BSV Fürstenberg feiert sein 100-jähriges Bestehen
Kleiner Verein, großes Angebot

Fürstenberg -

Vor genau 100 Jahren waren die Startbedingungen für den BSV Fürstenberg nicht gerade besonders günstig für die Neugründung eines Sportvereins. Die Menschen an der Karpke waren von der Nachkriegszeit 1921 mehr als gebeutelt und durch viele Entbehrungen geprägt. Es fehlte an allem.

Mittwoch, 07.04.2021, 03:00 Uhr
Mit Anstand auf Abstand präsentiert sich der amtierende Jubiläums-Vorstand des BSV Fürstenberg, von links: Milena Norbel (Schriftführerin), Manuel Risse (2. Vorsitzender), Ulla Fischer (Vorsitzende), Uwe Glahe (Geschäftsführer) und Natalie Lücking (Kassiererin) Foto: Brigitta Wieskotten

Trikots, Bälle und Schuhwerk für die jungen Fußballspieler gab es nicht, aber genug Unternehmungsgeist und Mut, um einen normalen Spielbetrieb aufzunehmen. Die jungen Kicker waren einfach von dem Traum begeistert, endlich auch in Fürstenberg Fußball spielen zu können. „Not macht erfinderisch“ heißt es in einem alt-bekannten Sprichwort.

In der landwirtschaftlich-geprägten Gemeinde hatte man mit Butter, Speck, Brot und Eier eine stabile Währung, für die man im Tauschhandel schon allerhand Brauchbares bekommen konnte. Ältere Fürstenberger erinnern sich noch gut an die alten Erzählungen der Gründung des damaligen Sportvereins „Teutonia Fürstenberg“.

Landwirtschaft als stabile Währung

Als Transportmittel für die Mannschaft dienten damals Pferdewagen und/auch Fahrräder mit schlechter Bereifung auf den noch schlechteren Straßen. Später bestand die Möglichkeit für die Spieler, sonntags den Lastwagen von Kohlenhändler Gernand zu leihen. Natürlich erst, nachdem die Kohlenladung zuvor eigenhändig abgeschaufelt worden war. Dazu mussten die Spieler einen Arm voll Holz mitbringen, um den Holzvergaser, mit dem der Wagen betrieben wurde, zu befeuern. Die Mitglieder packen kräftig mit an, Idealismus und Opferbereitschaft wurden großgeschrieben

Dieser Sportverein existiert bis heute – mit einer kurzen Unterbrechung vom Winter 1921 bis zum Jahr 1928. Denn in dem Jahr schloss sich der Verein dem DJK-Sportverband Altenau an. Im gleichen Jahr wurde auch der damalige Sportplatz am Wasserplatz in Betrieb genommen.

Ulla Fischer erste Frau an der Spitze

Als erster Vorsitzender nach der Gründung lenkte Johann Schulte von 1921 bis 1928 die Geschicke des Fürstenberger Sportvereins „Teutonia Fürstenberg“. Ihm folgten mit Josef Coritzius (1928 bis 1941), Karl Ferlings (1946 bis 1947), Alfons Bohnenpoll (1947 bis 1951), Josef Herbst (1951 bis 1953 und 1956 bis 1969), Franz Coritzius (1953 bis 1955), Johann Henneken (1955 bis 1956), Felix Drüppel (1960 bis 1968), Rudolf Fischer (1968 bis 1974, Hans-Reiner Förster (1974 bis 1988), Prof. Dr. Gerhard Henkel (1988 bis 1991), Franz-Josef Herbst 1991 bis 1998, Dieter Böddeker (1998 bis 2000) und Walter Wiedenmann (2000 bis 2016) weitere ehrenamtlichen Führungskräfte des Fürstenberger Sportes. Seit 2016 steht mit Ulla Fischer zum ersten Mal in der langen Vereinsgeschichte eine Frau an der Spitze des BSV Fürstenberg.

Alle Vorsitzenden und ihre Vorstandsmitglieder zeigten ein hohes Maß an ehrenamtlichen Engagement für ihren Heimatort, brachten so erst den Verein „Teutonia Fürstenberg“ und später den „Ball-Spiel-Verein Fürstenberg“ (seit der Neugründung 1946 BSV Fürstenberg) auf eine sportlich-niveauvolle Schiene.

Als ab 1946 und damit ein Jahr nach dem Ende des 2. Weltkrieges von der alliierten Militärregierung nur Sportvereine zugelassen wurden, herrschte ein reges Vereinsleben. So konnte auch der BSV Fürstenberg in den warmen Sommertagen ein großes Pokalturnier mit acht Mannschaften auf die Beine stellen. Glaubhaften Überlieferungen nach waren etwa 3000 Zuschauer gekommen, die nach den schrecklichen Kriegswirren mit einer guten Stimmung für eine gut gefüllte Vereinskasse sorgten.

Der BSV-Fußballbereich etablierte sich 1947 mit sehr guten Leistungen und stieg unter Leistung des neuen Vorsitzenden Alfons Bohnenpoll mit der 1. Mannschaft in die 1. Kreisklasse auf. Dort konnte sich der BSV noch über Jahre hinaus einen guten Tabellenplatz sichern.

Auch bei den sogenannten Opferspielen für die Aktion „Kinder in Not“ nahmen die BSV-Kicker damals teil. Die Spieler, der BSV-Vorstand und die Gäste waren stolz darauf, dass bei dieser Aktion auf Kreisebene 5800 Reichsmark zusammen kamen.

Unter dem Vorsitzenden Felix Drüppel änderte 1963 der „Ball-Spiel-Vereins Fürstenberg“ nochmals seinen Vereinsnamen in den „Ballspielverein 1921 Fürstenberg“.

1965 wurde die Turnhalle der Realschule für die Öffentlichkeit freigegeben, bot so auch für die Fürstenberger SportlerInnen neue Angebote für Hallensportarten.

1971, innerhalb einer Sportwerbewoche zum 50-jährigen Jubiläum, standen im BSV- Festprogramm Vorträge der Mädchen und Frauen Hallensportarten in Fokus. Erstmals gab es im Festprogramm ein Frauen-Fußballspiel mit Spielerinnen aus Haaren und Kleinenberg. Im gleichen Jahr ging der Sportplatz an der Antonius-Kapelle, bisher noch in Besitz des Grafen von Westphalen, in städtisches Eigentum über. 1991 war es dem Vorsitzenden Franz-Josef Herbst zu verdanken, dass das BSV-Sportheim fertiggestellt und feierlich eingeweiht werden konnte.

Zehn Jahre später wurde zum ersten Mal auf dem Sportgelände in einer besonderen Feierstunde das Osterfeuer entzündet. So wurde die Verbundenheit der Sportler mit der Kirchengemeinde St.-Marien in den Fokus gestellt und seitdem jährlich wiederholt.

Die Mitgliederzahlen sprengten in dieser Zeit die Tausender-Grenze. Moderne Sportarten wie Wirbelsäulen-Gymnastik, Mini-Kicker, Leichtathletik, Männersport „Alles außer Fußball“, Ballspielgruppen, Zumba, Eltern-Kind-Gruppen, Radsport sowie eine Marathon-Sporttruppe wurden im BSV-Angebot eine Selbstverständlichkeit. Auch der Mädchen-Fußball nahm in dieser Zeit eine enorm positive Entwicklung.

In der außerordentlichen BSV-Generalversammlung im Januar 2016 wurde nach 16-jähriger Amtszeit von dem BSV-Vorsitzenden Walter Wiedenmann mit Ulla Fischer die erste Frau an die Vorstandsspitze des BSV Fürstenberg unter großem Beifall gewählt.

Die 1. und 2. Fußball-Damenmannschaft, die Mannschaft der AH, die B-, C-, E-, F-, G-Junioren, die Sportabzeichen-Abteilung, Fit-Mix, die Abteilungen Männersport, Volleyball, Badminton, die Radsportgruppe, Ballspiele und mehr, Kinderturnen, Eltern & Kind, Zumba, die Bienchen-Tanzgruppe und ein Yoga-Kursus sorgen seit Jahren für ein regelmäßiges BSV-Sportangebot.

Jubiläums-Sportfest im August

Die Vorsitzende Fischer und ihr Vorstandsteam teilten mit, dass bereits die Silvester- und Neujahrsfeier zum 100. Geburtstag des BSV wegen der Corona-Pandemie ausfallen mussten, ebenso der Neujahrsempfang 2021, das Sintfeld-Cup-Turnier, die BSV-Generalversammlung und das Osterfeuer. Die im vergangenen Jahr für den 28. März geplante Auftaktveranstaltung musste ebenfalls abgesagt werden und soll nun am 15. August im Rahmen des Sommerfestes stattfinden. Alle Hoffnungen setzen die große BSV-Familie und ihre Gäste nun in den Lauf in den Mai und das Jubiläums-Sportfest vom 13. bis 15. August mit dem anschließenden Sportabzeichen-Aktionstag am 17. August. Am 12. Dezember soll der Weihnachtsbasar starten.

Eine Schautafel beim Edeka-Markt Lange, die der Altvorsitzender Hans-Reiner Förster nach intensiver Eigenarbeit zusammengestellt hat, bietet allen einen umfassenden Überblick über den BSV Fürstenberg und seine 100-jährige Geschichte.

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