BV Bad Lippspringe: Richard Birne ließ sich auch von Arminia Bielefeld nicht locken
„König Richard“ wird 75

Bad Lippspringe (WB/MR). Der BV Bad Lippspringe und Richard Birne – das gilt seit Jahrzehnten als untrennbar miteinander verbunden. Große Übersicht, gutes Passspiel und eine geniale Schusstechnik sorgten sehr schnell dafür, dass der Fußballspieler aus der Badestadt in ganz Ostwestfalen ein Begriff war. In der Kurstadt setzten sie ihm sogar eine Krone auf und kürten den Vollblut-Fußballer wegen seiner großen Klasse zum „König Richard“. Heute, Samstag, wird Birne 75 Jahre alt.

Samstag, 08.08.2020, 03:00 Uhr aktualisiert: 08.08.2020, 05:03 Uhr
Packendes Duell vor 7500 Zuschauern im neuen Bad Lippspringer Kurwaldstadion: Richard Birne läuft 1968 dem damals gerade 21-jährigen Berti Vogts davon. Links beobachtet der spätere Stadtdirektor Hans Tofall die Szene. Foto: BVL

In Breslau geboren, kam er mit seiner Familie über Lauenförde an der Weser 1957 in die Badestadt, wo er mit seinen Brüdern Gerd, Werner und Günther auch gleich in den BVL eintrat. „Ich war damals der Jüngste von uns, aber nicht der Schlechteste“, schmunzelt Birne über seine Anfänge beim BVL. Er spielte zunächst in allen Jugendteams, rückte aber sehr schnell in die erste Mannschaft. Birne entwickelte sich zu einem der besten Techniker im Amateurbereich, schlug aber Angebote anderer Klubs aus. Selbst die Arminen klopften vergeblich an: „Ich habe auf der Bielefelder Radrennbahn ein paar Trainingseinheiten mitgemacht und hätte mir den Schritt zugetraut. Aber damals hatte ich kein Auto – wie hätte ich so zum Training kommen sollen?“

7500 Zuschauer im Kurwaldstadion

Richard Birne blieb dem BVL treu. Wobei es auch in der Stadt an der Lippequelle nicht an Höhepunkten mangelte. 1964 gelang der Aufstieg in die Landesliga. Das war der erste große Erfolg. Ein mit 7500 Zuschauern volles Kurwaldstadion gab es vier Jahre später an Ostersonntag: Der Bundesligadritte Borussia Mönchengladbach spielte am 14. April zur Einweihung der neuen BVL-Heimat. Das von Hennes Weisweiler trainierte Team mit Günter Netzer, Berti Vogts, Herbert Wimmer und Co. kostete den Verein 10.000 D-Mark, die Elf vom Niederrhein zahlte mit vielen Toren zurück und siegte 7:2 (5:1). „Nie wieder habe ich vor so einer großen Kulisse Fußball gespielt“, schwelgt Birne in Erinnerungen.

1976/77 im DFB-Pokal gespielt

Besonders erwähnenswert ist die Saison 1976/77. Der Verein wurde hinter dem TuS Schloß Neuhaus und VfB 03 Bielefeld Landesliga-Dritter und qualifizierte sich so für die erste Hauptrunde im DFB-Pokal. Dort war aber nach einem 0:2 beim südbadischen VfR Achern direkt Endstation. Ein Jahr später wurde der Klub mit zwei Punkten Vorsprung auf den SC Verl Landesligameister und stieg nach 15 Jahren wieder in die Verbandsliga Westfalen auf. Birne, der als technischer Angestellter bei der Firma Nixdorf arbeitete, führte das Team als Kapitän an und sagt heute: „Das war mein größter sportlicher Erfolg. Wegen der gleichzeitigen Einführung der Oberliga Westfalen blieben wir aber trotzdem viertklassig.“ In den Spielzeiten 1978/79 sowie 1979/80 belegte seine Elf jeweils den dritten Rang. 1980 verhinderte nur die schlechtere Tordifferenz gegenüber dem SC Recklinghausen die Vizemeisterschaft. Das waren dennoch die besten Platzierungen der Vereinsgeschichte.

Mit 37 Jahren Karriere beendet

Mit 37 Jahren beendete er seine aktive Zeit – ein neuer sportlicher Lebensabschnitt begann: Richard Birne wurde Trainer, seine erste Station war der SCV Neuenbeken. Fußballkenner sprechen noch heute von den „goldenen Jahren des SCV“. Die könnten sich nun wiederholen. Der Club stieg vor wenigen Wochen in die Landesliga auf. „Ich habe immer noch gute Kontakte zum SCV und werde mir sicher einige Spiele ansehen“, verspricht Birne.

Im BVL-Vorstand war der Bayern München-Fan zunächst von 1999 bis 2004 Hauptkassierer, führte von 2006 bis 2013 die Geschäfte, übernahm 2015 auch den Vorsitz und feierte noch eine Meisterschaft: Am Pfingstmontag, 25. Mai 2015, stieg sein Verein nach einem 3:1 beim Zweiten SpVg. Brakel wieder in die Landesliga auf. Ex-Profi René Deffke führte die Mannschaft als Trainer nach sieben Jahren wieder zum Titel.

2018 als Trainer eingesprungen

Im Verlauf der Jahreshauptversammlung im Januar 2018 gab Birne das höchste Amt im Verein dann endgültig an seinen Nachfolger Dr. Erik Ernst ab, ist aber bis heute als „Assistent der Geschäftsführung“ weiter an Bord und setzte noch einen kleinen Paukenschlag: Auf Bitten seines langjährigen Weggefährten Paul Schröder übernahm er im März 2018 – nach dem Abgang Deffkes – noch einmal das Traineramt und führte das Team zum Klassenerhalt. Der Abstieg wurde letztlich nur um zwölf Monate verschoben – da war Birne aber nicht mehr im Amt.

Es steckt viel Herzblut von Richard Birne im BVL – das ist unbestritten, viele Ehrungen waren die Folge. Im Januar 2019 konnte aber auch er überrascht werden: Der Verband verlieh dem Spieler, Trainer und Funktionär erstmals die Verdienstnadel für besonders langjähriges Engagement im Ehrenamt. Seinen Ehrentag verbringt Birne nicht in Bad Lippspringe, sondern mit der Familie an einem unbekannten Ort. Wobei ein Versprechen gilt: „Mit meinen Fußball-Freunden stoße ich auf jeden Fall noch auf die 75 an.“

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