Leverkusens Trainer Roger Schmidt freut sich auf seine Rückkehr nach Delbrück »Der DSC liegt mir sehr am Herzen«

Delbrück/Leverkusen(WB). Vor zwölf Jahren musste sich Roger Schmidt dazu überreden lassen, beim Delbrücker SC erstmals ein Traineramt zu übernehmen. Am Sonntag kehrt der 49-Jährige als Chefcoach von Bayer 04 Leverkusen an seine erste Wirkungsstätte zurück. Zuvor sprach er mit Elmar Neumann über alte Zeiten und die Arbeit in der Bundesliga.

2005: Roger Schmidt (vorne) und Co-Trainer Wilfried Neuschäfer auf der DSC-Bank.
2005: Roger Schmidt (vorne) und Co-Trainer Wilfried Neuschäfer auf der DSC-Bank.

Herr Schmidt, am Sonntag kehren Sie als Chefcoach des Champions-League-Teilnehmers Bayer Leverkusen dahin zurück, wo Ihre Trainerkarriere 2004 in der Verbandsliga begann. Das kann kein Testspiel wie jedes andere sein, oder?

Roger Schmidt: Nein, natürlich ist das ein ganz besonderes Spiel für mich. In Delbrück hat damals alles angefangen. Ich pflege noch einen guten Kontakt zu den Personen, mit denen ich in jener Zeit viel zu tun hatte. Der DSC liegt mir sehr am Herzen. Entsprechend groß ist die Freude, wieder nach Delbrück zurückzukehren.

Gäbe es den Trainer Roger Schmidt ohne den Delbrücker SC – und insbesondere DSC-Gönner Heinz Austerschmidt – denn überhaupt?

Schmidt: Gute Frage. Ich hatte eigentlich nicht vor, so schnell nach meiner Zeit als Spieler ins Trainer-Geschäft einzusteigen, Aber Heinz Austerschmidt war einfach extrem hartnäckig, und dann waren die Gespräche mit ihm, Burghard Plümer, Wilfried Fecke und den anderen Verantwortlichen so gut, dass sie mich am Ende überzeugt haben, es mal für ein Jährchen als Trainer zu versuchen. Ich musste das dann nur noch meiner Frau verklickern. Aus dem einen Jährchen sind drei geworden, ehe mir die Belastung in Kombination mit meinem Beruf als Ingenieur zu hoch wurde und ich wieder ganz aufhören wollte. Bis wiederum Münsters damaliger Präsident Marco de Angelis mich dazu überreden konnte, meinen Job an den Nagel zu hängen und ganz auf die Karte Fußball zu setzen. Ich kann also nicht sagen, dass damals alles nach Plan gelaufen ist . . .

Wenn Ihnen bei Ihren ersten Schritten als Trainer jemand gesagt hätte, dass Sie in nicht allzu ferner Zukunft bei einem Champions-League-Teilnehmer die alleinige Verantwortung tragen würden, dann . . . 

Schmidt: . . . hätte das zu jener Zeit sicher außerhalb meiner Vorstellungskraft gelegen. Ich war damals auch rundum glücklich, Delbrück trainieren zu dürfen. Ich habe es von Beginn an so gehalten wie heute, nie schon an den nächsten Verein oder den nächsten Schritt gedacht, sondern mich voll und ganz mit der Aufgabe befasst, die es gerade zu bewältigen galt. Eine Mannschaft ist ein ganz sensibles Gebilde. Das funktioniert nur, wenn der Trainer mit ganzem Herzen dabei ist.

Wie eng ist der Kontakt zum DSC noch?

Schmidt: Heinz Austerschmidt, Wilfried Fecke und Burghard Plümer sind gute Freunde geblieben. Sie sind auch ab und zu bei uns im Stadion. Mich freut es, dass sie ihrem alten Trainer die Daumen drücken.

Mit Rino Capretti wird der DSC derzeit von einem Ihrer ehemaligen Führungsspieler – sowohl in Delbrück als auch in Münster – trainiert. Was trauen Sie ihm als Trainer zu?

Schmidt: Ganz genau kann ich das aus der Ferne nicht beurteilen, aber ich weiß, dass Delbrück mit Rino und einer jungen Mannschaft eine sehr gute Saison gespielt hat. Leider gab es in den beiden wichtigen Spielen am Ende (Westfalenpokal-Halbfinale und Entscheidungsspiel um den Aufstieg, Anm. der Red.) zwei Niederlagen. Aber was Rino betrifft, so bin ich überzeugt davon, dass er eine Mannschaft als Trainer genauso gut führen kann, wie er es als Spieler getan hat.

Gibt es einen großen Unterschied zwischen dem Trainer Roger Schmidt, der beim Delbrücker SC in der Verbandsliga angefangen hat und dem, der sich nun in Leverkusen mit der europäischen Elite misst?

Schmidt: Als Mensch habe ich mich meines Erachtens kaum verändert. Man entwickelt sich mit jeder Station weiter, aber was den Umgang mit der Mannschaft und den Personen im Verein angeht, läuft das nun ähnlich wie in Delbrück. Natürlich ist es wichtig, über die fußballerische Kompetenz zu verfügen, aber der Schlüssel ist der Umgang mit den Menschen – in Leverkusen wie in Delbrück.

In der vergangenen Saison lief es für Sie in Leverkusen nicht immer rund. In einer sportlich schwächeren Phase und nach der in einer Spielunterbrechung gipfelnden Auseinandersetzung mit Schiedsrichter Felix Zwayer im Heimspiel gegen Dortmund wurde auch über Ihre Entlassung diskutiert. Am Ende führten Sie die Werkself trotzdem noch zur vorzeitigen Champions-League-Qualifikation. War dieses Auf und Ab Ihre bisher lehrreichste Saison?

Schmidt: Die angesprochene Phase war sicher auch für mich lehrreich. Entscheidend war, dass wir alle miteinander den passenden Umgang damit gefunden haben, uns aus der schwierigen Situation befreien konnten und am Ende die direkte Qualifikation zur Champions League gepackt haben. Das hat sich dann wirklich gut angefühlt, fast wie eine kleine Meisterschaft. Gerade wenn man bedenkt, dass uns Führungsspieler wie Ömer Toprak, Lars Bender oder Charles Aranguiz monatelang nicht zur Verfügung standen. Ich war wirklich stolz auf meine Mannschaft.

Der Abstand auf Meister München und Vizemeister Dortmund war allerdings beträchtlich. Was stimmt Sie optimistisch, dass es in dieser Saison enger zugehen könnte?

Schmidt: Mit Blick auf die vergangene Saison darf man nicht übersehen, dass die Bayern und der BVB selbst für ihre Verhältnisse außergewöhnlich gut gepunktet haben. Zum einen muss man abwarten, ob ihnen das noch einmal gelingt, zum anderen kann man davon ausgehen, dass Teams wie Schalke und Wolfsburg mehr Punkte einfahren als in der Vorsaison und auch wir wollen uns nach Möglichkeit noch verbessern. So mutig sind wir. Daher bin ich mir ziemlich sicher, dass es spannender wird, auch wenn die Dortmunder die besten und die Bayern die allerbesten Voraussetzungen für den größtmöglichen Erfolg in dieser Liga besitzen.

Die Spieler, die bei der EM oder der Copa America im Einsatz waren, werden am Sonntag nicht in Delbrück auflaufen, auf wen aber dürfen sich die Fußballfans freuen?

Schmidt: Auch ohne die Jungs, die sich noch etwas erholen können, werden wir mit einer sehr guten Mannschaft auflaufen. Mit Kevin Volland, Karim Bellarabi, Kevin Kampl, Ömer Toprak, Stefan Kießling, Lars Bender oder Kyriakos Papadopoulos gibt es genug Spieler, auf die sich die Zuschauer freuen können.

Was werden Sie tun, wenn Sie der Schiedsrichter am Sonntag auf die Tribüne verweisen will?

Schmidt: (lacht) Dann werde ich mich – umgehend und ohne zu protestieren – direkt neben Heinz Austerschmidt setzen.

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