100 Jahre SC GW Paderborn: Interview mit Präsident Wolfgang Krenz
„Karate hat mein Leben geprägt“

Paderborn (WB/jm). Wolfgang Krenz steht seit zwölf Jahren an der Spitze des SC Grün-Weiß Paderborn. Sein Verein wird in diesem Jahr 100 Jahre alt. Doch das Jubiläum steht unter keinem guten Stern; Stichwort Corona-Krise. Sportredakteur Jörg Manthey sprach mit Wolfgang Krenz.

Montag, 11.05.2020, 03:00 Uhr aktualisiert: 11.05.2020, 05:01 Uhr
Die Autobranche ist sein Ding: Wolfgang Krenz (57) steht seit zwölf Jahren an der Spitze des SC Grün-Weiß Paderborn. Foto: Jörg Manthey

100 Jahre SC Grün-Weiß Paderborn: ein Anlass zum Feiern. Sie hatten sich den Verlauf des Jubiläumsjahres 2020 sicherlich anderes vorgestellt. Die Corona-Krise hat eine angemessene Party längst überschattet. Unter anderem ist ja schon der traditionelle Osterlauf ausgefallen. Wie groß, wie reparabel ist der Schaden, den der Virus bereits angerichtet hat? Was sind aktuell die größten Herausforderungen?

WOLFGANG KRENZ: Die Corona-Krise hat auch für den SC Grün-Weiß gravierende Auswirkungen. Unser gesamter Sportbetrieb, sei es im vereinseigenen Sportzen-trum am Schützenplatz, im Inselbadstadion und auch in den anderen Trainingsstätten, steht still. In unserem Jubiläumsjahr konnte zumindest noch das TuFaTu unserer Turnabteilung durchgeführt werden. Der Paderborner Osterlauf, die Skate-Night und auch andere Veranstaltungen mussten wir leider absagen. Den Galaabend zum 100-jährigen Jubiläum wie auch den Familientag werden wir voraussichtlich in das nächste Jahr verschieben. Der SC Grün-Weiß ist aber für seine Kreativität und innovativen Ideenumsetzungen bekannt. So meine ich, haben wir mit dem Paderborner Oster-Solo-Lauf kurzfristig eine bemerkenswerte Veranstaltung auf die Beine gestellt und ein wenig Osterlauf-Feeling aufkommen lassen. Die Höhe der Schäden, die der Virus auch in wirtschaftlicher Sicht bei uns angerichtet hat und auch noch anrichten wird, lässt sich derzeit nur erahnen. Insofern hoffen wir, dass die Beschränkungen in den nächsten Tagen und Wochen etwas gelockert werden können.

 

Wer organisiert die Feierlichkeiten? Gibt es eine Festschrift?

KRENZ: Wie bereits gesagt, werden wir unser 100-Jähriges nicht gebührend feiern können. Die verschobenen Feierlichkeiten werden wir mit Unterstützung der Eventagentur Bargusto weiter planen, auch eine Festschrift ist in Planung.

 

Wer 100 Jahre alt wird, hat vieles richtig gemacht. Mit 4000 Mitgliedern in 19 Abteilungen sind Sie der größte Sportverein im Kreis Paderborn, vor allem in der Breite prima aufgestellt. Worauf sind Sie am meisten stolz? Was zeichnet den SC Grün-Weiß aus?

KRENZ: Wir sind im Breitensport sowie im Gesundheitssport mit erstklassigen Trainern und engagierten Abteilungsleitern ausgestattet, die ihresgleichen suchen. Außerdem war es eine hervorragende Teamarbeit, unseren Verein, der vor zwölf Jahren knapp vor der Insolvenz stand, aus eigenen Kräften wieder in die Komfortzone zu bringen. Die Abteilungen müssen sich daher heute keine Sorgen mehr um die Finanzen machen. Somit können sich alle Sparten um das Wichtigste kümmern, was wir anzubieten haben, nämlich den Sport. Hervorzuheben ist auch der Bau des Funktionsgebäudes im Inselbadstadion. Wir haben für die Stadt Paderborn die Bauherrschaft übernommen, so eine sechsstellige Summe eingespart und für den Verein eine Sportfläche und ein Vereinsheim geschaffen.

 

Welche Meilensteine in der Geschichte des Klubs fallen Ihnen spontan ein? Gibt es so etwas wie die größten sportlichen Erfolge?

KRENZ: In 100 Jahren Vereinsgeschichte gibt es zahlreiche Meilensteine. Spontan fällt mir in erster Linie der Osterlauf, aber auch die zahlreiche Erfolge der Karate-Abteilung, Bogensport-Abteilung oder der Rhythmischen Sportgymnastik mit Deutschen und Europäischen Meistertiteln ein.

 

Was braucht es noch, um für die Veränderungen der Zukunft gewappnet zu sein? Welche Projekte stehen als nächstes an? Was für Pläne oder Visionen hat der Verein?

KRENZ: Eine große Veränderung der Zukunft wird die immer stärker werdende Digitalisierung sein, die wir schon mit einer neuen Software angegangen sind. Weiterhin ist ein Umbau unseres Sportzentrums notwendig, um dem steigenden Platzbedarf gerecht zu werden. Zurzeit nutzen wir die Sportpause, um unserem Sportzentrum ein moderneres Aussehen zu geben. Unsere Angebote gehen immer mit der Zeit, wie wir in der jüngsten Vergangenheit mit dem Next Level Running und Flex Angebot im Medifit gezeigt haben.

 

Wie ist es um die Ehrenamtlichkeit im Großverein bestellt? Haben Sie genügend Unterstützer und helfende Hände, um die täglichen Anforderungen zu meistern?

KRENZ: Wie jeder andere Verein auch lebt der SC Grün-Weiß von seinen ehrenamtlich tätigen Mitgliedern. Hier wird es gerade im Bereich der Leitungsebene immer schwieriger, engagierte Personen zu finden, die für einen gewissen Zeitraum bereit sind, Verantwortung zu übernehmen. Auch unsere 19 Fachabteilungen haben mit diesem Problem zu kämpfen. An dieser Stelle kann ich nur appellieren: Es macht Spaß, im Team für eine gemeinsame Sache tätig zu werden. Scheuen Sie sich also nicht, uns anzusprechen, wenn sie uns aktiv unterstützen möchten.

 

Sie selbst sind Karateka, Schwarzgurt-Träger sogar, 4. Dan. Trainer und Prüfer.  Wie hat der „Weg der leeren Hand“ Sie in ihrem Tun geprägt?

KRENZ: Karate Do ist eine Lebenseinstellung und bedeutet soviel wie „der Weg der leeren Hand“. Im wörtlichen Sinn ist es eher eine Geisteshaltung für einen Kämpfer. Nur wer sich von allen Gedanken befreien kann, kann in jeder Situation angemessen reagieren. Ich glaube, dass dies grundsätzlich mein Leben geprägt hat, und ich kann jedem diesen Weg empfehlen. In einer Kampfkunst lernt man, in Bruchteilen von Sekunden eine Entscheidung zu treffen, die nicht wieder rückgängig zu machen ist. Man muss mit den Konsequenzen leben. Zusätzlich erhält ein regelmäßiges Training den gesamten Körper gesund.

 

100 Jahre Grün-Weiß: Sie sind seit zwölf Jahren Präsident. Was treibt Sie an?

KRENZ: Für mich ist es immer wichtig, Institutionen wie den SC Grün Weiß für unsere Gesellschaft zu erhalten. Ich bin in diesem Verein groß geworden und gebe das, was ich kann, zurück.

 

Zum runden Jubiläum darf der Chef sich doch bestimmt etwas wünschen. Was wäre das?

KRENZ: Das mit dem Wünschen ist so eine Sache. Mein größter Wunsch wäre es, dass die Mitglieder eines Vereines wiedererkennen, wo die Kernkompetenz und die Aufgaben eines Sportvereins liegen. Unser gemeinsames Ziel ist es, in der Gemeinschaft losgelöst von kommerziellen Sportanbietern Sport zu treiben und dies zu relativ moderaten Mitgliedsbeiträgen. Der Gedanke „Sport ist im Verein und in der Gemeinschaft am schönsten“ bleibt hierbei leider zum Teil auf der Strecke. Wir bieten im Abteilungsbereich keine Profitrainer, die den ganzen Tag zur Verfügung stehen, sondern leben den Einsatz von qualifizierten Übungsleitern und ehrenamtlich tätigen Trainern. Denn sonst wäre Sport für die meisten unbezahlbar. Daher würde ich mir für alle Vereine ein Umdenken der Mitglieder wünschen. Vielleicht ist man dann – für unseren Verein gesprochen – wieder stolz, ein Grün-Weißer zu sein. Zusammenhalt, Freundschaft und ein starkes „Wir-Gefühl“ sollte unter den Mitgliedern eine Selbstverständlichkeit sein. Gerade in der derzeitigen Krise merken wir dies ganz besonders, und es kostet uns nichts.

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