Squash: Dem Paderborner SC droht ein titelloses Jahr
„Die Gesundheit steht über allem“

Paderborn (WB). Auch innerhalb der vier Wände, in denen sich die Squasher des Paderborner SC fast wie zuhause fühlen, herrscht in diesen Tagen nichts als Stille. Wann auf den 9,75 Meter langen und 6,40 Meter breiten Courts wieder trainiert oder um Punkte gespielt werden kann, ist völlig offen. Elmar Neumann hat mit PSC-Geschäftsführerin Anna Wedegärtner über die Lage beim Deutschen Rekordmeister und Rekordeuropapokalsieger gesprochen.

Samstag, 28.03.2020, 03:10 Uhr aktualisiert: 28.03.2020, 05:01 Uhr
Im Vorjahr durfte PSC-Geschäftsführerin Anna Wedegärtner (vorne links) mit den Damen und Herren in Hamburg den doppelten DM-Triumph feiern. Dass die Teams ihre Titel in diesem Jahr verteidigen können, ist aktuell ob der Corona-Krise sehr unwahrscheinlich. Foto: Matthias Wippermann

Frau Wedegärtner, der Ahorn-Sportpark ist seit dem 14. März und noch mindestens bis zum 19. April geschlossen. Wann waren Sie zum letzten Mal an Ihrem Arbeitsplatz und wie haben Sie die Atmosphäre empfunden?

Anna Wedegärtner: Auch ich arbeite eigentlich von zuhause aus, im Home Office, war aber erst am Mittwoch noch einmal da, um mich mit dem Ahorn-Sportpark-Geschäftsführer Ralf Pahlsmeier – natürlich unter Einhaltung des Sicherheitsabstandes – über den Stand der Dinge auszutauschen. Die Atmosphäre auf diesem riesigen Areal ist gespenstisch. Da, wo sonst 1500 Menschen am Tag Sporttreiben, ihrem Hobby oder ihrem Beruf nachgehen, neben den Squashern unter anderem auch die Leichtathleten des LC Paderborn und die Baseballer der Untouchables trainieren, ist rein gar nichts los. Das ist ein vollkommen ungewohntes Bild. Aber wir alle müssen eben unserer Verantwortung nachkommen, die Kontakte so weit wie möglich einzuschränken. Neben Ralf habe auch ich mich dort in der Zwischenzeit nur mit meiner Kollegin Karolin Grommisch getroffen.

 

Der Spielbetrieb steht still – was haben Sie im Moment zu tun?

Wedegärtner: Zunächst musste ich erst mal schweren Herzens die 14 Mitarbeiter in Kurzarbeit beziehungsweise nach Hause schicken. Jetzt geht es darum, die entsprechenden Anträge auszufüllen, und um die buchhalterische Abwicklung des Monats März. Wie sich das Ganze weiterentwickelt, ist auch für uns in keinster Weise abzusehen. Einnahmen generieren wir noch ausschließlich über die laufenden Sponsorenverträge. Wir hoffen natürlich, dass unsere Sponsoren und Förderer diese Krise einigermaßen gut überstehen, aber welche wirtschaftlichen Folgen diese für uns und unsere Partner und Förderer haben wird, vermag niemand zu sagen.

 

Für wie wahrscheinlich halten Sie es, dass die Damen und Herren des PSC die Möglichkeit bekommen, bei der bislang noch für den 15. und 16. Mai in Hamburg angesetzten DM-Endrunde ihre Titel verteidigen zu können?

Wedegärtner: Die Chance ist aus meiner Sicht minimal. Die Verantwortlichen halten sich mit einer Entscheidung noch zurück und wir haben unsere Hotelbuchungen auch noch nicht storniert, allerdings gibt es eben viel, viel Wichtigeres als Sport, als Squash. Die Gesundheit der Spieler und Zuschauer steht über allem. Vielleicht kann die Endrunde in den Herbst verschoben werden, wenn sie denn ausgetragen werden muss, aber da sehe ich dann Probleme, das mit dem internationalen Turnierkalender in Einklang zu bringen, denn auch die PSA (Professional Squash Association, Anm. d. Red.) wird versuchen, einen Großteil der ausgefallenen Veranstaltungen zu einem späteren Zeitpunkt nachzuholen.

 

Johannes Wessela, Manager des zum ersten Mal für die DM-Endrunde qualifizierten SC Güdingen, meint: „Die Endrunde komplett abzusagen und keinen Meister zu küren, ist für uns keine Option.“ Das sehen Sie anders?

Wedegärtner: Das ist zumindest kein Satz, den ich so unterschreiben wollte. Natürlich sind wir alle Sportler, wollen um Titel spielen und Titel verteidigen, doch aktuell und für noch nicht absehbare Zeit ist es ungleich bedeutender, das Virus einzudämmen. Und: Squash wäre nicht die einzige Sportart, in der es dann in diesem Jahr keinen Deutschen Meister gäbe.

 

Mit Blick auf die European Club Championships, die im September ausgetragen werden sollen, haben Sie bereits angedeutet, dass der PSC auf die Teilnahme verzichten könnte. An dieser Einschätzung wird sich kaum etwas geändert haben, oder?

Wedegärtner: Ja, das stimmt, wobei uns die European Club Championships sehr wichtig sind und wir prinzipiell auch gerne spielen würden. Zum jetzigen Zeitpunkt ist zudem nicht abzusehen, ob die European Squash Federation sie überhaupt austrägt. Wenn nach den bereits qualifizierten Herren auch unsere Damen das Ticket buchen sollten, würde uns die Teilnahme 20.000 Euro kosten. Deshalb wäre ein Verzicht im Notfall denkbar. Im Squash ist der Europapokal selbst für den Titelverteidiger ein absolutes Zuschuss-Geschäft. Da verdienen wir nichts dran und da ist uns dann in diesem Jahr die nationale und regionale Reputation deutlich wichtiger, als es ein weiterer Triumph auf europäischer Ebene wäre. Hinzu kommt, dass die European Club Championships in Riccione, also in Italien, ausgetragen werden sollen und wie es derzeit um die Lage in dem Land bestellt ist, weiß jeder. Auch da gilt: Die Gesundheit unserer Spieler ist wichtiger als alles andere. Wir werden nicht das geringste Risiko eingehen. Wir hoffen, dass im Herbst überhaupt wieder Squash gespielt werden kann und haben unsere Mannschaft in der vergangenen Woche auch fristgemäß für die kommende Bundesliga-Saison gemeldet. Mit welchem Budget wir die Spielzeit werden bestreiten können, ist natürlich eine andere Frage, aber da werden wir erst Gespräche aufnehmen, wenn die weitere Entwicklung der Corona-Krise einzuschätzen ist.

 

Dem erfolgreichsten Squash-Club überhaupt droht damit das erste titellose Jahr seit einer gefühlten Ewigkeit?

Wedegärtner: Das könnte so sein, ja. Das ist eine neue Situation, aber wir haben wohl keine andere Wahl. Das ist ein historisches Novum, doch über dem sportlichen Erfolg steht die Gesundheit aller Beteiligten und der Bevölkerung. Wir haben dank unserer vielen Titel sehr viele schöne Momente, an die wir uns in dieser schwierigen Zeit erinnern können und wenn es so ist, dass wir jetzt auf vieles verzichten müssen, um dann im kommenden Jahr in allen Bereichen des Lebens wieder voll durchstarten zu können, dann bekommen wir das hin.

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