Mike Niidas vom Bezirksligisten TuRa Elsen ist ein Freestyle-Ass Tricksen als Lebenseinstellung

Paderborn (WB). Ob in Kuwait, Sydney, Schweden, Vietnam, Davos, auf Zypern und Fuerteventura oder in der Paderborner Fußgängerzone: Sein Spielplatz ist die ganze Welt. Mike Niidas, Spitzname „Zange“, ist nicht bloß Außenverteidiger beim Bezirksligisten TuRa Elsen. Der 28-Jährige ist ein etwas anderer Botschafter des Fußballs und in einer Welt namens „Freestyle“ zu Hause.

Von Jörg Manthey
Fußball-Freestyler Mike Niidas (TuRa Elsen) ist oft international unterwegs, hier in Vietnam. Corona hat auch ihn jäh ausgebremst.
Fußball-Freestyler Mike Niidas (TuRa Elsen) ist oft international unterwegs, hier in Vietnam. Corona hat auch ihn jäh ausgebremst.

„Ich bin einer der letzten Freestyler Deutschlands, die nebenher noch normal Fußball spielen“, erzählt er. Und hat vor, diesen Zustand auszudehnen, „solange die Beine mitmachen.“ In der seit Wochen ruhenden Meisterschaft ist er übrigens nicht für individuelle Filigranarbeit zuständig. „Ich bin mehr der Läufer und Kämpfer, der viel für die Mannschaft investiert.“

Freestylen erinnert eher an Tanzen mit dem Ball als an eine Wettkampfsportart. „Wenn ich auf der Bühne stehe, ist es, als ob ich eine Maske aufhabe. Da bin ich ein anderer Mensch. Ich liebe es, mit dem Publikum zu spielen. Showman zu sein, musst du ein bisschen im Blut haben“, bekennt Mike Niidas, der in der ältesten Stadt Baden-Württembergs und beim FV 08 Rottweil groß wurde.

Mike Niidas beherrscht den Ball in allen Lagen.

Seit knapp 13 Jahren tourt er mit seinem Freund, dem Ball, durch die Lande. Niidas kann auf aufregende Auftritte vor traumhaften Kulissen zurückblicken. Seine Show vor dem Finale eines Fußballturniers in Sydney, direkt am Meer, verfolgten an den Bildschirmen knapp 300 Millionen Zuschauer weltweit. „Ziemlich cool“ sei es auch gewesen, auf Einladung des reichsten Kuwaitis die eineinhalbstündige Eröffnungszeremonie eines großen Futsalturniers mitzugestalten. Eurosport übertrug’s in die Wohnzimmer.

In Adel Tawils „Flutlicht“-Video, dem offiziellen WM-Song von 2018, zeigte Mike Niidas ebenfalls seine Ballkunst. „Der Dreh nachts im leeren und komplett beleuchteten Kölner Stadion, das war schon cool“, schwärmt er. Beim Insel-Hopping weihte er mit Kollegen Hotelgäste auf Kos, Kreta oder Fuerteventura ins ABC des Freestyle ein. Zu seinem Auftragsreigen gesellen sich Werbespots, etwa für Volkswagen.

Die Corona-Krise trifft den freischaffenden Künstler hart. „Bislang habe ich mir mit Freestyle mein Studium finanzieren können. Jetzt werden die ganzen großen Auftritte abgesagt. Dieses Jahr ist komplett tote Hose. Ich muss mich darauf einstellen, dass bis Ende des Jahres nichts reinkommt. Happig.“

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Ich bin ein lustiger Typ, offen für alles.

Mike Niidas

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Wenn das Leben eine einzige Showbühne ist: Freestyler sind schräge Vögel. „Ich bin ein lustiger Typ, offen für alles, kreativ. Solche Eigenschaften brauchst du in dieser Branche“, grinst er. Das dokumentierte Niidas unter anderem beim Osterlauf 2015, den er kilometerlang als geschickter Balljongleur abspulte.

Sein letzter großer sportlicher Wettkampf liegt schon eine Weile zurück. Bei der Europameisterschaft 2012 in Kopenhagen schaffte es Niidas bis unter die letzten vier, verfehlte das Treppchen bloß knapp. Mit der aufstrebenden jungen Generation könne er nicht mehr mithalten, gibt der Elsener zu. „Die sind technisch um einiges besser.“

Im Stehen, im Sitzen, im Liegen

Ein Hingucker – seine Kunststücke sind stilistisch eine Augenweide. „Tricksen“ nennt Mike Niidas das, was er mit dem Ball anstellt. Mit links, mit rechts, mit dem Kopf. Im Stehen, im Sitzen, im Liegen. „Fußball-Freestyle ist eine Leidenschaft für mich, eine Lebenseinstellung. Es ist nicht irgendetwas, das man so nebenher macht“, erklärt der Student. „Ich habe mir nie Druck gemacht. Ich mach es einfach, weil es das ist, was mir am meisten Spaß bringt“, bekennt der Lebenskünstler.

Apropos Studium. Im inzwischen zwölften Semester besucht der Fußballer die Universität Paderborn. Wenn es an der Zeit ist, will er mal als Lehrer anheuern, für die Fächer Sport und Chemie.

Die Künste als Freestyler sind auf der ganzen Welt gefragt.

Um einen spektakulären Trick bis zur Perfektion einzuschleifen, bedarf es in der Regel tausend und mehr Wiederholungen. „Du brauchst Verständnis für deinen Körper. Freestyle ist zu 90 Prozent harte Arbeit, Übung und Disziplin. Einfach so ein paar Mal die Woche einen Ball zu jonglieren, das macht einen nicht zum Freestyler“, betont der Elsener.

Eigentlich vertritt Mike Niidas den Standpunkt, „sich auf sich selbst zu konzentrieren, neue Tricks und Variationen erfinden, anstatt einem Vorbild nachzueifern.“ Allerdings gibt es da einen gewissen brasilianischen Ballzauberer namens Ronaldinho. „Ihn mal zu treffen, wäre wirklich ein Traum. Er hat mich mit seinen Skills geprägt. Zu ihm oder auch zu Edgar Davids habe ich aufgeschaut.“ Apropos Traum: eine eigene Freestyle-Schule in Paderborn zu eröffnen oder hier mal Freestyle-Camps durchzuführen: ein Ziel, das er anstrebt. „Paderborn ist mir so richtig ans Herz gewachsen“, beteuert der Rottweiler.

Mit Kindern arbeitet der Freestyler am liebsten

Eine erfüllende Aufgabe sei es, mit Kindern zu arbeiten, etwa anlässlich Geburtstagen. „Das mache ich inzwischen am liebsten. Du hast den direkten Kontakt zur Zukunft und kannst den Kids etwas mitgeben. In glückliche Gesichter zu schauen, leuchtende Augen geschenkt zu bekommen, wenn sie nach recht kurzer Zeit einen neuen Trick können, ist einfach klasse. Keiner braucht dafür Fußball-Vorkenntnisse.“

Wer Mike Niidas buchen möchte, kann ihn gerne per E-Mail kontakten: info@mike-niidas.de

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