Vorhaben des Verbandes stößt auch bei den Paderborn Dolphins auf Skepsis
Lautes Rufen und Trillerpfeife verboten

Paderborn (WB). Der American Football-Verband Deutschland (AFVD) will für seine Lizenzligen von September bis November unbedingt eine Football-Meisterschaft durchführen. Ein umstrittenes Vorhaben mit Fragezeichen zuhauf, das in der Umsetzung zahlreiche Probleme auf die Vereine abwälzt.

Dienstag, 12.05.2020, 21:30 Uhr
Auch für die Paderborn Dolphins gilt: Ende Mai ist im Kollisionssport Football wieder voller Körperkontakt erlaubt. Im September könnte eine Saison starten. Foto: Jörg Manthey

Zu dem Reigen der „Angefressenen“ an der Basis gehört auch Jason Irmscher, Vizepräsident der Paderborn Dolphins. „Wir sind noch in der Findungsphase, aber ich weiß nicht, wie die sich das vorstellen. Es ist zu vieles unausgegoren. Ich bin nicht glücklich darüber und würde lieber nicht spielen“, räumt Irmscher ein.

Zumal die Fans bloß eine abgespeckte Saison mit Freundschaftsspielcharakter erwartet; ohne Aufsteiger, ohne Absteiger. „2021 werden alle Vereine in den Ligen spielen, wofür sie 2020 spielberechtigt waren. Ausnahme: Die Meister der zweiten Ligen. Sie können wählen, ob sie aufsteigen wollen“, heißt es in einem Positionspapier des AFVD. Kleine Schmunzette am Rande: Der definiert Football nicht als Kontaktsport, sondern als Kollisionssport.

Der Infektionsschutz ist das A und O!

Jason Irmscher

Der Frustfaktor auch in Paderborn ist hoch. „Unser Ziel war ganz klar der Aufstieg in die GFL2“, klagt Irmscher. „Stattdessen müssen wir jetzt akribisch ausgeklügelte Konzepte für Kontaktbeschränkungen oder Hygiene entwickeln. Der Infektionsschutz ist das A und O!“ Unter anderem werden Fiebermessungen, permanente Desinfektion der Trainingsgeräte und detaillierte Teilnehmerlisten verlangt.

Insgesamt begrüßt der Dolphins-Vize aber die Corona-Lockerungen und sieht sich angesichts seiner seit Wochen ungebrochen optimistischen Anschauung („Ich bin mehr der Glas-halbvoll-Typ“) bestätigt. Zumal nach dem zunächst eingeschränkten Training vom 30. Mai an sogar vollständiger Körperkontakt erlaubt sein soll. Seit Sonntag werden Trainer und Spieler aller Altersstufen für die kommende Zeit geschult. Jeder hat die Vorgaben der strengen Hygienevorschriften zu verinnerlichen. Irmscher: „Wir gehen davon aus, am Freitag das erste Mal trainieren zu können.“

Lautes Rufen und Trillerpfeifen sind dann übrigens verboten; Stichwort Speichelfluss. Irmscher will sich ein Megafon besorgen, das sei erlaubt. „Wir legen los wie in eine Preseason und müssen nach dieser langen Pause erstmal wieder in einen Workflow kommen, uns an den Trainingsrhythmus gewöhnen. Es werden Defizite da sein. Die Jungs müssen den Rost abschütteln“, erzählt er. Muskelaufbau und Kondition bolzen stünden zunächst im Vordergrund. Sieben Trainer kümmern sich um die einzelnen Mannschaftsteile der Dolphins-Seniors. Jeder darf laut Vorgabe (Kleingruppentraining) vier Spieler um sich scharen. „Wenn sich auch nur einer unserer Coaches unwohl fühlt und Nein sagt, lassen wir es lieber ganz. Dann steigen wir erst mit dem 30. Mai richtig ein. Alle sollen sich wohlfühlen, das ist das Wichtigste. Wir sitzen alle in einem Boot“, so Irmscher.

Die Regionalverbände sind unabhängig vom Bundesverband.

Andreas Heinen

Der ist nach dem AFVD-Vorstoß gespannt auf eine offizielle Stellungnahme des Landesverbandes NRW. Möglich, dass die Marler um Präsident Peter Springwald mit dem Unbehagen der Basis empathischer umgehen und andere Pläne verfolgen. NRW-Pressesprecher Andreas Heinen erklärt: „Die Regionalverbände sind unabhängig vom Bundesverband. Wir wollen keine Spekulationen vorantreiben. Keiner kann sagen, was in sechs Wochen ist. Als der Gesetzgeber festgelegt hat, dass Ende Mai wieder Sport mit Körperkontakt erlaubt ist, hatte er sicher nicht American Football im Fokus. Dass da elf Verrückte elf andere Verrückte über den Platz schieben.“

Die Düsseldorf Bulldozer, Aufsteiger, haben bereits durchblicken lassen, dass sie für „Football um jeden Preis“ nicht zu haben sind. Zusätzlich bahnen sich infrastrukturelle Kollisionen an. „Im September wird schon wieder Fußball gespielt. Der hat bei der Platzbelegung Vorrang. Das könnte vielen Footballklubs das Genick brechen“, glaubt Irmscher. Die Dolphins teilen sich das Hermann-Löns-Stadion mit dem SC Aleviten Paderborn.

Unsere Bordmittel reichen.

Jason Irmscher

 

Sollte tatsächlich eine Serie zustandekommen, würden indes etliche Dolphins passen. „Denjenigen, die in Mehrgenerationenhäusern leben, zusammen mit Eltern und Großeltern, ist die Gefahr einer Ansteckung zu groß. Das kann ich aber voll verstehen“, meint Jason Irmscher verständnisvoll. Headcoach und Defense Coordinator Zac Saleski sowie die Importspieler Craig Coffman und Zach Hunter – alle drei sind erst vor kurzem in die USA zurückgereist – werden in diesem Jahr nicht mehr zurückgeholt; aus rein finanziellen Erwägungen. Irmscher versichert: „Unsere Bordmittel reichen. Wir haben genug deutsche Coaches, von denen einer auch Headcoach sein kann, und werden einen von unseren Jungs zum Quarterback befördern.“ Denn aktuell gibt es im Team keinen Backup für Coffmans Position. Womöglich wird Joshua Porter auserkoren, der diesen Part in seiner siebenjährigen Jugendzeit in Paderborn ausgefüllt hatte. Der junge Heimkehrer vom Erstligisten Marburg Mercenaries war eigentlich als Cornerback und Free Safety vorgesehen.

Coffman und Hunter wollen 2021 wiederkommen

Irmscher ist bereits recht weit, was die Perspektive für 2021 angeht. „Craig Coffman und Zac Hunter haben ihre Bereitschaft signalisiert, im kommenden Jahr wiederzukommen. Sie sehen das Potenzial hier. Auch mit vielen unserer jetzigen Jungs habe ich gesprochen und spüre die Lust auf Kontinuität.“ Der D-Line-Coach sieht die kommenden Monate als wichtige Vorbereitung auf die ehrgeizige Zielvorgabe. „Den Fokus legen wir darauf, deutsche Spieler aufzubauen und weiter auszubilden. Das ist eh unsere Marschroute. Die Jungs sollen Erfahrungen sammeln. Vor allem wollen wir aber auch coole Events für unsere Fans zelebrieren.“

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