Vor 50 Jahren weiht Borussia Mönchengladbach das Kurwaldstadion ein »Fußball in Vollendung«

Bad Lippspringe  (WV/MR). Das war ein Höhepunkt in der Geschichte des BV Bad Lippspringe: Am Ostersonntag, 14. April 1968, kam Borussia Mönchengladbach in das Kurwaldstadion und spielte gegen eine Auswahl aus heimischen Vereinen. Den Bundesligadritten mit Trainer Hennes Weisweiler wollten zur Einweihung des neuen Rasenplatzes 7.000 Zuschauer sehen.

Diese Auswahl tritt am 14. April 1968 gegen Borussia Mönchengladbach an, auf dem Foto von links: Paul Schröder (BV Bad Lippspringe), Friedhelm Lüning (VfL Schlangen), Arthur Moor (BV Bad Lippspringe), Karl-Heinz Sroka (SC Grün-Weiß Paderborn), Franz Meinholz (TuS Sennelager), Richard Birne, Gerd Birne, Reinold Bensiek, Frank Wyatt, Herbert Bee (alle BV Bad Lippspringe), Hans Finke (SV Marienloh), Klaus Emmighausen, Horst Scherer, Franz Pagendarm, Detlef Fregin (alle BV Bad Lippspringe), Klaus Pöhler (TuS Sennelager), Manfred Baum (BV Bad Lippspringe), Hugo Fischer (VfL Schlangen) und Hans Tofall (BV Bad Lippspringe).
Diese Auswahl tritt am 14. April 1968 gegen Borussia Mönchengladbach an, auf dem Foto von links: Paul Schröder (BV Bad Lippspringe), Friedhelm Lüning (VfL Schlangen), Arthur Moor (BV Bad Lippspringe), Karl-Heinz Sroka (SC Grün-Weiß Paderborn), Franz Meinholz (TuS Sennelager), Richard Birne, Gerd Birne, Reinold Bensiek, Frank Wyatt, Herbert Bee (alle BV Bad Lippspringe), Hans Finke (SV Marienloh), Klaus Emmighausen, Horst Scherer, Franz Pagendarm, Detlef Fregin (alle BV Bad Lippspringe), Klaus Pöhler (TuS Sennelager), Manfred Baum (BV Bad Lippspringe), Hugo Fischer (VfL Schlangen) und Hans Tofall (BV Bad Lippspringe). Foto: BVL

Günter Netzer, Berti Vogts, Herbert Wimmer, die Kremers-Zwillinge und Co. kosteten dem BVL vor 50 Jahren stolze 10.000 D-Mark, dafür gab’s neun Tore zu sehen: Die Elf vom Niederrhein siegte mit 7:2 (5:1). Herbert Laumen (1./12.), Peter Dietrich, (9.), Helmut Kremers (29.), Günter Netzer (39./88.) und ein Eigentor (66./abgefälschter Schuss von Netzer) sorgten für sieben Tore der »Fohlen«, für die Auswahl traf die Sennelager »Leihgabe« Klaus Pöhler (34./55.) doppelt.

Man hörte sogar lauthals den Ruf ›Netzer raus!‹

Das WESTFÄLISCHE VOLKSBLATT berichtete damals ausführlich, lobte ausdrücklich die Gäste und schrieb über die erste Hälfte: »Das war Fußball in Vollendung.« In der zweiten Halbzeit fiel bei den Fans allerdings Spielmacher Günter Netzer nach einem Foul an Friedhelm Lüning in Ungnade. Diese Zeitung schrieb: »Die 7.000 im Stadion pfiffen, und man hörte sogar lauthals den Ruf ›Netzer raus!‹ Das darf einem Nationalspieler nicht passieren.«

Die Einweihung der noch immer weit über die Stadtgrenzen hinaus als eine der schönsten Anlagen anerkannten Sportstätte zählte zu den Glanzstücken in der Geschichte des BVL. Nach langer Vorbereitung war es am erwähnten Ostersonntag endlich soweit. Mit der Borussia hatten die Verantwortlichen für das Eröffnungsspiel einen Hochkaräter verpflichten können, denn Mönchengladbach gehörte bereits zu den Top-Adressen im deutschen Fußball. Vor Beginn des Spieles wurde sogar die deutsche Nationalhymne gespielt – das war damals auch eine Art Verbeugung vor dem Bundesligisten, hatte der doch mit den bereits erwähnten Netzer, Vogts, Wimmer, Laumen oder den Kremers-Zwillingen Spieler in ihren Reihen, die noch heute vielen Fußball-Fans ein Begriff sind.

Mit Spielern aus Schlangen, Marienloh Sennelager und Paderborn verstärkt

Der BVL hatte sich mit einigen Spielern aus Schlangen, Marienloh Sennelager und Paderborn verstärkt. Zum Stadion-Eröffnungskader zählten damals Manfred Baum, Herbert Bee, Reinold Bensiek, Gerd und Richard Birne, Klaus Emmighausen, Hans Finke, Hugo Fischer, Detlef Fregin, Friedhelm Lüning, Franz Meinholz, Arthur Moor, Franz Pagendarm, Klaus Pöhler, Horst Scherer, Paul Schröder, Karl-Heinz Sroka, Hans Tofall, William und Frank Wyatt.

Aber auch andere Vereine nutzten bis heute das satte Grün des Kurwaldstadions zu Vorbereitung – zumeist in Zusammenhang mit Spielen gegen den langjährigen Erst- und Zweitligisten SC Paderborn. Ob Borussia Dortmund, Hamburger SV, TSV 1860 München, FC St. Pauli oder SpVgg Greuther Fürth – sie alle trainierten schon in der Blumenstadt. Selbst Nationalmannschaften waren im Kurwald schon zu Gast: Die DFB-Damen-Nationalmannschaft war sogar mehrfach vor Ort. Auch 2013 – anschließend holte sie den EM-Titel. Die U 21-Nationalelf kennt sich im Kurwaldstadion ebenfalls bestens aus.

Zahn der Zeit nagt an den Stehplätzen

Nun wird die Spielfläche 50 Jahre alt. Zwar nagt der Zahn der Zeit in Form von Moosbewuchs und Wildrasen an den Stehplätzen, aber insgesamt werden Anlage und Rasen weiter gut gepflegt. Ob hier allerdings künftig weiter Landesligafußball gespielt wird, ist nicht absehbar. Auf jeden Fall aber am Tag nach dem Jubiläum: Am 15. April trifft der BVL im Heimspiel auf die SpVg Steinhagen.

Übrigens: Gut 40 Jahre nach dem Eröffnungsspiel kehrten die Borussen wieder ins Kurwaldstadion zurück. Der BVL trat am 11. Juli 2008 erneut an, verlor diesmal glatt mit 0:7. Grund des Gastspiels war ein Trainingslager der »Fohlen« in der Kurstadt. Eingefädelt hatte das Markus Gellhaus. Der »alte BVLer« stand damals als Co-Trainer von Jos Luhukay bei den Gladbachern unter Vertrag.

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