Reiten: Felicia Deppe vom RV Altenautal bekommt das Goldene Reitabzeichen
Etappenziel erreicht

Borchen (WB). Als Amateur das Goldene und damit höchste Reitabzeichen der Deutschen Reiterlichen Vereinigung zu erlangen, welches ausschließlich auf Grund von Siegen in der schweren Klasse verliehen wird, ist eine Auszeichnung, die nur den allerwenigsten Reitern zuteil wird. Felicia Deppe vom RV Altenautal ist dieser Erfolg geglückt.

Mittwoch, 08.07.2020, 21:00 Uhr aktualisiert: 09.07.2020, 09:24 Uhr
Felicia Deppe auf ihrem Erfolgspferd Boheme de Lys mit Hubertus Schmidt, der ihr das Goldene Reitabzeichen überreicht. Foto: Julia Pongratz

Die Würdigung dieses besonderen Abzeichens hatte sich die Amazone allerdings etwas anders vorgestellt. Im Rahmen des Turniers ihres Heimatvereins sollte die feierliche Verleihung durch Olympiasieger und Wegbegleiter Hubertus Schmidt im Juni stattfinden. „Die Corona-Pandemie hat diese Pläne leider durchkreuzt“, erzählt Felicia Deppe. „Ich habe extra ein Jahr gewartet, um das Abzeichen auf unserem Vereinsturnier entgegenzunehmen und musste jetzt akzeptieren, dass ich auf eine Verleihung im großen Rahmen verzichten muss.“ Wegen der Turnierabsage in Borchen-Etteln musste die feierliche Übergabe ebenfalls ausfallen.

„Frühkindliche Prägung“

Ihre Leistungen sind aber so herausragend, dass auch die Verleihung im kleinsten Kreis auf dem Fleyenhof besonderer Erwähnung gebührt. Bereits seit frühster Kindheit ist Felicia Deppe dem Reitsport eng verbunden. Ihre Eltern teilen die Liebe zum Pferdesport. Der erste Ausflug nach der Geburt im Juni 1991 führte direkt zum Reitturnier auf den Fleyenhof. Hier nahm die junge Reiterin schon im Sattel Platz, bevor sie überhaupt laufen konnte. Die „frühkindliche Prägung“ der Familie, in der auch ihre beiden älteren Brüder den Reitsport ausüben, zeigte Wirkung. Nach ersten Reitversuchen auf dem Shetland-Pony „Mausi“ von der Familie Schmidt wurden die ersten Turniererfahrungen mit Pony Showboy gesammelt, der sich ebenfalls im Besitz der Familie Schmidt befand. Es wurde schnell klar, dass der Pferde-Virus Felicia Deppe fest im Griff hatte. So wurde mit Devils Boy das erste eigene Pony im Jahr 2002 gekauft.

Während Felicia sich in dieser Zeit eher zum Springreiten hingezogen fühlte und mit Devils Boy fleißig für Parcours und Dressur trainierte, zeigte sich im weiteren Verlauf, dass die Dressur die wahre Leidenschaft der jungen Reiterin war. Mit zahlreichen Unterrichtsstunden bei Hubertus Schmidt und seinen Teammitglieder wuchs sie zu einer ambitionierten Turnierreiterin heran und feierte erste Siege in E-, A-, und L-Dressuren mit ihrem eigenen Pony.

Teilnahme am Bundeschampionat

Nach dem Verkauf von Devils Boy setzte die heute 29-jährige Reiterin ihre junge Karriere bei der Ponyzucht Heiligenberg fort. Mit Heiligenberg’s Normandie nahm sie 2006 und 2007 am Bundeschampionat teil. Sie siegte in der „Paderborn überzeugt“-Trophy und wurde erstmalig Kreismeisterin der Junioren. In 2007 gelang zusätzlich die Qualifikation zum Bundeschampionat mit Heiligenberg’s Hang on Sloopy, mit dem sie sich im großen Finale platzierte und im Anschluss auch noch SOW-Meisterin wurde.

Mit dem Ende der Ponyzeit folgte der nahtlose Übergang zu den Großpferden. Mit ihrer ersten eigenen Fuchsstute La Rose sollte dann eine ganz besondere Zeit beginnen. Die damals vierjährige Stute von Londonderry x Absinth wurde von Felicia Deppe selbst ausgebildet und durchlief mit ihr alle sportlichen Stationen von den Dressurpferdeprüfungen bis hin zur ersten S-Dressur. Gemeinsam erlernte das Paar die Lektionen der schweren Klasse, wozu das stete Training bei Hubertus Schmidt in der gesamten Zeit einen entscheidenden Beitrag leistete.

Erster S*-Sieg in Etteln

Im Jahr 2013 wurde der Grundstein fürs Goldene Reitabzeichen gelegt. Das Paar feierte den ersten S*-Sieg auf dem Ettelner Reitturnier. Zu diesem Zeitpunkt und im weiteren Verlauf des Jahres 2013 arbeitete das Erfolgsduo bereits an Grand Prix Lektionen und befand sich auf dem Weg in den absoluten Spitzensport. Verletzungsbedingt musste La Rose allerdings Ende 2013 aus dem Sport verabschiedet werden. Noch heute ist die schöne Stute im Besitz der Familie und genießt ihr Rentnerleben. „Es war mein Traum, ein Mal im Leben einen Grand-Prix zu reiten,“ berichtet Felicia Deppe rückblickend. „Nach der Verletzung von Rosie musste ich wieder komplett von Neuem beginnen. Da war der Grand Prix und das Goldene Reitabzeichen erstmal in weite Ferne gerückt.“

Mit der damals dreijährigen und gerade angerittenen Fuchsstute Boheme de Lys wagte Felicia Deppe den Neustart. Von der Züchterfamilie Tötemeier aus Horn Bad Meinberg zog „Bömmel“, wie die hübsche Stute liebevoll genannt wird, am Fleyenhof ein. „Ich habe in diesem Pferd von Anfang an großes Potenzial gesehen und daran geglaubt, dass wir unseren Weg zusammen meistern können“, erzählt Felicia Deppe von den Anfängen. „So habe ich mich damals auch gegen den Rat der Familie für die sehr junge Boheme entschieden.“

Stute selbst ausgebildet

Sie bildete auch diese Stute selbst aus und beschritt mit ihr den langen Weg von der ersten Dressurpferdeprüfung bis zur ersten S-Dressur. Bereits siebenjährig, platzierte sich das Paar in der schweren Klasse, und achtjährig im Jahr 2018 feierten Boheme de Lys und Felicia Deppe ihren ersten S*-Sieg. Diese Erfolgsgeschichte setzte sich mit drei weiteren S*-Siege in 2018 und in 2019 ungebrochen fort. Das Paar erreichte vier S*-Siege und einen S**-Sieg und erfüllte damit die Bedingungen zum Goldenen Reitabzeichen.

Mit der heute zehnjährigen Stute ist Felicia Deppe aus Reitsportsicht im Jahr 2020 am Ziel angekommen. Doch wie die sportliche Amazone berichtet, soll dies nur ein Etappenziel sein: „Nach den Erfolgen im vorigen Jahr haben wir eine Turnierpause eingelegt, um ganz behutsam die Grand Prix-Lektionen zu erarbeiten. Jetzt steht als großer Traum der erste Grand Prix-Start bevor, der hoffentlich, trotz der Corona-Einschränkungen, in diesem Jahr stattfinden wird“, gibt Felicia Deppe klare Ziele für die nahe Zukunft an. „Wir möchten uns im Grand Prix gerne etablieren. Am wichtigsten ist aber, dass Bömmel gesund bleibt. Außerdem bin ich auch für die stete Unterstützung durch meine Eltern und meinen Lebensgefährten sehr dankbar, da diese Erfolge ohne sie nicht möglich gewesen wären.“

Neben dem Reitsport hat Felicia Deppe in den vergangenen Jahren ihr Jura-Studium erfolgreich absolviert und sitzt nicht selten erst am späteren Abend im Sattel, nach einem langen Arbeitstag als Rechtsanwältin. Eine solche sportliche Leistung als absolute Amateurin zu erbringen hat gerade in der heutigen Zeit im Reitsport Seltenheitswert.

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