Mit „brennenden Beinen“ durch den Betonkanal der Bobbahn in Winterberg
Immer nur bergauf

Paderborn (WB/jm). Normalerweise flitzen Olympiasieger und Weltmeister in ihren Bobs oder Schlitten durch den Eiskanal der multifunktionalen Veltins-Eisarena in Winterberg rasant talabwärts. So ein Durchgang dauert keine Minute, Millisekunden entscheiden über die Platzierung. Am Samstag nahm bei tollem Spätsommerwetter eine kleine Läuferschar aus Paderborn die viertälteste Kunsteisbahn der Welt unter ihre Sportschuhe – und zwar bergauf!

Dienstag, 22.09.2020, 03:00 Uhr
Frank Ewen, Jan Braun und Laura Stuhldreyer (von rechts) sind die Winterberger Bobbahn hochgelaufen. Foto: Braun Vision

Eine außergewöhnliche, immer steiler werdende Herausforderung. „Hammerhart. Heftig. Hinterher hast du keine Fragen mehr“, schnaufte Jan Braun mit „brennenden Beinen“. Der Macher des 7CRuns fand das Abenteuer in der Bobbahn (Gesamtlänge 1330 Meter, 15 Steilkurven, Höhendifferenz beträgt 110 Meter) „einmalig. Das Ding ist irre und hat Event-Charakter.“ Und deshalb werden derzeit auch Ideen für ein Format konkretisiert. 2021 könnte der SC Grün-Weiß Paderborn dort in Kooperation mit der Sportregion Winterberg einen Erlebnis-Wettbewerb durchführen. Christian Stork („Aufgrund von Corona müssen wir uns neu erfinden“), Geschäftsführer der Schlosspark und Lippesee Gesellschaft und Veranstaltungsleiter des Paderborner Osterlaufes, hatte den Kontakt zur Bobbahn hergestellt. Auch er ging die Bobbahn probehalber mal hoch. „Ich habe Muskelkater“, klagte Stork am Montag schmunzelnd.

Test für neues Zeitmesssystem

Dieser Testlauf war gleichzeitig eine Generalprobe für ein neues, von Paderborner Firmen entwickeltes innovatives Zeitmesssystem, das mit Gesichtserkennung funktioniert und den Chip am Fuß mal überflüssig machen soll. „Auch beim Martinslauf im November wollen wir es gerne einsetzen. Im nächsten Lauf soll es marktreif sein“, erklärte Jan Braun zufrieden.

Für verrückte Sachen ist Frank Ewen immer zu haben. Der Ultraläufer aus Delbrück-Sudhagen, der vor Jahresfrist in 31:30,46 Stunden den 246 Kilometer langen Spartathlon, die historische Strecke von Athen nach Sparta, bewältigt hatte, packte auch im Bobkanal seine Steherqualitäten aus und benötigte 8:33 Minuten. Laura Stuhldreyer, Gründungsmitglied des 7CRuns, folgte in 9:11 Minuten. 7CRun-Chef Jan Braun schaffte die Bergauf-Tortur in 9:27 Minuten.

Frank Ewen hat „richtig Bock“

Eigentlich waren Ewen, lieber im dreistelligen Kilometerbereich unterwegs, 1,3 Kilometer ja nicht genug, doch er ließ sich überreden. Und bereute es nicht. „Ich war super überrascht. Eine tolle Veranstaltung. Das hat richtig Bock gemacht.“

Dieser Bobrun mit im Finale maximal 15 Prozent Steigung hatte es in sich. Jan Braun: „Es geht hoch und hoch und hört gar nicht auf, hochzugehen. Da kommst du echt an dein Limit.“ Und irgendwann begannen in der nackten Betonröhre seine Waden zu brennen.

Wie so ein Laufevent in der Bobbahn gestaltet werden könnte, ist am 26. September in Altenberg zu sehen. Unter dem Motto „Kraft.Ausdauer.Wille.“ führt die Strecke auf einer Länge von etwa 8,5 Kilometern erst durchs angrenzende Waldgebiet, ehe sie im Anstieg der Bobbahn ein herausforderndes Ende findet. Braun: „Spannend. So in etwa könnte ich mir auch das Format vorstellen. Breitensportler rennen erst durchs Gelände und am Ende als Highlight in die Bobbahn. Für die Elite bietet sich ein Ausscheidungslauf als Teamwettbewerb an.“

Bald wird die Röhre wieder für ihre eigentliche Aufgabe präpariert und vereist. Der Saisonstart ist für den 19. Oktober vorgesehen; ein Lehrgang des Bob-Olympia- und Nachwuchskaders 1 mit Bundestrainer René Spies.

Kommentare

NichtEliteLäufer  wrote: 22.09.2020 15:16
Klingt nach einer tollen Idee, definitiv. Aber ist es nicht irgendwo Schade, dass Herr Braun ständig von der "Elite" redet. Laufen ist immernoch ein Breitensport für Jedermann und sollte doch auch von der Veranstaltern weiterhin auch als diese geplant werden.

Wie ich zuvor schon in einer anderen Kritik zum Lauf am Bilster Berg gelesen habe: "Nicht nur die 'sogenannte Elite' anfeuern, sondern alle, denn davon lebt doch eine Laufveranstaltung."
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