Leichtathletik-DM: Lückenkemper gewinnt über 100 Meter – Pinto wird Dritte Sieg der Unbekümmertheit

Erfurt (WB). Zweimal ist Gina Lückenkemper bei den Deutschen Leichtathletik-Meisterschaften über die 100 Meter mit lautem Aufschrei durchs Ziel geflogen. Schon im Vorlauf sorgte sie mit 11,01 Sekunden für Aufsehen, das Finale entschied sie in 11,10 Sekunden für sich. Für Titelverteidigerin Tatjana Pinto blieb im starken Feld der Sprinterinnen diesmal die Bronzemedaille.

Von Matthias Wippermann
Schnelles Sprinterinnen-Trio: Rebekka Haase, Gina Lückenkemper und Tatjana Pinto (von links)
Schnelles Sprinterinnen-Trio: Rebekka Haase, Gina Lückenkemper und Tatjana Pinto (von links) Foto: Matthias Wippermann

»Man sieht, dass die Konkurrenz super stark ist. Der dritte Platz ist da okay. Ich konnte die Woche nicht trainieren, da mir mein Schienbein weh tat.  Trotzdem wollte ich einen guten Wettkampf abliefern. Im Finale ist mir das nicht gelungen. Das war technisch nicht sauber«, sagte die Athletin des LC Paderborn, die sich in Saisonbestzeit von 11,27 Sekunden Bronze hinter Rebekka Haase (LV 90 Erzgebirge/11,22 Sekunden) sicherte. »Ich bin mit Silber zufrieden, auch wenn ich mir die Zeit schneller vorgestellt hätte. Aber ich musste auf der Außenbahn rennen und war daher weit weg vom Schuss«, meinte Haase.

Über allem aber strahlte Gina Lückenkemper von der LG Olympia Dortmund. Die 20-Jährige dominierte am Samstag die 100 Meter vor 12 300 Zuschauern im Steigerwaldstadion in Erfurt mit einer scheinbar unbekümmerten Leichtigkeit – flachste vor den Läufen im Startbereich, schrieb anschließend Autogramme und machte ein Selfie nach dem anderen. Ganz so locker war die Zeit vor der DM nicht. Zahlreiche internationale Meetings waren wohl des Guten zu viel. »Nach der Team-EM in Lille habe ich erst mal eine Pause gebraucht. Mein Kopf stand kurz vor der Kernschmelze. Ich brauchte die Pause unbedingt, das war ein übles Gefühl«, meinte Lückenkemper, die genauso schnell spricht, wie sie läuft.

Lückenkemper isst Currywurst und reitet mit Picasso aus

Je näher die Deutschen Meisterschaften heranrückten, desto mehr besann sie sich ihrer Unbekümmertheit: »Donnerstag habe ich vor dem Training mit meinem Coach einen Kaffee getrunken. Dann bin ich dreimal auf dem Rasen auf und ab gejoggt und habe gemerkt, das wird heute nichts. Dann haben wir eine Currywurst gegessen.« Doch dabei blieb es nicht: »Später bin ich noch mit meinem Pferd Picasso ausgeritten. Dabei finde ich meinen Seelenfrieden und bin glücklich.«

Pinto fehlt eine Hundertstel zur WM-Norm

Glücklich wäre Pinto, wenn sie – wie Lückenkemper und Haase – die Norm (11,26 Sekunden) für die Weltmeisterschaften vom 5. bis 13. August in London in der Tasche hätte. Nach 11,33 Sekunden im Vorlauf fehlte im Finale mit 11,27 Sekunden lediglich eine Hundertstel. »Ich würde gerne noch die WM-Norm laufen. Wir müssen sehen, wo es jetzt noch möglich ist«, sagte Pinto, deren persönliche Bestzeit bei glatten 11,00 Sekunden (Mannheim 2016) liegt.

Sehnsüchtig wartet die Leichtathletikszene auf eine Sprinterin, die wieder unter elf Sekunden läuft. Die letzte deutsche Sprinterin, der das gelang, war Katrin Krabbe – vor 26 Jahren. Die junge Lückenkemper setzte mit ihrer persönlichen Bestzeit von 11,01 Sekunden im Vorlauf mehr als eine Duftmarke. »Es war der geilste Lauf in meinem Leben. Eine Zehn vor dem Komma wäre noch schöner gewesen, aber es hat heute nicht sollen sein. Die Zehn vor dem Komma ist einfach eine Schallmauer im Frauensprint. Ich möchte eine von den Frauen sein, die unter elf Sekunden gelaufen sind. Und ich bin auf einem guten Weg dahin«, sagte Lückenkemper.

Zwei für ihn wichtige Zeiten lief Julian Reus. Beim fünften DM-Titel über 100 Meter in Folge knackte er in 10,10 Sekunden die WM-Norm um zwei Hundertstel. Die Norm erfüllte der Doppelmeister mit der Siegerzeit von 20,29 Sekunden auch über die 200 Meter.

Pech hatte Paderborns 4x100-Meter-Frauenstaffel mit Chantal Butzek, Josefina Elsler, Tatjana Pinto und Janina Kölsch. Da der letzte Wechsel nicht klappte, wurde das Quartett disqualifiziert. Das Siegerteam aus Mannheim lag ohnehin weit vorne, aber eine Medaille wäre drin gewesen.

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