Football-Regionalliga: Paderborn Dolphins erwarten die Cologne Falcons
Stratege JJ Fayed hat einen Plan

Paderborn (WB). Der Ärger ist verraucht, eine Prise Frust und Enttäuschung noch geblieben. Das 14:28 bei den Assindia Cardinals zum Hinrundenabschluss der Football-Regionalliga, der erste Fleck auf der bis dato reinen Weste der Paderborn Dolphins, sei »eine Ansammlung von Kleinigkeiten gewesen, die uns ins Hintertreffen gebracht haben«, beteuert Headcoach James Joseph Fayed, der so heißt wie sein Vater und Großvater.

Samstag, 22.06.2019, 04:00 Uhr aktualisiert: 23.06.2019, 13:24 Uhr
Der Chefstratege in seinem Büro im Hermann-Löns-Stadion. Mit Laptop als unverzichtbarem Arbeitsgerät, bunten Ordnern voller ausbaldowerter Spielzüge, hinten das Taktikboard mit kryptischen Kreisen, Dreiecken und Pfeilen: Für Headcoach JJ Fayed ist Football wie Rasenschach. Foto: Manthey

»Uns war bekannt, was der Gegner spielt. Genauso ist es auch eingetroffen. Leider hat es zu lange gedauert, bis wir darauf eingestellt waren. Der Teufel steckte im Detail. Wir haben einige Situationen nicht gut gemeistert. Sachen, die wir vorher 100 Mal trainiert hatten, sind schiefgegangen. Auf diesem Level hat das Folgen.« Prompt hieß es irreparabel 0:28. »Sowas nagt. Soviel Gegenpunkte kassiert wie in den vier Spielen vorher zusammen, das geht gar nicht«, grollt Paderborns Vizepräsident Jason Irmscher, selber ein Puzzleteil der verunsicherten Defense.

Die Essener hätten danach im Überschwang im Sozialen Netzwerk unfeine Kommentare veröffentlicht. »Dass die meinten, Sushi aus uns gemacht zu haben, dürfte unsere Jungs für das Rückspiel sicher anstacheln.« Intern seien die Nachlässigkeiten inzwischen besprochen. Der Verlust der Tabellenspitze ist für Irmscher ein »Wachrütteln« zur rechten Zeit. Wenn Leute nicht regelmäßig zum Training kämen, mithin ihre Routen nicht aus dem Effeff kennen würden, könne der beste Matchplan nicht aufgehen. »Noch ein Fehltritt, dann war es das vielleicht mit dem Aufstieg!«

Die Macht des ersten »Drive«

An diesem Sonntag (15 Uhr, Löns-Stadion) spielen die Dolphins wieder im eigenen Haus, mit einer ordentlichen Portion Wut im Bauch. Die Cologne Falcons kommen. JJ Fayed III ist ein großer Freund der mentalen Macht des ersten »Drive«. Meint: die erste eigene erste Angriffswelle mit Punkten abzuschließen sowie die des Gegners zu stoppen. »Die Mannschaft ist mega hungrig und auf Köln eingeschworen. Die Defense wird extrem gut dominieren«, verspricht Irmscher gegen die Crocodiles sichtbare Besserung; nicht nur, was visuelles und analytisches Vermögen angeht. Die eigenen Fans als Rückhalt seien automatische Motivation.

Das Hinspiel konnte von den Paderbornern mit 21:7 gewonnen werden. Nach dem Fauxpas gegen Essen ist soviel klar: gegen die Cologne Falcons soll kein weiterer R(h)einfall folgen. Die Falken, die in dieser Saison ohne Importspieler auskommen müssen, führen als Vierter mit 4:8 Punkten die untere Tabellenhälfte an. Als Ausnahmespieler hat der Dolphins-Coach 120-Kilo-Mann Junior Briele ausgemacht. »Ein sehr guter Defense Tackle.« JJ Fayed, der auch für 2020 einen Vertrag als hauptamtlicher Dolphins-Coach besitzt, hat hier nach eigener Aussage »viel Footballintelligenz« vorgefunden; allerdings ohne eine Richtung. Die neue Struktur und Kultur, die unter seiner Regie installiert wurde, habe schon zu Besserung geführt. Und er hat einen klaren Plan, wohin es künftig gehen soll.

»Wir müssen nur gesund sein«

In den vier Jahren zuvor war JJ Fayed in Serbien tätig. Drei Spielzeiten in der Superleague, ein Jahr als Offense-Line-Trainer der Nationalmannschaft. Die Blue Dragons Belgrad führte er unter die Top 20-Teams in Europa. Fayed macht aktuell nur eine große Baustelle in seinem Team »ohne Superstars« aus. »Wir müssen nur gesund sein! Wenn alle Schlüsselspieler fit sind, können wir jeden Gegner schlagen.« Mit D-Liner Cem Özbük in der Mitte oder den Runningbacks Kai Böger und Marvin Lücke wurden zuletzt Eckpfeiler vermisst. Linebacker Lukas Wiesbrock adelt er als »besten Tackler des Teams.«

Für Fayed als Taktiker ist Football nicht zu Unrecht eine raue Version von Rasenschach. Angesichts der Vielzahl an Aufstellungsmöglichkeiten, Spielsituationen und individuellen Stärken und Schwächen der Mannschaft sind ganze Philosophien über Spielsysteme entstanden. Egal, wie die Saison enden wird – Jason Irmscher blickt zuversichtlich nach vorne. »Wir haben das beste deutsche Talent aller Bundesligisten. 16, 17 Jungs, die den Juniorbowl gewonnen haben.«

Im kommenden Winter soll noch mehr Fokus auf Stärke und Koordination gelegt werden. »Wir haben zweimal in der Woche Krafttraining. Das könnte noch erheblich besser besucht sein.« Schließlich, verdeutlicht Irmscher, seien dank der verbesserten Physis weniger unnötige Verletzungen aufgetreten als im Vorjahr. Außerdem werde der Gameplan komplizierter, kündigt JJ Fayed an.

»Ja, wir können Braunschweig schlagen«

Bei seinem Amtsantritt hatte der neue Headcoach seiner Truppe eine provokante Frage gestellt: »Glaubt Ihr, dass wir die New York Lions schlagen können?« Jene Braunschweiger Profis, die 2018 Eurobowlsieger wurden und mit elf German-Bowl-Siegen deutscher Rekordmeister sind. Entsprechend eindeutig fielen die Handzeichen aus. Anschließend hielt Fayed eine flammende Ansprache, in der er sein Programm vorstellte. Motto: »Team schlägt Talent«. »Danach habe ich die Frage nochmal gestellt. Alle bis auf einen waren der Meinung: Ja, wir können Braunschweig schlagen«, grinst Fayed. Diesen Teamgedanken will er in der Rückserie konsequent und kompromisslos leben sehen. Denn: »Gut ist, dass wir sind immer noch in der Lage sind, unser Schicksal zu kontrollieren.«

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