Daniel Scherning und Michél Kniat vom SCP absolvieren Fußballlehrer-Ausbildung
Coachen auf höchstem Niveau

Paderborn (WB). Die Digitalisierung machte es möglich: Am 2. Juni und damit genau in der Schlussphase des deutschen Profifußballs startete in der Sportschule in Hennef der Lehrgang zum Fußballlehrer. Mit Daniel Scherning (36) und Michél Kniat (34) ist der SC Paderborn in diesem elitären Kreis erstmals doppelt vertreten. Zählt man noch Florian Fulland (35, jetzt U19-Trainer beim VfL Osnabrück) hinzu, von 2004 bis 2018 fast durchgängig für Paderborn als Spieler und Trainer aktiv, sind sogar drei SCPer am Ball.

Donnerstag, 02.07.2020, 03:00 Uhr aktualisiert: 02.07.2020, 05:01 Uhr
Rufer am Spielfeldrand: Bereits seit zehn Jahren arbeitet Daniel Schering als Trainer. Foto: Besim Mazhiqi

In der Präsenzphase setzt der DFB zunächst auf reduzierte Gruppenstärken. So war Daniel Scherning noch gar nicht in der Hennes-Weisweiler-Akademie und stand daher Chefcoach Steffen Baumgart im Saisonfinale komplett zur Verfügung. „Der DFB hat eine Art digitalen Campus aufgebaut. So konnte ich über Videokonferenzen alle Aufgaben besprechen und Inhalte diskutieren“, erzählt Scherning, der erst nach seinem Kurzurlaub mit der Familie und damit ab dem 6. Juli vor Ort sein muss.

„Anforderungen rasant gewachsen“

„Die Anforderungen an Spitzentrainer sind rasant gewachsen. Neben aller Fachkompetenz ist der Fußballlehrer mittlerweile eine Art Trainer-Manager, der seine Stärken insbesondere auch in der Führung und Begeisterung von Menschen haben muss“, erklärt Daniel Niedzkowski, der die Fußballlehrer-Ausbildung zum dritten Mal leitet, auf der DFB-Homepage die Schwerpunkte. Und genau hier sieht Scherning, der bereits seit zehn Jahren als Trainer arbeitet, für sich den Ansatz: „Ich werde sicher nicht meine Denkweise über den Fußball verändern. Aber ich freue mich in den kommenden elf Monaten auf den intensiven Austausch mit den Kollegen. Egal ob in der Rhetorik, Psychologie, Physiologie oder in meiner eigenen Persönlichkeitsentwicklung – ich kann mich auf allen Ebenen noch verbessern.“ Ähnlich ordnet sein Vereinskollege den letzten Abschnitt in der Trainerschulung ein. „Mitch“ Kniat ist als Trainer der U21 bereits seit Mitte März ohne Spiel und daher seit vier Wochen vor Ort. Sein erster Eindruck: „Mit interessanten Leuten den ganzen Tag über Fußball zu reden, das macht mega Spaß.“

Kosten: etwa 20.000 Euro

Der mittlerweile sehr praxisbezogene, individuelle und ortsunabhängige Unterricht kostet etwa 20.000 Euro. Das ist viel Geld, deshalb ist das Ziel natürlich, einen festen Platz im Profifußball zu bekommen – oder zumindest zu behalten. Nach Abschluss dürfen die Absolventen in den höchsten Spielklassen aller UEFA-Mitgliedstaaten tätig sein „Mit dem Schein ist aber niemand automatisch ein Cheftrainer“, sagt Scherning, der sich alles offen hält: „Ich mache mir nicht jeden Tag Gedanken, wo ich mal in welcher Position arbeiten will. Ich bin sehr entspannt.“

Kniat denkt eher pragmatisch: „Ich beginne gerade mit der bestmöglichen Schulung in diesem Bereich. Wenn ich gut arbeite, kommen die Angebote von anderen Klubs. Wenn nicht, dann werde ich nie als Chefcoach auf höchstem Niveau arbeiten.“

Praktika und Hospitationen

Leiter Niedzkowski, der einst als Co-Coach von Roger Schmidt bei Bayer Leverkusen arbeitete und heute bei der U21-Nationalmannschaft Stefan Kuntz assistiert, gibt als Ziel an, Trainerpersönlichkeiten auszubilden, die Spieler entwickeln, Teams führen und mit diesem Rüstzeug in Vereinen erfolgreich arbeiten. Die Teilnehmer haben zuvor in Auswahlprozessen (maximal 25 pro Lehrgang) nachweisen müssen, dass sie dieses Potenzial auch mitbringen. Scherning nahm diese Hürden bereits vor einem Jahr, bekam am Ende aber doch keinen Platz. Im zweiten Versuch ging diesmal alles glatt. Ob es auch daran lag, dass er mit dem SC Paderborn einen Erstligisten repräsentiert? „Keine Ahnung“, sagt „Scherne“ und fügt hinzu: „Geschadet hat es sicher nicht.“

Zum Fußball-Lehrjahr gehören auch nationale und internationale Praktika sowie Hospitationen und Praxisphasen. Das Bundesliga-Praktikum wird Scherning in Paderborn absolvieren, das bietet sich an. Bei der Wahl seines Auslandsaufenthalts ist er noch offen. Paderborns Ex-Spieler und Trainer Roger Schmidt, der in wenigen Wochen beim PSV Eindhoven beginnt, wäre zumindest eine Option. Kniat will nach Möglichkeit ausschließlich für ihn noch fremde Vereine besuchen: „Steffen Baumgart war immer offen, das hat mir sehr geholfen, aber da habe ich jetzt auch alles gesehen.“

An den Wochenenden in Paderborn

Wie sich die kommenden Monate mit der Ausbildung und den Aufgaben in Paderborn verbinden lassen, wissen Scherning und Kniat noch nicht so genau. So oft die kommenden Spielpläne es zulassen, wollen beide eine Fahrgemeinschaft bilden. Doch eins steht für „Scherne” fest: „An den Wochenenden bin ich komplett beim SC Paderborn.“ Für das Abschlusstraining, die Mannschaftsbesprechung und die Punktspiele werden die beiden wie auch alle anderen Lehrgangsteilnehmer üblicherweise freigestellt. Da kann man das Gelernte gleich umsetzen. Sofern das der Chefcoach zulässt. Wobei Steffen Baumgart ohnehin gern in der Gemeinschaft arbeitet: „Wir sind ein Trainerteam. Das heißt nicht nur so, wir leben das auch.“

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