Luke Wentz und Kariem Al Soufi unterzeichnen College-Vertrag – mit Video
Die Tinte ist trocken

Paderborn (WB). Offense Guard Kariem Al Soufi macht für seinen Kumpel den Weg frei, Quarterback Luke Wentz nutzt den hart erarbeiteten Platz für den entscheidenden Touchdown und 61.500 begeisterte Fans feiern mit den beiden ehemaligen Spielern der Paderborn Dolphins im ausverkauften Scott Stadium einen ganz wichtigen Heimsieg der Virginia Cavaliers. Dieses Szenario könnte alsbald traumhafte Realität werden.

Donnerstag, 07.02.2019, 06:00 Uhr aktualisiert: 08.02.2019, 08:34 Uhr
Zwei stolze Ausnahmetalente: Luke Wentz (links) und Kariem Al Soufi von den Paderborn Dolphins haben den Sprung ins Team der renommierten University of Virginia geschafft. Wentz ist der erste europäische Quarterback überhaupt, der sich über ein derartiges Stipendium freuen darf. Das Grundvolumen eines solchen Kontrakts wird auf 250.000 Dollar taxiert. Zur Unterzeichnung gab’s die passende Torte. Foto: Jörn Hannemann

Seit Mittwochmittag ist die Tinte trocken. Exakt um 13.02 Uhr haben die Ausnahmetalente am Esszimmertisch der Familie Al Soufi die so begehrten Verträge unterschrieben, die ihnen ein Sportstipendium an der höchst anerkannten University of Virgina garantieren. »In Amerika wird so ein Moment ganz groß zelebriert. An der Tradition wollten wir mit einer kleinen Feier im Kreis unserer Familien und einiger Freunde festhalten«, sagte Al Soufi und zu feiern gibt es tatsächlich viel: Die Rede ist immerhin von einem Grundvolumen von jeweils 250.000 Dollar für die vier Jahre.

Am Uni-Standort in Charlottesville ist es da gerade kurz nach 7 Uhr morgens. Die Verantwortlichen des Division I-Teams wollen, weil nun auch alle akademischen Voraussetzungen erfüllt sind, keine Zeit vergehen lassen, um den Deal unter Dach und Fach bringen und die Verpflichtungen per Pressekonferenz verkünden zu können.

Unterschriften werden im Kreise von Familien und Freunden gefeiert

Dass die beiden Freunde, die die U19 der Dolphins im August des Vorjahres unter der Leitung von Headcoach Peter Daletzki zum zweiten Junior-Bowl-Sieg in Serie geführt haben, ein Stipendium bekommen, steht – wie berichtet – bereits seit dem Frühjahr 2018 fest. Bei einer von Spielervermittler und Ex-NFL-Profi Brandon Collier organisierten Bewerbungstour durch die USA waren einige Nachwuchs-Asse kurz vor Schluss und eigentlich unplanmäßig auch noch in Virginia vorstellig geworden.

Nur 90 Minuten genügten, um den kompletten Trainerstab von ihren Qualitäten zu überzeugen. »Als es nach dem Training hieß, die Jungs sollten in das Büro des Headcoaches kommen und als dort dann tatsächlich die Angebote gemacht wurden, waren wir alle fassungslos. Da sind Tränen der Freude geflossen«, sagt Daletzki, der seine Schützlinge damals begleitet hatte, aktuell jedoch eine Auszeit als Trainer nimmt.

Mittlerweile sind die Tränen längst getrocknet, aber die Begeisterung ist ungebrochen. Offense Liner Al Soufi, 1,94 Meter groß und 160 Kilogramm schwer, wurde von den Coaches mit der Einschätzung »Der Himmel ist die Grenze« bedacht. Bilderbuchathlet Wentz (1,92 Meter, 94 Kilogramm), der nicht nur präzise wirft, sondern auch das Laufspiel beherrscht, muss sich als Freshman auf seiner Position zwar zunächst hinter Stammkraft Bryce Perkins einordnen, doch der Senior geht in sein viertes und damit letztes Jahr und spätestens danach rechnet sich der gebürtige Kölner einiges aus: »Ich bin einer von drei Quarterbacks hinter Bryce Perkins und werde mich sicher erst einmal eingewöhnen müssen, aber ich bin überzeugt von meinen Fähigkeiten und werde alles dafür tun, um mir den Starting Spot im Team zu verdienen.«

Ein Novum personifiziert der 19-Jährige schon jetzt. Der junge Mann, der 2016 ans Reismann-Gymnasium gewechselt und ins Paderborner Sportinternat gezogen ist, ist der erste europäische Quarterback in der Geschichte, der für talentiert genug befunden wurde, um sich in der höchsten College-Liga mit den Besten zu messen.

Wir haben den Dolphins unglaublich viel zu verdanken.

Luke Wentz und Kariem Al Soufi

Die Cavaliers zählen in der Atlantic Coast Conference (ACC), einer der fünf sogenannten Power Conferences, zu den Topteams, zu den ganz großen Nummern. Sportlich, allerdings auch auf akademischer Ebene. Erst vor einer Woche sind die beiden Familien von einer gemeinsamen Stippvisite zurückgekehrt. Al Soufi, in Münster geboren, aber in Paderborn aufgewachsen, wird in den USA International Business, Wentz – wie sein Großvater – Architektur studieren. Der Fokus liegt aber auf dem manchmal eigenwilligen Ei. Die NFL haben sie fest im Blick.

Al Soufis Vorbild heißt Tyron Smith (Dallas Cowboys), Wentz schaut sich bei Deshaun Watson (Houston Texans) und Tyrod Taylor (Cleveland Browns) einiges ab. Gemeinsam wollen sie in Virginia Vorbildliches leisten. Ende Juni/Anfang Juli gehen die Flieger. Zuvor denkt das Duo aber noch einmal an die Dolphins. »Wir haben dem Verein und den Coaches um Peter Daletzki unglaublich viel zu verdanken«, heißt es unisono.

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