Es wird wieder Golf gespielt: Interview mit Helmut Böhmer vom Uni-GC Paderborn
„Fast so wie bei der Maueröffnung““

Paderborn (WB). Später als erhofft und doch früher als erwartet haben die Golfer in Nordrhein-Westfalen am Mittwochnachmittag von Ministerpräsident Armin Laschet das Go bekommen. „Diese durchaus spontane Öffnung sorgt dafür, dass hier gerade richtig Halligalli herrscht“, sagt Helmut Böhmer, der 1. Vorsitzende des 1400 Mitglieder zählenden Universitäts-Golfclubs Paderborn.

Donnerstag, 07.05.2020, 22:00 Uhr aktualisiert: 07.05.2020, 22:20 Uhr
Die abrupte Öffnung der Plätze trifft den Universitäts-Golfclub nicht unvorbereitet: Der Vorsitzende Helmut Böhmer zeigt die Aufkleber mit den Hygieneregeln. Foto: Jörn Hannemann

Wie auf der Anlage des GC Paderborner Land oder dem Platz des British Army GC Sennelager darf seit Donnerstag auch auf dem Kurs Haxterhöhe Links wieder gespielt werden. Elmar Neumann hat mit Helmut Böhmer über das abrupte Ende der Mitte März auferlegten Zwangspause und deren Folgen gesprochen.

Herr Böhmer, können Sie sich daran erinnern, jemals so lange kein Golf gespielt zu haben?

Helmut Böhmer: Puh, das weiß ich gar nicht. Aber ich denke: Nein!

 

Wie hart war es, nicht spielen zu dürfen?

Böhmer: Das ist echt hart. Auch wenn man nicht so gut, aber doch leidenschaftlich Golf spielt, merkt man in einer solchen Zeit erst, wie sehr einem dieser Sport fehlen kann. Du vermisst dieses unglaubliche Gefühl, wenn du dir einen Plan zurechtlegst, dann den Ball schlägst, der Ball in etwa da landet, wo du es dir erhofft hast und der Plan ungefähr aufgeht. Es war allerdings auch wirklich merkwürdig, unseren Platz in einem vielleicht einmalig guten Zustand zu sehen und zu wissen, dass da kein Golfer drauf darf.

 

Sie sitzen doch sozusagen an der Quelle. Wie groß war die Versuchung, mal im Dunkeln mit Stirnlampe und leuchtendem Ball eine geheime Runde zu gehen?

Böhmer: (lacht) Das würde ich natürlich nie machen, weil ich immer versuche, als gutes Vorbild vor­anzugehen. Ich würde nie etwas riskieren, mit dem ich unseren Verein in Gefahr bringen, ihm Probleme bereiten könnte.

 

Viele Golfer haben zu keinem Zeitpunkt Verständnis dafür gezeigt, dass man spazieren gehen, aber nicht Golf spielen durfte. Wie groß war Ihr Verständnis?

Böhmer: Meine Sichtweise hat sich über die vergangenen Wochen völlig verändert. Am Anfang war für mich total klar, dass Solidarität gefragt ist und auch wir komplett schließen müssen. Mein Lieblingsbeispiel waren immer die Spielplätze: Du verbietest es Kindern, die Spielplätze zu benutzen, aber wir Golfer dürfen unsere Anlagen weiter benutzen? Das zu transportieren, wäre extrem schwierig gewesen. Aber je mehr Zeit verging und je mehr Bundesländer die Plätze schon wieder geöffnet hatten, desto größer wurde das Unverständnis bei mir. Da hätte ich erwartet, dass man viel differenzierter vorgegangen wäre und es für Golfanlagen viel eher Grünes Licht gegeben hätte. Das hat mich zuletzt sehr geärgert und gipfelte darin, dass am Mittwochnachmittag gegen 16 Uhr – fast so unvermittelt wie einst bei der Maueröffnung – verkündet wurde, dass die Sportanlagen ab Donnerstag wieder genutzt werden dürfen. Da war ich doch sehr verwundert.

 

Sie hatten eher damit gerechnet, dass es – wie in Bayern – ab dem kommenden Montag losgeht?

Böhmer: Eine sehr spontane Schließung ist völlig nachvollziehbar, aber ich hätte gedacht, dass die Öffnung sehr viel geordneter über die Bühne gehen würde. Wir waren noch dabei, die Grüns zu düngen und zu aerifizieren, haben die Maßnahme dann jedoch sofort abgebrochen, um alles auf Golf einzustellen. Wenn wir mit so einer Art Spontanöffnung gerechnet hätten, wäre der Mittwoch bei uns natürlich anders gelaufen. Wir hatten das Go für das Wochenende oder den Montag erwartet. Es fällt mir schwer, diese Vorgehensweise zu loben. Ein etwas längerer Vorlauf ist für die meisten Einrichtungen hilfreich, auch wenn es für uns jetzt nicht total plötzlich kam. Wir hatten die Aufkleber mit den Hygieneregeln und auch die entsprechenden Textbausteine schon vorbereitet, aber es hat mich doch erstaunt, zumal bei uns nicht nur Golf gespielt wird.

 

Sie spielen auf den Gastronomiebereich, das Gasthaus Haxterpark, an?

Böhmer: Genau. Das dürfen wir ab Montag wieder öffnen, aber in der Kürze der Zeit ist es schlicht nicht möglich, die benötigte Ware so schnell zu ordern. Wir werden natürlich öffnen. Wir können alle Hygienestandards einhalten. Wir haben schon vor geraumer Zeit ein Hygienekonzept erarbeitet. Aber wir werden mit einer kleinen Karte starten, die sich daraus ergibt, wie wir beliefert werden können, was für Ware wir überhaupt bekommen. Das hätte ich mir im Jahr 2020 in Nordrhein-Westfalen anders vorgestellt.

 

Wie lauten die wichtigsten Auflagen, die es nun vorerst auf dem Golfplatz zu beachten gilt?

Böhmer: Die wichtgste Auflage ist natürlich die Abstandsregel, dass wir immer mindestens 1,5 Meter Abstand voneinander halten. Außerdem haben wir die Harken, mit denen man üblicherweise nach dem Betreten eines Bunkers seine Spuren beseitigen muss, entfernt, damit die nicht jeder anfasst. Aus dem gleichen Grund darf man auch die Fahne nicht mehr aus dem Loch nehmen. Zusätzlich haben wir in die Löcher einen Schaumgummipfropfen gesetzt, damit man nicht so tief nach dem Ball greifen muss. Der liegt jetzt nur zwei Zentimeter unterhalb der Lochkante. Ob das alles sinnvoll ist, lasse ich mal dahingestellt, zumal Golfer auch an mindestens einer Hand einen Handschuh tragen, aber diese Vorgaben tun den Golfern jetzt nicht weh. Und: Allem Ehrgeiz zum Trotz muss man das Coronavirus weiterhin total ernst nehmen. Wir Sportler und Golfer wollen und werden alles dafür tun, dass wir nicht von einer weiteren Infektionswelle erwischt werden.

 

Was hat den Club diese Zwangspause gekostet?

Böhmer: Das ist schwer zu beziffern, weil jede Saison anders verläuft, aber Golfclubs leben neben den Mitgliedsbeiträgen auch davon, dass Gäste kommen und Eintritt – bei uns heißt das Greenfee – bezahlen. Wir hatten selbstverständlich nicht einen einzigen Gast und das macht in diesen Monaten – akzeptables Wetter vor­ausgesetzt – circa 20.000 Euro aus. Dieser Verlust lässt sich noch irgendwie ertragen, aber ganz schlimm ist es für die Gastronomie. Da ist es noch wesentlich gravierender.

 

Dafür hat die Pause, wie bereits angedeutet, dem Platz selbst extrem gutgetan.

Böhmer: Ja. Definitiv. Normalerweise wird ein Platz gepflegt, während parallel Golf gespielt wird. Jetzt konnten unsere Greenkeeper am Stück arbeiten, ohne Rücksicht nehmen zu müssen, und das hat wirklich eine Menge gebracht.

 

Was nehmen Sie mit aus dieser Zeit?

Böhmer: Wenn man eine Sportanlage leitet, ist das immer mit viel Kommunikation verbunden. Auch diese ist in den vergangenen Wochen zwischenzeitlich eingeschlafen. Du sprichst sonst eigentlich tagelang durch in der Saison und diese Ruhe, die dann irgendwann eingetreten ist, die fand ich am beeindruckendsten.

 

Haben die vergangenen zwei Monate Auswirkungen auf den weiteren Verlauf der Saison? Gehen Sie davon aus, dass die Club-Meisterschaften, die mit mehr als 200 Teilnehmern als die größten ihrer Art in Deutschland gelten, Anfang September werden stattfinden können?

Böhmer: Es ist nicht klar, wann der Ligabetrieb wieder starten kann, aber das ist für uns Golfer nicht so wichtig. Doch es wäre schon schön und ist unser ganz großer Wunsch, dass wir die Club-Meisterschaften in der Form austragen können und dürfen, wie wir es aus der Zeit vor Corona gewohnt sind.

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