American Football: Paderborn Dolphins haben „Entzugserscheinungen“ „Wir kommen da irgendwie raus“

Paderborn  (WB). Die Corona-Notlage setzt auch den Paderborn Dolphins gewaltig zu. Jason Irmscher („Paderborn ist eine Totenstadt geworden“) vermag in dieser ungewissen Zeit nicht zu sagen, wann für seinen Verein an einen einigermaßen normalen Alltag oder sogar einen Sportbetrieb zu denken ist.

Von Jörg Manthey
Ausgebremst: Die Paderborn Dolphins wissen noch nicht, wann und ob die Football-Saison gespielt wird.
Ausgebremst: Die Paderborn Dolphins wissen noch nicht, wann und ob die Football-Saison gespielt wird. Foto: Elmar Neumann

Eigentlich soll die Punktehatz in der Football-Regionalliga West Ende April beginnen, doch schwirren im Virenland derzeit überwiegend Fragezeichen herum. Die Frage „Wie geht es weiter?“ kann der Vizepräsident der Dolphins aber jetzt schon aussichtsreich beantworten: „Es geht weiter! Wir müssen zwar Sitzfleisch beweisen, doch die Paderborn Dolphins kommen da irgendwie raus“, versichert Irmscher.

Das Vereinswesen ruht weitestgehend. Die Dolphins folgen seit Wochen den Handlungsempfehlungen des Landesverbandes NRW. Gemeinsames Training findet nicht statt. Der OWL-Bowl gegen die Lippstadt Eagles und das Vorbereitungsspiel gegen die Rüsselsheim Crusaders, das am Sonntag hätte stattfinden sollen: gestrichen!

Kurzarbeit zu beantragen sei kein Thema

Der entwickelte Krisenplan sieht mehr und mehr erledigte Häkchen. „Wir haben Zuschüsse beantragt. Die sind auch schon bewilligt worden.“ Kurzarbeit zu beantragen sei aktuell kein Thema. Der Tenor zahlreicher Gespräche mit Sponsoren: „Wir unterstützen euch; egal, was kommt.“ Sowas zu hören tue natürlich gut in dieser Situation, meint Jason Irmscher und glaubt entsprechend, dass der Verein eine existenzbedrohende Finanz-Englage umschiffen kann.

Athletiktrainer Max Wils bietet den Spielern Onlinekurse für Krafttraining an. D-Line-Coach Irmscher weiß, dass seine Positionsgruppe „täglich was macht. Wir planen zusätzlich noch eine virtuelle Theorieschulung. Die Jungs sind begierig“. Nicht nur Offense Coordinator Nils Müller leide unter Entzugserscheinungen. Whatsapp-Gruppen würden „heißlaufen“. Trotz der andauernden räumlichen Trennung verspürt Jason Irmscher sogar eine wachsende Verbindung im Verein. „Die Dolphins sind nun mal für alle wie eine zweite Familie. Das sind Freundschaften fürs Leben.“

Das weitere Vorgehen hängt davon ab, ob und wie Football gespielt werden kann. Da sind sie wieder, die Fragezeichen. Jedes Szenario scheint möglich. Die Schweiz ist schon vorgeprescht. Dort hat der Verband entschieden, die Meisterschaft im American Football komplett abzusagen und nicht zu verschieben. Der Krisenstab des American Football Verbandes Deutschland baut weiter auf den Faktor Zeit, hat zuletzt die Zwangspause bis Ende Mai verlängert und für seine Topligen Pfingsten zum ersten Kick-off auserkoren. Der Landesverband NRW, der in diesem Jahr sein 40. Jubiläum begeht, ist noch nicht nachgezogen. Bislang ist erst bis zum 15. April alles gestoppt. Am 26. April sieht der Spielplan die Troisdorf Jets als Gast im Hermann-Löns-Stadion.

Es geht darum, in den Spielbetrieb zu kommen

„Ich gehöre zu den halbvollen Glasmenschen“, sagt Irmscher, der tief drinnen immer noch daran glaubt, dass eine Saison stattfinden wird. Es geht darum, irgendwie in den Spielbetrieb zu kommen, schlimmstenfalls mit einer verkürzten Saison. Geisterspiele wie im Fußball sind jedenfalls keine Option. Die Fans werden bei jedem Heimspiel benötigt, damit sich der Spieltag finanziert. Irmscher tippt, dass der Start demnächst von offizieller Stelle weiter nach hinten geschoben wird. In der Konsequenz folgt die Streichung der Sommerpause, dazu müssten die sowieso im Spielplan vorgesehenen Nachholtermine freigegeben werden. „In diesem Fall stehen Verhandlungen mit der Stadt an. Die Regenerationszeit für den Rasen im Löns-Stadion in den Sommerferien entfällt dann ja.“ Gegebenenfalls müsste ein Ausweichstadion ausgeguckt werden. Fixes Saisonende muss jedenfalls vor dem 10. Oktober sein. An diesem Tag soll in der Frankfurter Commerzbank-Arena der German Bowl ausgetragen werden, das Finale der Deutschen Meisterschaft.

Immerhin hätten die Dolphins gewisse Vorteile, sollte eine Meisterschaft möglich sein. Etwa, dass die Imports seit Februar vor Ort sind, insbesondere Quarterback Craig Coffman. Dazu konnten ein intensives Trainingslager und ein Vorbereitungsspiel (27:16 gegen die Münster Mammuts) durchgeführt werden.

Sei’s drum – wenn die Kontaktsperre erst mal überstanden ist, winkt Körperkontakt pur. „Wenn wir endlich wieder normal trainieren können, dann machen wir eine Stunde lang den Oklahoma-Drill mit den Jungs. Zum Wachwerden“, grinst Jason Irmscher. „Damit sie ganzen Rotz abschütteln. Und ich weiß jetzt schon: Das wird die beste Trainingsbeteiligung, die wir jemals hatten.“

Komplett-Absage wäre ein herber Rückschritt

Das bisher Unausgesprochene, eine Komplett-Absage der Regionalliga-Spielzeit, wäre für die Entwicklung des American Footballs in Deutschland ein herber Rückschritt. Jason Irmscher („Vielleicht sind ja trotzdem noch eine Reihe von Freundschaftsspielen möglich“) sieht die Dolphins aber auch für diesen verhängnisvollen Fall gewappnet: „Wir haben alles für ein Aufstiegsjahr vorbereitet. Sollte das ausfallen müssen, wollen alle Spieler im nächsten Jahr wiederkommen. Das haben sie bereits erklärt!“

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