Ligaausschuss des Deutschen Schützenbundes sagt überraschend Bundesliga-Saison ab
„Habe dafür kein Verständnis“

Paderborn (WB/jm). Riesenenttäuschung und Betroffenheit bei den Luftgewehrschützen nicht nur des SSV St. Hubertus Elsen: Überraschend hat der Ligaausschuss Luftgewehr/Luftpistole des Deutschen Schützenbundes die kommende Bundesligasaison 2020/21 abgesagt .

Dienstag, 29.09.2020, 21:00 Uhr aktualisiert: 30.09.2020, 06:08 Uhr
Hygienekonzepte funktionieren: Elsens Mannschaftsführer Dirk Steinicke findet die kurzfristige Saisonabsage „persönlich auch ein Stück feige“.

Das 15-köpfige Gremium votierte demnach mit 10:5 für die Absage. „Aufgrund der sich wieder zuspitzenden Corona-Lage“, wie es offiziell heißt. Die 1. und 2. Bundesliga Luftgewehr wäre am 10/11. Oktober gestartet.

„Das ist ein Tiefschlag und nicht förderlich für unseren Sport“, kommentiert Markus Quickstern, der 1. Vorsitzende des SSV St. Hubertus Elsen, das demotivierende Votum konsterniert. „Wir waren eigentlich alle guter Hoffnung, dass die Saison durchgeführt werden kann. Die Vereine hatten sorgfältige Hygienekonzepte entwickelt und standen artig in Kontakt mit den Behörden. Es hätten auch noch Konzepte für einen Plan B erarbeitet werden können, aber die sind nicht vorangetrieben worden. Nein, diese Saisonabsage ist wahrlich nicht hilfreich. Ich habe dafür kein Verständnis.“

„Wir machen kein Thaiboxen“

Elsens Mannschaftsführer Dirk Steinicke (36), der sich eigens ein neues Gewehr und neue Schießkleidung zugelegt hat, findet es „ein Stück weit feige“ und „sehr bedauerlich, wie einige Vereine entschieden haben. Wir machen kein Thaiboxen, sind kein Kontaktsport. Es gibt wenig Disziplinen wie das Schießen, wo wir zeigen können, dass wir verantwortlich mit Hygienekonzepten umgehen können. Dass es funktioniert. Wir haben schließlich nicht tausende Fans. Schade!“ Die zwölf Kapitäne des Nordens hätten sich in deutlicher Mehrheit für den Saisonbetrieb ausgesprochen, so Steinicke weiter. Als „kurios“ empfindet er, dass der Verband sorgenfrei Ranglistenwettkämpfe oder Sichtungen mit erheblich mehr Teilnehmern durchführt.

Rückschlag für die Bundesliga

Die Ausschuss-Sitzung sei nach Aussagen Gerhard Furniers, DSB-Vizepräsident Sport und Ligaausschuss-Vorsitzender, emotional und umkämpft gelaufen. Bei der Entscheidungsfindung seien vor allem solche Aspekte ins Feld geführt worden: Vereine hatten Bedenken, dass ihre Schützen nach Auswärtsfahrten in eine längere Quarantäne müssten und dies negative Auswirkungen auf den beruflichen Alltag der Sportler hätte. Auch Reisebeschränkungen und Probleme von Unterbringungsmöglichkeiten wogen schwer. „Das ist ein herber Rückschlag für die Bundesliga und den Schießsport allgemein“, weiß Gerhard Furnier. Der Ligaausschuss ist mit insgesamt 15 Personen besetzt. In dem Gremium sitzen noch fünf Ligaleiter (für die 1. Bundesliga sowie die fünf 2. Ligen), DSB-Sportdirektor Heiner Gabelmann sowie vier Vereins- und vier Aktivenvertreter für die Luftgewehr- und Luftpistolen-Bundesliga Nord und Süd. „Das heißt, es müssen ja auch Vereins- und Aktivenvertreter für Nein gestimmt haben“, sagt Markus Quickstern nachdenklich.

Kein Auf- und kein Abstieg

Wie dem auch sei: „Das Votum ist am Ende eindeutig und muss dann auch so akzeptiert werden“, fordert Gerd Furnier; gleichermaßen enttäuscht, dass sein Alternativvorschlag, einen Fernwettkampf durchzuführen, keine Mehrheit fand. Die Auswirken der Saisonabsage: „Die 1. und 2. Bundesliga ist quasi eingefroren, es gibt keinen Auf- und Abstieg“, erläutert Furnier. Das wirke sich natürlich auch auf die darunter liegenden Ligen aus, bei denen die Aufstiegsregelung ebenfalls ausgesetzt werde.

Markus Quickstern unkt: „Grundsätzlich sind die Mitgliederzahlen in unserem Sport rückläufig. Wir leben als Basis auch von den Wettkämpfen, die wir in die Öffentlichkeit bringen. Mit der Berichterstattung über die Bundesliga entfällt eine wichtige Werbewirksamkeit. Womit sollen wir auf uns aufmerksam machen? Nur von den Kindern unserer eigenen Mitglieder zu leben, klappt nicht.“

Für den Abend ist eine Videokonferenz der Vereine anberaumt, um darüber zu beraten, wie die Folgen abgefedert werden könnten. Markus Quickstern ist daran gelegen, einen Rahmen für Alternativen zu finden. Denn: „Unsere Sportler sind gewillt, Wettkämpfe zu schießen.“ Und Dirk Steinicke regt an, dass dieses Vakuum jetzt auch eine Chance für interessierte Vereine darstelle, alternative Wettkampfformen abseits der DSB-Strukturen zu entwickeln.

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