Sportschießen: SSV St. Hubertus Elsen muss sich im Finale der SSG Kevelaer mit 0:5 beugen Auf die „Nachhut“ ist Verlass

Elsen/Rotenburg (WB/jm). Die Luftgewehrschützen des SSV St. Hubertus Elsen haben bei der Bundesliga-Endrunde in Rotenburg/Fulda die erhoffte Medaille erkämpft: und zwar Silber! In einer Neuauflage des Vorjahresfinales musste sich der Vizemeister von 2019 am Sonntag vor etwa 2000 Zuschauern wiederum der überragenden SSG Kevelaer beugen, die beim klaren 5:0 (1985 Ringe) nur zwei Ringe unter ihrem eigenen Bundesligarekord blieb.

Silber gewonnen und ein Ziel für 2021: die stolze Equipe des SSV St. Hubertus Elsen mit ihrer Fangemeinde bei der Bundesliga-Endrunde in Rotenburg.
Silber gewonnen und ein Ziel für 2021: die stolze Equipe des SSV St. Hubertus Elsen mit ihrer Fangemeinde bei der Bundesliga-Endrunde in Rotenburg.

Trainer Heinz Reinkemeier lobte Elsens Team („Wunderbar geschossen“), erkannte den Sieg der „Tiger“ aber auch neidlos an. „Es war ein richtiger Unterschied zu erkennen. Kevelaer hat einen tollen Job gemacht. Es war wie Boxen gegen Tyson: Wir müssen froh sein, nicht noch ein Ohr verloren zu haben.“

In einem Treffen auf hohem Niveau starteten alle Kevelaer mit einer 100; Elsen hielt drei dagegen. Erst der 32. Finalschuss beider Finalteams war keine Zehn, der Titelverteidiger brachte sogar seine ersten 64 Schuss in die Zehn. Denise Palberg und Bastian Blos lagen frühzeitig im Hintertreffen. Auch Dirk Steinicke konnte im Generationenduell Franka Janßen letztlich nicht gefährden. Deren Zwillingsschwester Anna beendete den Wettkampf nach einer halben Stunde mit 398 Ringen. Nadine Hochgeschurz hatte da noch ganze 14 Schuss zu absolvieren und durfte sich für ein Stechen maximal nur eine Neun leisten. Zu ambitioniert, das klappte nicht.

István Péni: „Wunderbare Saison“

Elsens Ungar István Péni leistete sich im Duell mit Sergey Richter (Israel) im dritten Durchgang eine Neun; irreparabel. Richter holte das entscheidende 3:0. Trotzdem zeigte sich Peni glücklich. „Es war eine wunderbare Saison. Nächstes Jahr wollen wir einen Platz höher auf dem Podest.“

Am ersten Wettkampftag ging der SSV Elsen konzentriert an die Schießlinie. Das Viertelfinale gegen SSG Dynamit Fürth war 2019 bei der EM-Endrunde in Paderborn ein Halbfinale. Routinier Dirk Steinicke hatte damals einen Punkt zum 3:2-Sieg beigetragen. Diesmal musste der 36-Jährige beim 4:1 als einziger dem Gegner gratulieren. „Wir haben staubig angefangen“, berichtete Markus Quickstern von drei Neunen zu Beginn. „Da rutscht einem schon das Herz in die Hose.“ Anders der Gegner um die frühere Elsenerin Sonja Pfeilschifter (49), der richtig stark anschoss. Elsens ungarischer Topschütze István Péni ließ danach allerdings 39 Zehnen folgen (Quickstern: „Das musst du auch erstmal machen“), und irgendwann drehte sich das Match.

Packendes Halbfinale auf Augenhöhe

Nach diesem ersten Happyend hieß der Gegner in der Vorschlussrunde SB Freiheit Osterode. Die Harzer, Deutscher Meister von 2018, hatten sich erst auf den letzten Drücker für Endrunde qualifiziert – nach einer Wahnsinnsserie von vier Siegen mit 19:1 Einzelpunkten. Auch das Viertelfinale gegen den SV Pfeil Vöhringen, ohne Niederlage durch die Bundesliga Süd marschiert, konnten die Seriensieger für sich entscheiden. Die Bayern mussten Elavenil Valarivan ersetzen. Die Inderin, Nummer eins der Weltrangliste, hatte der Olympia-Qualifikation den Vorrang gegeben, wurde aber erstklassig ersetzt. Denn die Norwegerin Jeanette Hegg Duestad düpierte Peni mit einer 400! Das Husarenstück sollte unverzinst bleiben, obgleich auch Nadine Hochgeschurz bloß zweite Siegerin blieb. Denn auf Elsens „Nachhut” war Verlass – die triumphierte beim 3:2-Streich im Kollektiv.

In dem packenden Krimi auf Augenhöhe führte Freiheit bis kurz vor Schluss mit 2:1. Nur noch zwei Schüsse waren offen, Elsen hatte die Stechen aber schon sicher. Michaela Thöle und Jolyn Beer brauchten dafür indes beide noch eine Zehn. Die mentale Anspannung war wohl zu groß: zwei Neunen! Die Emotionen beim Gewinner entluden sich. „Der Oberhammer“, jubelte Quickstern mit Elsens Anhang um die Wette ob des Finaleinzuges. Und auch die späten Sieger Dirk Steinicke und Bastian Blos waren überglücklich.

Dirk Steinicke erleichtert

Vor allem Steinicke gab sich nach seinem Auf und Ab erleichtert angesichts seiner Halbfinalsteigerung mit 395 Ringen. „Ich habe gesehen, dass meine Gegnerin ein bisschen langsamer geworden ist und konnte etwas schneller schießen, als ich es üblicherweise mache. Das hat mir am Schluss den Hintern gerettet, als sie unter Zugzwang war.“ Nach Thöles finaler Neun seien ihm „einige Tonnen Steine vom Herzen gefallen.“

Zum hinteren Verteidigungsblock gehörte ebenso der fürs Halbfinale eingewechselte Bastian Blos. „Wir geben immer 100 Prozent und sind dafür belohnt worden. Man versucht die Dramatik auszublenden, aber wenn die Moderatoren in ihr Mikro brüllen und die Stände durchgeben, ist das schwer“, pustete Blos durch. Sein Mantra: „Konzentration! Jede Zehn zählt! Von Schuss zu Schuss denken! Durcharbeiten!“ Der Rest war pure Erleichterung.

Die Freiheiter trösteten sich später mit Bronze: Im kleinen Finale wurde Eichenlaub Saltendorf sicher mit 4:1 kontrolliert. Nicht Gold verloren, sondern Silber gewonnen: Seit dem Erstliga-Aufstieg 2004 hat keine andere Mannschaft der Luftgewehr-Bundesliga so viele Podestplätze geholt wie der Deutsche Rekordmeister SSV St. Hubertus Elsen.

Die Ergebnisse

Viertelfinale

SSV Elsen - Dynamit-Fürth 4:1 (1972:1967 Ringe). István Péni - Sonja Pfeilschifter 1:0 (399:396), Nadine Hochgeschurz - Georg Zott 1:0 (396:393), Denise Palberg - Silvia Rachl 1:0 (395:394), Dirk Steinicke - Pascal Walter 0:1 (391:395), Malin Wigger - Maximilian Wolf 1:0 (391:389)

Halbfinale

SSV Elsen - SB Freiheit 3:2 (1970:1968 Ringe). István Péni - Jeanette Hegg Duestad 0:1 (398:400), Nadine Hochgeschurz - Jessica Mager 0:1 (392:394), Denise Palberg - Lisa Müller 1:0 (393:389), Dirk Steinicke - Michaela Thöle 1:0 (395:394), Bastian Blos - Jolyn Beer 1:0 (392:391)

Finale

SSV Elsen - SSG Kevelaer 0:5 (1972:1895). István Péni - Sergey Richter 0:1 (397:399), Nadine Hochgeschurz - Anna Janßen 0:1 (395:398), Denise Palberg - Alexander Thomas 0:1 (395:398), Dirk Steinicke - Franka Janßen 0:1 (393:395), Bastian Blos - Jana Erstfeld 0:1 (392:395)

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