Frust pur: Paderborner Golfprofi befindet sich nach positivem Test in Quarantäne
Corona durchkreuzt Knappes Pläne

Paderborn (WB). Bis vor wenigen Tagen war die Welt für Alexander Knappe noch in Ordnung, sehr in Ordnung sogar. Mit den Auswirkungen, die die Coronapandemie auch auf den Golfzirkus hat, hatte sich der Paderborner arrangiert. Form und Resultate stimmten. Mehr noch: Da entgegen der ursprünglichen Informationen doch die Möglichkeit besteht, sich über das Ranking der arg verkürzten Challenge-Tour-Saison eine Karte für die European Tour 2021 zu erspielen, wähnte sich der 31-Jährige auf einem vielversprechenden Weg, in Kürze wieder den Sprung auf das höchste europäische Niveau seines Sports perfekt machen zu können.

Mittwoch, 30.09.2020, 20:30 Uhr
Alex Knappe wollte vom Donnerstag an bei der Italian Challange Open abschlagen, aber stattdessen befindet er sich in München in Quarantäne. Foto: imago

Doch plötzlich ist diese Welt ins Wanken geraten. Das Coronavirus und das Gesundheitsamt München haben die Pläne durchkreuzt. Statt vom heutigen Donnerstag an bei der Italian Challenge Open den nächsten Schritt in Richtung Tour-Ticket zu machen, befindet sich ein völlig frustrierter Knappe nach einem positiven und zwei negativen Coronatests in Quarantäne.

Da ging es drunter und drüber.

Alexander Knappe

Es war der Montag nach der Portugal Open, der 21. September, als das Drama begann. Gerade wieder in München angekommen, seine Freundin wohnt in der bayerischen Landeshauptstadt, traf Knappe am Flughafen die spontane Entscheidung, sich als Reiserückkehrer testen zu lassen, statt – wie sonst üblich – in den eigenen vier Wänden das von der Tour zur Verfügung gestellte Test-Kit zu nutzen. Zur Einordnung: Die Spieler dürfen nur dann zu einem Turnier reisen, wenn sie einen negativen Test vorzuweisen haben. Diese Vorgabe wollte Knappe mit Blick auf den bevorstehenden Auftritt nahe Mailand vorzeitig erfüllt wissen. Rückblickend stellt er fest: „Das war definitiv das letzte Mal, dass ich mich öffentlich habe testen lassen. Da ging es drunter und drüber und ich hatte schon von Anfang an ein schlechtes Gefühl.“

Mail sorgt für Fassungslosigkeit

Kurz vor dem Schichtwechsel wurde noch eine vor dem gebürtigen Briloner wartende, sechsköpfige Familie gemeinsam in eine der acht Kabinen gerufen. Knappe ging in diesem Moment davon aus, erst nach dem Personaltausch an der Reihe zu sein und richtete sich bereits auf eine längere Wartezeit ein, als er doch noch in genau die Kabine beordert wurde, die die Familie gerade erst verlassen hatte: „Das ging mir alles viel zu schnell und war viel zu hektisch. Ich habe dann aber doch ‚aaaa‘ gesagt, statt es mir anders zu überlegen und mein Abstrich wurde direkt zu den Proben der Familie gestellt, die da noch alle standen.“

Bei den Turnieren leben wir in einer Blase.

Alexander Knappe

Ob in der Folge eines der Behältnisse vertauscht wurde, weiß natürlich auch Knappe nicht. Aber zwei Tage später fand er eine Mail im Eingang, in der ihm ein positives Testergebnis attestiert und er zu einer 14-tägigen Quarantäne verpflichtet wurde. „Ich war fassungslos, hatte nicht die Spur von Symptomen und keine Ahnung, wo ich mich angesteckt haben könnte. Bei den Turnieren leben wir ja in einer Blase, fast wie im Gefängnis. Wir werden vor Ort getestet. Wir dürfen die Hotels nicht verlassen, bekommen das Essen von Mitarbeitern in Schutzkleidung überbracht. Außerdem wird jeden Tag ein Symptomcheck vorgenommen und die Temperatur gemessen. Sobald etwas nicht stimmt, ist man raus. Da kann ich mich nicht angesteckt haben.“ Der prompte Anruf beim Gesundheitsamt sorgte zunächst für Hoffnung. Knappe schilderte seine Lage, erklärte, dass ein extrem wichtiges Turnier anstehe und bekam die Antwort, dass die Quarantäne-Zeit verkürzt werden könne, wenn es Tests mit negativem Befund gäbe. Die besorgte er sich am Tag danach, ließ von zwei Ärzten Abstriche machen und bekam die erwarteten Resultate: zweimal negativ.

Viel Vertrauen verloren

Die Hoffnung, die er mit dem folgenden Anruf beim Gesundheitsamt verband, erfüllte sich jedoch nicht. Im Gegenteil: „Plötzlich hieß es: Die negativen Tests beweisen gar nichts, auch ein Anti-Körper-Test würde mir nicht helfen. Die Quarantäne-Zeit bleibt, wie sie ist. Punkt.“ Dabei hätte es bereits genügt, die Zwangspause von 14 auf das Mindestmaß von zehn Tagen zu verkürzen, dann hätte die ehemalige Nummer 104 der Weltrangliste zumindest direkt zur Turnierbeginn in Italien am Abschlag stehen können. Das wäre auch alles andere als ideal, aber ungleich besser als kein Start gewesen, geht die Saison mit den letzten vier Events doch in ihre finale Phase. Knappe steht im Gesamtranking auf Rang acht, die besten Fünf bekommen die Fahrkarte für die European-Tour-Saison 2021. Mit einem weiteren Topergebnis wollte der Longhitter den überschaubaren Abstand auf die begehrten Plätze abermals verkürzen, aber daraus wird nichts. In Knappes Abwesenheit wird die Differenz eher größer, aber unter Garantie nicht geringer. Von den 300.000 Euro Preisgeld wird er keinen Cent bekommen. Die Enttäuschung könnte nicht tiefer sitzen: „Seit ich einen Anwalt eingeschaltet habe, stehe ich mit dem Gesundheitsamt auf Kriegsfuß. Das ist echt traurig, aber da scheint derzeit wirklich so etwas wie Narrenfreiheit zu herrschen. Da ist meinerseits eine ganze Menge Vertrauen verloren gegangen.“

Das kann doch alles nicht wahr sein.

Alexander Knappe

Und nicht nur das. Wenn die Quarantäne am Montag aufgehoben wird, wird der zuvor formstarke Profi 14 Tage lang nicht trainiert haben. Zwar bleiben vier Wochen, um sich auf die abschließenden drei Turniere, die von November an in Spanien ausgespielt werden, vorzubereiten, aber auch das ist kein Trost: „Mir bietet sich gerade die riesige Chance, die Tour-Karte wiederzubekommen, mein Leben zu verändern und jetzt kann ich das zweitgrößte der letzten vier Turniere nicht spielen. Das kann doch alles nicht wahr sein.“

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