Delbrücker Enttäuschung legt sich schnell Stolze Verlierer

Delbrück (WB). Genauso schnell wie der Traum vom Oberliga-Aufstieg an diesem letzten Spieltag geplatzt war, machte die erste Enttäuschung in den Reihen des Delbrücker SC Platz für eine berechtigte Portion Stolz. »Man darf nicht vergessen, gegen wen wir hier heute verloren und bis zum Schluss um den Meistertitel gespielt haben«, sagte der Vorsitzende Elmar Westermeyer.

Von Elmar Neumann
Der DSC-Vorsitzende Elmar Westermeyer gratuliert Christoph Metzelder.
Der DSC-Vorsitzende Elmar Westermeyer gratuliert Christoph Metzelder. Foto: Elmar Neumann

Während die Spieler und Verantwortlichen des TuS Haltern nach dem 2:0-Sieg gegen den DSC fleißig den Durchmarsch von der Landesliga 4 über die Westfalenliga 1 in die Oberliga Westfalen feierten, wies der DSC-Chef mit dieser Anmerkung auf die ungleichen finanziellen Voraussetzungen hin. Der Etat des TuS liegt etwa dreimal höher als der des Ligadritten. Es spricht schon Bände, wenn es sich der Verein unter dem Vorsitz des Vize-Weltmeisters Christoph Metzelder leisten kann, nach der Landesligasaison 2015/2016 auch diese Westfalenliga-Saison ganz ohne Eintrittsgelder zu bestreiten. Auf den Karten, die den 1200 Fans am Sonntag in die Hand gedrückt wurden, stand kein Preis, sondern allein der bemerkenswerte Hinweis: »In dieser Saison verzichtet Deutschlands erfolgreichste Talentschmiede im Amateurfußball auf den Eintritt zu allen Ligaspielen.« Nur wer spenden will, wird nicht davon abgehalten. Neben Christoph Metzelder, der die U 19 des Vereins trainiert, und seinem Bruder Malte (neun Erstliga-Spiele für den BVB) ist es vor allem Schalkes Weltmeister Benedikt Höwedes, mit dessen ersten fußballerischen Versuchen sich der TuS rühmen darf.

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Den besseren Fußball haben wir gespielt.

Rino Capretti

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Die Aufstiegsmannschaft 2017 hat jedoch nur bedingt etwas mit den Früchten intensiver Jugendarbeit zu tun. Gleich sechs der Spieler, die gegen Delbrück in der Startelf standen, sind im vergangenen Sommer von Oberliga-Vizemeister Erkenschwick zum TuS gewechselt. allen voran Torjäger Stefan »Ö« Oerterer, der mit 34 Treffern mehr als die Hälfte der 63 Halterner Tore verbuchte. Die drei Akteure, die der spätere Meister in der Winterpause von drei anderen Oberligisten nachverpflichtet hat, durften gegen den DSC ebenfalls von Beginn an ran. Diese Personalpolitik lässt den Titelgewinn doch in einem weniger glänzenden Licht erscheinen, machte sich aber auch im Saisonfinale bezahlt. »Den besseren Fußball haben wir gespielt. Aber mit Haltern hat am Ende das erfahrenere und cleverere Team gewonnen. Die waren einfach abgezockter als wir«, sagte der scheidende Spielertrainer Rino Capretti, und auch Elmar Westermeyer sah im Mehr an Routine einen entscheidenden Vorteil auf Seiten des Gegners: »Wir haben eine sehr junge Mannschaft. Das merkt man in solchen Spielen manchmal. Aber trotzdem sind wir richtig stolz auf das, was die Jungs wieder geleistet haben.«

Derweil der Meister am Montagmorgen mit Christoph Metzelder in den »Siegerflieger« nach Ibiza stieg, wollen die Delbrücker Verantwortlichen in nächster Zeit mit zwei, drei weiteren Neuverpflichtungen den Kader für die nächste Saison in der Westfalenliga komplettieren. Auch unter dem Capretti-Erben Jörg Runge soll es wieder eine Spielzeit werden, auf die der DSC stolz sein darf.

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