Die U21 des SC Paderborn 07 beendet die Oberliga-Saison auf Platz sieben
»Wir alle haben uns das verdient«

Paderborn (WB). Oberliga ist eben doch nicht zweite Liga. Wäre dem nämlich so, dann hätte die U21 des SC Paderborn 07 mit der zweitbesten Offensive und der zweitschlechtesten Defensive der Liga aufsteigen müssen. So wie die Profis, die abgesehen vom Defensivwert eine ähnlich torreiche Saison gespielt haben. Unzufrieden ist mit dem Abschneiden des Nachwuchses, der die Spielzeit auf dem siebten Platz beendet hat, aber niemand. Trainer Michél »Mitch« Kniat fasst die Saison zusammen.

Mittwoch, 05.06.2019, 03:00 Uhr
Mustafa Dogan (Vierter von links) nimmt die Glückwünsche für ein Tor entgegen. Insgesamt erzielt die U21 des SCP 70 Treffer und stellt die zweitbeste Offensive. Foto: Agentur Klick

Die Bilanz: »Ich bin sehr zufrieden mit der Saison. Wenn man die Jungs sieht, wie sie auf dem Platz auftreten, mit welcher Einstellung sie in die Partien gehen und wie sie sich kontinuierlich weiterentwickelt haben, dann macht mich das stolz. Man sieht eine klare Handschrift. Die Ergebnisse passen. Wir haben uns in der Oberliga mehr als gefestigt. Die Spieler haben es vom ersten bis zum letzten Tag mitgetragen und haben mitgezogen. Hinter so einer Saison steckt viel Arbeit. Wir haben sieben Mal in der Woche trainiert, daher haben wir uns diese Platzierung alle verdient.«

Der Start in die Rückrunde war wichtig.

»Mitch« Kniat

Der Knackpunkt: »Der Start in die Rückrunde war wichtig. Wir haben Eintracht Rheine im ersten Rückrundenspiel, das noch im Dezember stattfand, mit 8:1 nach Hause geschickt. Das war ein Ausrufezeichen. Danach sind wir mit Unentschieden gegen den FC Schalke 04 II und TuS Haltern in das Fußballjahr 2019 gestartet. Beide Teams sind in die Regionalliga aufgestiegen, trotzdem hätten wir sie besiegen können. Es war wichtig für die Jungs zu sehen, dass sie auch gegen solche Teams mithalten können, wenn sie an ihre Leistungsgrenze gehen. Machen sie es nicht, verlieren wir auch gegen Vereine aus unteren Regionen.«

Der Co-Trainer: »Christopher (John, Anm. d. Red.) ist mit Norwich City in die englische Premier League aufgestiegen und hat alles richtig gemacht. Für den Verein ist es eine Auszeichnung, weil hier nicht nur Spieler, sondern auch Trainer entwickelt werden. Christopher hat nicht nur durch seine Videoanalysen einen Anteil am Erfolg, den wir hatten. Schön ist, dass wir mit Daniel Jara Cortina direkt den optimalen Nachfolger parat hatten. Er war sofort da und hat Christopher gut ersetzt. Es passt im Trainerteam kein Blatt zwischen uns.«

Wir haben ein Gerüst, auf dem wir aufbauen können.

»Mitch« Kniat

Offensive/Defensive: »Der Verein gibt vor, dass alle Teams das gleiche System spielen, um die Übergänge zu erleichtern. Mit 70 Toren sind wir als zweitbeste Offensive nah dran an den Profis. Leider gilt das auch für die Defensive, bei der wir mit 64 Gegentoren die zweitschlechteste der Oberliga stellen. Das ist etwas, was die Profis in der Rückrunde besser gemacht haben. Sie haben ihre Offensivpower behalten, aber gelernt zu verteidigen. Hier liegt der Ansatz für uns in der kommenden Saison. Wenn wir hier besser werden, machen wir weitere Schritte nach vorne. Der Vorteil ist, dass unsere Defensivspieler fast alle bleiben und wir nicht bei Null anfangen. Wir haben ein Gerüst, auf dem wir aufbauen können.«

Austausch mit den Profis: »Dadurch, dass ich im vergangenen Jahr noch im Trainerteam der Profis dabei war, habe ich sehr viel gelernt für mich und für das Team. Die Profis kommen sehr gerne zu uns und fragen selbst an, ob sie mal 90 Minuten Spielpraxis sammeln können. Das ist ungewöhnlich. Ich kenne es so von meinen vorherigen Stationen nicht. Natürlich ist das Niveau in der Oberliga anders, aber die Jungs wollen es und haben Spaß. Die Wege zwischen den Trainerteams sind kurz.«

Seniorenfußball: »Wir haben jedes Jahr viele U19-Spieler dabei, die direkt auf dem Niveau Oberliga in den Seniorenfußball einsteigen. Natürlich ist das erste Jahr ein Eingewöhnungsjahr. Wir treffen zumeist auf sehr clevere Teams mit abgebrühten Gegenspielern. Gut ist, dass wir viele Verträge des aktuellen Stammkaders verlängern konnten. Die Jungs haben verstanden, dass ein zweites Jahr im Herrenbereich des SCP gut für sie ist. Es gibt genügend Beispiele – wie Dardan Karimani und Ron Schallenberg beim SC Verl – dafür, dass junge Spieler im zweiten Seniorenjahr regelrecht explodieren in ihrer Leistung. Sebastian Woitzyk ist aus unserem Kader ein aktuelles Beispiel dafür. Er ist im zweiten Jahr und hat eine super Saison hingelegt. Fußball spielen können hier alle, aber im zweiten Jahr ist niemand mehr grün hinter den Ohren. Wenn ein Spieler bei den Möglichkeiten hier und bei einem Profiteam, das in der ersten Bundesliga spielt, trotzdem ungeduldig ist und meint, nach dem ersten Jahr gehen zu müssen, dann kann ich es nicht ändern.«

Es ist der Traum, einen Spieler bei den Profis zu positionieren.

»Mitch« Kniat

Der Weg in die 1. Liga: »Die Jungs wissen, dass der Schritt von der Oberliga in die 1. Liga sehr weit ist. Aber sie profitieren davon, wenn die Profis zu uns kommen, weil sie einfach sehen, wie hoch das Niveau ist und wohin sie kommen müssen. Wir wollen die Spieler entwickeln. Es ist der Traum im Verein und von mir, mal einen Spieler bei den Profis als Stammspieler zu positionieren. Aber, wenn es nicht direkt beim SC Paderborn 07 klappt, dann gibt es eben auch noch den Umweg über andere Vereine aus der Regionalliga oder der 3. Liga. Beispiele gibt es genug mit Janik Steringer, Karimani oder Schallenberg. Leonel Brodersen geht zu Eintracht Trier in die Regionalliga. Der Weg zum Profi ist immer schwer. Aber damit hat niemand ein Problem.«

Die größten Überraschungen: »Zu den Gewinnern zählt in der Rückrunde Sebastian Woitzyk. Er ist jetzt seit 18 Monaten bei den Senioren und hat seine Leistung noch einmal gefestigt. Luka Nikolas Driller und Dominik Bilogrevic haben direkt im ersten Seniorenjahr als Stammspieler überzeugt. Das war richtig stark, sie bleiben zum Glück bei uns. Beide dürfen sich jetzt nicht ausruhen, sondern müssen noch einmal drauflegen. Jetzt sind sie nicht mehr die jungen, sondern die erfahreneren im Kader. Das ist in einer Profireserve so. Da müssen sie nun reinwachsen. In der Offensive hat Sergio Gucciardo ebenso überragend gespielt. Er war mit seinen 17 Toren sehr wichtig. Aber er gehört zum Profikader. Ich würde mir wünschen, dass er bleibt, weil er Qualitäten hat, die nicht üblich sind in der Oberliga. Mal sehen, was passiert. Er kann höher spielen. Mustafa Dogan geht zur neuen Saison zum SV Lippstadt in die Regionalliga. Gut für ihn, schade für uns, denn »Musti« war extrem wichtig. Er kam am zwölften Spieltag dazu, hat uns sofort stabilisiert und das Team auf ein anderes Niveau gehoben.«

Abstiege im Nachwuchsbereich: »Klar wäre es mir lieber, wenn die U19 und die U17 in der Bundesliga geblieben wären. Wir müssen nun in den sauren Apfel beißen und wieder angreifen. Das heißt für die Jungs, dass sie Gas geben, so wie sie es ohnehin hätten machen müssen. Ziel ist, jeweils wieder in die höchste Klasse zu kommen. Die Abstiege sind schade. Sie werden uns aber nicht aufhalten, wir rücken jetzt ja nicht von unserem Niveauanspruch ab.«

Drilon Demaj und Hendrik Mittelstädt stehen als Verstärkungen fest

Die Perspektive: »Ich bin immer vorsichtig, was solche Prognosen angeht, aber eigentlich möchte ich mich immer weiter verbessern. Bei einer U21 kann man eben nie wissen, was passiert. Verletzen sich Stammkräfte? Wie lange brauchen die U19-Spieler, um im Seniorenfußball anzukommen? Mit Drilon Demaj vom BV Cloppenburg und Hendrik Mittelstädt aus der Reserve von Eintracht Braunschweig haben wir zwei externe Neuzugänge. Weitere Spieler kommen noch. Ab dem zehnten Spieltag werden wir wissen, wohin die Reise geht. Am 30. Juni starten wir erst einmal mit der Leistungsdiagnostik.«

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