Triathlon-Langdistanz: Roman Reeschke (31) startet Sonntag bei Challenge in Roth »Atmosphäre einfach nur aufsaugen«

Paderborn (WB). Gänsehautentzündung, rasender Puls und emotionale Momente sind vorprogrammiert. Die Nervosität steigt so langsam. Roman Reeschke freut sich auf eine einzigartige Atmosphäre im »Eldorado des Triathlons«. Der Vorsitzende des 1. Tri-Clubs Paderborn mischt am Sonntag, 7. Juli, mit der Startnummer 382 bei dem DATEV Challenge im Triathlon-Mekka Roth mit – einem Mythos. »Ich will über das ganze Wochenende einfach nur alles aufsaugen«, sagt der 31-Jährige vor seiner Roth-Premiere.

Von Jörg Manthey
Seit Januar bereitet sich Roman Reeschke konzentriert aufs Roth-Abenteuer vor. Er möchte den Langdistanz-Triathlon mit einer Zeit von nicht viel mehr als neun Stunden beenden.
Seit Januar bereitet sich Roman Reeschke konzentriert aufs Roth-Abenteuer vor. Er möchte den Langdistanz-Triathlon mit einer Zeit von nicht viel mehr als neun Stunden beenden. Foto: Jörg Manthey

Reeschkes bisherige Langdistanz-Rekordzeit, vor ziemlich genau drei Jahren in Frankfurt aufgestellt, liegt bei 9:57:59 Stunden; ein ärgerlicher Plattfuß vereitelte mehr. Im mittelfränkischen Roth, das Triathlongeschichte geschrieben hat, möchte der hauptamtliche Schwimmtrainer des 1. Paderborner SV selbst nun an seiner eigenen Geschichte weiterschreiben, bei dem Ausdauer-Schauspiel mit einer Endzeit möglichst nah an der Neun-Stunden-Marke über den roten Teppich ins Stadion einlaufen. »Die Vorergebnisse lassen einiges erwarten. Aber eigentlich will ich mich da nicht festlegen. Wenn ich mein Potenzial abrufen, mein Rennen machen kann, dann wird es auch gut. Die Vorbereitung lief echt reibungslos. Ich habe seit Januar durchtrainieren können, war nicht krank, nicht verletzt«, sagt Ironman Reeschke. Der Roth-Triathlon ist nichts für Langschläfer. Um 6.30 Uhr ertönt der erste Böllerschuss. Der Paderborner springt in einer der ersten Wellen, in der Startgruppe direkt nach den Profis und den stärksten Altersklassenathleten ins Wasser des Main-Donau-Kanals.

Dankeschön an Freundin Rebecca

Bereits am Donnerstag wird die Unterkunft bezogen, am Freitag stehen Briefing und Pastaparty auf dem Programm, Samstag läuft Freundin Rebecca die Challenge Women über fünf Kilometer mit, und am Sonntagmorgen geht es ins Eingemachte. Apropos: Dass seine Freundin bei dem Abenteuer an seiner Seite sein wird, beflügelt ihn. »Ich bin Rebecca superdankbar. Ohne sie hätte ich es nicht so geschafft.« Die VoR-Volleyballerin musste schließlich seit Januar recht oft auf ihren Roman verzichten. Der Frontmann der Tri-Club-Regionalligamannschaft hat sich intensiv auf seinen Saisonhöhepunkt vorbereitet. Trainingspensum bis heute: 275 Kilometer Schwimmen, 6800 Kilometer Rad fahren, 1775 Kilometer Laufen. Plus 40 Kraftraumstunden.

Der Rother Kurs gilt als anspruchsvolles, aber ausgesprochen schnelles Pflaster. Die Favoriten werden das Ziel unter acht Stunden erreichen. Der Wettkampf startet mit 3,8 Kilometern Schwimmen im strömungsarmen Main-Donau-Kanal, setzt sich fort mit einem Radrennen über 180 Kilometer (zwei Schleifen durch den südlichen Landkreis Roth) sowie dem abschließenden Marathon über 42,2 Kilometer. Die von Jan Frodeno 2016 in Roth aufgestellte Weltbestzeit liegt bei 7:35:39 Stunden.

3400 Einzelstarter aus 76 Nationen

Insgesamt 3400 Einzelstarter aus 76 Nationen, Weltklasseprofis und ambitionierte Hobbyschwimmradläufer, sowie 650 Staffeln gehen an den Start. Allein bei den Männern sind sechs Top Ten-Athleten der Weltmeisterschaft auf Hawaii am Start. Auch im Frauenrennen treten einige der weltbesten Athletinnen gegeneinander an. Etwa 260.000 Zuschauer säumen die Strecke. Stimmungsnester sind der steile Kalvarienberg in Greding, der Solarer Berg in Hilpoltstein, die »Biermeile« in Eckersmühlen, der Selingstädter Berg in Heideck und die Ortsdurchfahrten in Schwanstetten und Thalmässing. Reeschkes Plan: von Highlight zu Highlight hangeln. »Ich freue mich auf die Hotspots. Den Solarer Berg werde ich extra nicht mit Volldampf absolvieren, um die Motivation der Zuschauer so ein bisschen länger zu inhalieren«, schmunzelt er. Dort, beim Alpe d´Huez des Triathlons, toben die Leute und lassen den Radfahrern nur eine schmale Gasse. Blindflug durch eine heilige Stätte. Da werden Tränen kullern und Reeschkes Endorphine Salsa tanzen. Dieser Hexenkessel gilt als schmalste, lauteste und dröhnenste Passage der Triathlon-Welt.

Live und in voller Länge im Fernsehen

Erstmals in seiner mehr als 35-jährigen Geschichte wird die weltgrößte Triathlonveranstaltung auf der Langdistanz an dem Tag von 6.15 Uhr an live und in voller Länge im Bayrischen Fernsehen übertragen. Die Ironman-Welt ist voller Helden. In Roth heißt die Distanz »Challenge«, nachdem im Jahr 2001 die Lizenz für den »Ironman« (heutiger Besitzer: die chinesische Wanda Group) wegen unakzeptabler organisatorischer und finanzieller Forderungen des damaligen WTC-Präsidenten zurückgegeben wurde.

Auch auf eine andere Sache freut sich Roman Reeschke jetzt schon: das gepflegte Zielbier nach dem 226 Kilometer langen Spektakel. Denn: »Ich habe in der gesamten Vorbereitung komplett auf Alkohol verzichtet.«

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