die Deutschen Meister von 2019 (Heidenheim Heideköpfe) und 2020 nominiert.

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