Ultralauf: Frank Ewen (42) aus Delbrück bereitet sich auf den »Spartathlon« vor
Audienz bei König Leonidas

P aderborn  (WB). Frank Ewen (42) läuft und läuft. Am Mittwoch Abend zeigte seine Trainings-App 4475 Kilometer an, verteilt auf 212 Läufe und 395 Stunden. Seit Januar »frisst« er diese Kilometermenge und hat in der Zeit sechs paar Laufschuhe verschlissen. Der Wecker in Delbrück-Sudhagen klingelt in der Regel morgens um 4.15 Uhr. »Manche mögen mich vielleicht einen Freak nennen und das bekloppt finden«, sagt er. »Aber ich genieße jeden Moment bewusst. Die Sonnenaufgänge sind geradezu magisch. Das ist Leben«, betont Frank Ewen, der einen topfitten Eindruck macht. Sein Auto ist übrigens seit Monaten unangetastet. »Das geht!«

Samstag, 03.08.2019, 03:00 Uhr aktualisiert: 03.08.2019, 12:56 Uhr
Frank Ewen läuft fast jeden Tag. Seit Januar hat der 42-Jährige aus Delbrück-Sudhagen in Vorbereitung auf den legendären Spartathlon im September etwa 4500 Kilometer »gefressen«.

In »guten« Wochen kommt er auf etwa 240, in »schlechten« Wochen auf 160 Trainingskilometer. Und das alles für ein Ereignis, das zugleich einen Ritterschlag für ihn darstellt: Frank Ewen gehört am 27. September bei der 37. Auflage des legendären Spartathlon dem Team Germany an: 246 Kilometer von Athen nach Sparta, etwa 3000 Höhenmeter. »Ich kriege gerade schon wieder ein Gänsehaut«, sagt der Betriebsleiter in einem Glasveredelungsbetrieb andächtig.

Mauerweglauf als Formüberprüfung

Qualifiziert für diesen Ultramarathon, einen der anspruchsvollsten auf dem Globus, hatte sich Frank Ewen im Vorjahr beim 7. Mauerweglauf 100 Meilen Berlin. Als Gesamtsiebter unterbot das Delbrück läuft-Mitglied in 16:22:32 Stunden die geforderte Norm locker. »So weit, gut 161 Kilometer, war ich vorher noch nie am Stück gelaufen.« Zum Lohn gab’s ein begehrtes Extra: das 100-Meilen-Buckle, eine Gürtelschnalle nach amerikanischem Vorbild. Am 17./18. August wird er wiederum in Berlin auf den Spuren deutscher Geschichte laufen; um sein Fitnesslevel zu überprüfen.

Nominiert von der Deutschen Ultramarathon-Vereinigung, wird Ewen es am 27./28. September also dem Tageläufer Pheidippides gleichtun. Tageläufer legten im antiken Griechenland gewaltige Strecken laufenderweise zurück; vor 2500 Jahren das ideale Kommunikationsmittel. Der Start erfolgt in Athen an der Akropolis. Vor dem Delbrücker liegt dann in etwa die Entfernung Hamburg – Berlin, für die er maximal 36 Stunden Zeit hat. Die Strecke führt durch historische Stätten wie Korinth. Nachts, bei Kilometer 160, geht es schlaftrunken über den berüchtigten Sangas-Pass. »Zwei, drei Grad, eisiger Wind, schlechte Sicht und eine extrem unebene Strecke. Richtig übel«, weiß Ewen. Da ist höchste Konzentration vonnöten. Ganz am Ende, im Ziel, soll eine Audienz bei König Leonidas stehen. Vor dessen Statue niederzuknien und seine bronzenen Füße zu berühren, ist eine der höchsten Weihen in der Ultralaufszene.

Traum: die 30-Stunden-Marke knacken

Seine beiden Supporter, Freundin Elke und Kumpel Yilmaz, dürfen ihn die letzten 400 Meter des Weges auf der Prachtstraße zum Denkmal begleiten. »Ich habe mir schon viele Ankunftsvideos angesehen. Das wird ein besonderer Moment und bestimmt ziemlich emotional.« Auf eine Zeit mag er sich nicht festlegen lassen. »Das Wetter wird ein Riesenfaktor. Aber natürlich wäre es ein Traum, die 30 Stunden zu knacken.«

Die Anforderungen, die der Spartathlon an einen stellt, physisch wie psychisch, lassen sich nicht simulieren. Irgendwann wird das Bedürfnis, das Laufen zu unterbrechen, grenzenlos sein. Frank Ewen (»Mentale Stärke ist ganz wichtig. Wenn der Kopf sagt, es geht nicht mehr, dann ist es vorbei«) versucht bestmöglich, Stresssituationen zu erzeugen, den Körper zu zermürben und dabei stets positiv zu bleiben. Neben den täglichen Läufen zur Arbeit – zehn Kilometer hin, mit »Schlenkern« etwa 25 bis 30 Kilometer zurück – gönnt er sich »Doppeldecker«; zwei lange Einheiten. »Am Samstag ein Marathon, am Sonntag nochmal 50 Kilometer drauf auf die müden Beine«, erläutert er.

Aus Sudhagen 240 Kilometer bis an die Nordsee gelaufen

2018 hatte sich Frank Ewen einen Lauftraum erfüllt, als er in drei Tagen von Sudhagen aus querfeldein an die Nordsee lief. 240 Kilometer. »Das war richtig gut.« Weil er mal wissen wollte, wie es sich anfühlt, »wie der Körper reagiert, wenn ich nachts nicht schlafe«, nahm er kürzlich spontan am 24-Stunden-Benefizlauf »Mit Else läuft’s« teil – und gewann diesen Wettbewerb. »Auch das lief echt klasse.« Gestärkt mit Power-Haferschleim, Cola oder Erdnüssen, legte der M40-Mann in dieser Zeitspanne 200,15 Kilometer auf einer 2,22 Kilometer langen Runde entlang der Else zurück – fast neun Kilometer Vorsprung vor dem Zweitplatzierten aus Hamburg! Mit dieser Leistung reihte sich Frank Ewen in der deutschen Jahresbestenliste auf Platz sieben ein. Er konnte es sich sogar leisten, nach 22 Stunden das Massagezelt aufzusuchen, da sein Vorsprung uneinholbare 20 Kilometer betrug.

2016 war der Ultrasportler, auch stellvertretender Vorsitzender des Stadtsportverbandes Delbrück, in seiner Stadt zum Sportler des Jahres gekürt worden. In dem Jahr hatte er mit 2:42:18 Stunden in Hannover eine neue Marathonbestzeit für den Delbrücker Sport aufstellen können. Sein 10-km-Bestwert (35:11 Minuten) und Halbmarathon-Rekord (1:17:04 Stunden) können sich gleichfalls sehen lassen. Nicht zu vergessen das Abschneiden beim Rennsteig-Supermarathon über 73,9 Kilometer mit 1800 Höhenmetern: 6:41:36 Stunden – Rang 60 von etwa 2100 Startern.

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