Der Paderborner Golfprofi Alexander Knappe über die schwierige Situation
„Die Ungewissheit nervt am meisten“

Paderborn (WB). Sein letzter Turnierauftritt ist fast zwei Monate her, der nächste nicht ansatzweise absehbar: Auch für Golfprofi Alexander Knappe vom GC Paderborner Land steht die (Sport-)Welt derzeit still. Elmar Neumann hat mit dem 31-Jährigen über die schwierige Situation gesprochen.

Dienstag, 14.04.2020, 09:17 Uhr aktualisiert: 14.04.2020, 09:20 Uhr
Genervt: Alexander Knappe weiß nicht, wann auf der Challenge Tour und der European Tour weitergespielt werden kann. Foto: Elmar Neumann

Herr Knappe, was machen Sie gerade? Ich weiß nur, dass Sie nicht auf dem Golfplatz sein dürfen.

Alexander Knappe: Ja, das stimmt leider. Ich bin derzeit bei meinen Eltern und räume zusammen mit meiner Schwester Maren das komplette Haus auf. Wir haben auf dem Dachboden angefangen und wollen uns runter bis in den Keller arbeiten. Unsere Eltern sagen uns, was weg soll und wir machen das dann. Aktuell steht der ganze Eingang voll Gerümpel, das darauf wartet, entsorgt zu werden. Mit dem Dachboden sind wir durch. Man hat ja sonst nichts zu tun. (lacht)

 

Das wird nicht die Beschäftigung sein, die Sie für diese Zeit des Jahres geplant hatten.

Knappe: Nein, definitiv nicht. Eigentlich wollte ich jetzt in Marokko sein, um an meinem Spiel zu arbeiten, zu trainieren. Aber da herrscht ja momentan auch großes Chaos. Die Flüge sind annulliert. Du kommst da weder rein noch raus. Die Deutschen werden festgehalten. Das alles ist eine einzige Katastrophe, zumal niemand weiß, wie es weitergehen soll und es für den Golfsport besonders schwierig ist.

 

Weil an den Turnieren Golfer aus der ganzen Welt teilnehmen?

Knappe: Genau. Die Fußball-Bundesliga zum Beispiel hat da ein wesentlich kleineres Problem. Die Spieler sind alle in Deutschland, dürfen jetzt bereits in Kleingruppen trainieren und könnten – wenn es planmäßig läuft – im Mai mit Geisterspielen ihre Saison fortsetzen. Bei uns sieht das anders aus. Auch wenn die Einschränkungen in den nächsten Wochen etwas gelockert werden sollten, kann ich mir nicht vorstellen, dass für uns vor August etwas geht. Die Kenia Open auf der European Tour waren das erste Turnier, das abgesagt wurde. Da hätte ich teilnehmen können, hatte zum Glück aber noch keine Flüge gebucht. Auf der Challenge Tour hagelt es ebenfalls Absagen. Die Turniere in Tschechien Anfang Mai und Anfang Juni, das Turnier in der Slowakei Anfang Juli – alles gecancelt. Das Turnier in der Schweiz ist von Ende Mai in den August verlegt worden. Aktuell wäre die Veranstaltung in Andalusien Mitte Juni die nächste, die noch nicht abgesagt wurde. Aber auch das erscheint mir wenig realistisch. Auf der European Tour sieht es natürlich nicht anders aus. Da gibt es jetzt das Gerücht, dass die BMW International Open, die Ende Juni in München ausgetragen werden soll, abgesagt wird, da BMW nicht einerseits die Produktion stoppen und andererseits eine siebenstellige Summe in so eine Sportveranstaltung stecken kann.

 

Wie gut gelingt es Ihnen, sich in dieser einmaligen Lage zu motivieren? Wie ist es um ihre Geduld bestellt?

Knappe: Wenn man als Golfprofi nicht auf den Platz darf, ist das natürlich sehr schwierig. Ich laufe, mache Fitnesstraining und putte viel. Wir haben vor einigen Jahren in das Schwimmbad meiner Eltern, das die nie so wirklich genutzt haben, ein Puttingstudio gebaut. Darauf trainiere ich oft, das ist auch ganz gut, aber irgendwann holst du da auch nichts mehr raus, weil dir die Anforderungen und Reize, die die Natur mit sich bringt, fehlen. Auf einem ondulierten Grün zu trainieren ist etwas ganz anderes. Ohne Breaks wird es schnell öde. Auch wenn ich im Garten eine halbe Stunde lang Bälle ins Netz geschlagen habe, wird mir langweilig. Die Motivationsprobleme beruhen aber vor allem darauf, dass man nicht weiß, wann es weitergeht. Diese Ungewissheit nervt am meisten.

 

Wie sieht es finanziell aus? Sie haben keine Reisekosten, nehmen aber auch nichts ein.

Knappe: So ist es. Wir haben keine Chance, etwas einzunehmen. Ich werde von meinem Sponsor Nike unterstützt, aber auch da muss ich erst mal abwarten, was passiert, wenn wir für einen noch deutlich längeren Zeitraum keine Turniere werden spielen können. In den vergangenen Jahren war das Leben als Profi für mich in etwa ein Plus-minus-null-Geschäft. Es ist das Wichtigste für mich, dass ich es wieder zurück auf die European Tour schaffe. Da wird ordentlich Geld verdient. Es geht zwar nicht nur ums Geld, aber wenn es immer so weiterläuft, muss ich mir eventuell mal etwas anderes überlegen. Vielleicht mache ich dann mal den Trainerschein, aber jetzt gehe ich zunächst einmal davon aus, dass wir irgendwann wieder Golfspielen dürfen, es bei mir gut läuft, ich meine Ziele erreiche und wieder Geld in die Kasse kommt.

 

Alleine Joggen und Radfahren ist erlaubt, aber alleine über einen Golfplatz zu gehen, ist nicht erlaubt. Das klingt nicht logisch.

Knappe: Das stimmt. Ich kann nachvollziehen, dass man in diesen Zeiten nicht in größeren Gruppen über den Platz gehen sollte, aber Einer-Flights spielen zu lassen, das sollte doch möglich sein. Wenn man dann noch abspricht, dass auf den Grüns keine Fahnen stecken, die jeder anpacken könnte, sehe ich da kein Problem. Weder für Profis noch für Amateure. Man kommt sich doch nicht in die Quere. Aber keine Frage – die Gesundheit geht vor. Daher sind meine Schwester und ich ja auch bei meinen Eltern und erledigen die Einkäufe für sie, damit sie keinerlei Risiko eingehen müssen.

 

Die Fußball-Bundesligisten dürfen bereits seit Montag wieder in Kleingruppen auf dem Platz trainieren. Ist das fair?

Knappe: Nein, das finde ich nicht fair. Wenn man eine Rückkehr ins Training erlaubt, dann muss man das auch für alle Sportarten erlauben und erst recht für Einzelsportler.

 

Finden Sie die Maßnahmen, die Bund und Länder getroffen haben, unverhältnismäßig?

Knappe: Für den Beginn der Epidemie sicher nicht. Da musste es klare Regeln geben, doch man sollte sich auch schon Gedanken machen, wie man aus dieser Nummer rauskommt – sonst bricht das Land unter den wirtschaftlichen Folgen zusammen und die Maßnahmen haben dann vielleicht sogar mehr geschadet als geholfen.

 

Eigentlich sollte seit Donnerstag das erste Major-Turnier der Golfsaison laufen, das Masters in Augusta. Das ist auf Mitte November verlegt worden. Was macht Ihr Traum, dort mal mitzuspielen und das grüne Jackett des Siegers übergestreift zu bekommen?

Knappe: Diesen großen Traum gibt es noch immer, allerdings ist er gerade sehr, sehr weit weg. Wie gesagt: Ich muss erst mal wieder den Sprung auf die European Tour schaffen.

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