Trainer Emir Kurtagic und der Sportliche Leiter Rolf Hermann im großen Interview
„Wir haben vor niemandem Angst“

Lübbecke (WB). Endlich hebt sich der Vorhang: Für die Handballer des TuS N-Lübbecke geht es mit dem Auswärtsspiel beim ThSV Eisenach am Samstag nach langem Warten wieder um Zweitliga-Punkte. Trainer Emir Kurtagic und der Sportliche Leiter Rolf Hermann blicken im großen WB-Interview auf die gewinnbringende Vorbereitung zurück, loben die neue Mannschaft und formulieren selbstbewusste Ziele in der von Corona überschatteten Saison.

Donnerstag, 08.10.2020, 15:37 Uhr aktualisiert: 08.10.2020, 15:40 Uhr
Emir Kurtagic hat eine schlagkräftige Mannschaft um sich geschart. Der Trainer strebt in der am Samstag für den TuS N-Lübbecke beginnenden Zweitliga-Saison hohe Ziele an. Foto: Grohmann

 

Das erste Saisonspiel rückt näher. Herr Kurtagic, sind Sie zufrieden mit dem Leistungsstand Ihrer Mannschaft?

Emir Kurtagic: Ja, die Jungs haben sehr, sehr gut gearbeitet. Klar gibt es Höhen und Tiefen in einer so langen Vorbereitung, auch die Anzahl der Neuzugänge ist zu berücksichtigen. Es sind ja acht, neun neue Spieler gekommen. Dass das ein paar mehr Tage in Anspruch nimmt, ist klar. Wir haben aber eine gute Truppe zusammen, die bis jetzt intensiv gearbeitet hat. Die Lust auf Handball ist schon sehr, sehr präsent.

 

Bereits Mitte Juli ging es mit dem Training los. Welche Vorteile hat eine so lange Vorbereitung?

Kurtagic: Wir haben die Zeit ja nicht nur genutzt, um die Jungs tagtäglich vier, fünf Stunden in der Halle einzusperren, sondern haben das Pensum immer wieder entzerrt und Regenerationstage eingestreut. Ein Tag in der Woche war immer frei. Aufgrund des Spielausfalls gegen den HSV hatten wir jetzt noch ein Wochenende zusätzlich frei. Wenn man lange nicht in der Maschinerie Profi-Handball war, werden solche freien Tage dringender benötigt. Das sieht man allein daran, wieviele Ausfälle es am ersten Spieltag in der 1. Liga gegeben hat. Mit ein, zwei kleineren Verletzungen sind wir insgesamt gut durch die Vorbereitung gekommen.

Die ersten zwei, drei Spiele werden noch keine Überbelastung für Dominik Ebner bedeuten. Er ist in einer sehr, sehr guten Verfassung.

Emir Kurtagic zur Lage im rechten Rückraum nach der Baumgärtner-Verletzung

 

Einen schwerwiegenden Ausfall gibt es aber auch beim TuS: Mit Florian Baumgärtner wird ein fest eingeplanter Linkshänder mit seiner Schienbein-Problematik im Rückraum für unbestimmte Zeit fehlen. Für ihn wurde kurzfristig der Rumäne Bogdan Criciotoiu als Ersatz geholt.

Kurtagic: Die Problematik mit „Baumi“ ist vor einigen Wochen aufgekommen. Wir können zufrieden sein, mit Bogdan einen Spieler bekommen zu haben, der die nötigen Qualitäten mitbringt und schon in Deutschland gespielt hat. Für das Eisenach-Spiel jetzt schon etwas von ihm zu erwarten, wäre aber übertrieben. Er wird seine zwei, drei Wochen Eingewöhnungszeit brauchen. Die Jungs werden es ihm leicht machen. Aufgrund seines Alters und seiner Erfahrung glaube ich, dass er der Mannschaft helfen kann. In der Zwischenzeit haben wir im rechten Rückraum Dominik Ebner, der in einer sehr, sehr guten Verfassung ist. Die ersten zwei, drei Spiele werden noch keine Überbelastung für ihn bedeuten.

Die Vorbereitung war sehr aufschlussreich. Ich bin zufrieden, wie weit die Mannschaft ist. Alle Neuzugänge haben bewiesen, dass sie zurecht hier sind.

Emir Kurtagic über die Entwicklung der neuen TuS-Truppe

 

Hat sich ein Neuzugang in den Vordergrund spielen können? Wie beurteilen Sie die Vorbereitung, in der es neben starken Auftritten in Testspielen auch ein paar Niederlagen zu verkraften gab?

Kurtagic: Insgesamt war die Vorbereitung sehr aufschlussreich. Die Neuzugänge konnten ihre Rolle schnell finden, auch wenn sich noch nicht alles zu 1000 Prozent eingespielt haben kann. Jemanden herausheben kann ich nicht. Ich bin aber sehr zufrieden, wie weit die Mannschaft ist. Alle haben bewiesen, dass sie zurecht hier sind. Rolf Hermann: Man hat alle Facetten in der Zeit der Vorbereitung gesehen. Ich glaube, die Spieler können einschätzen, dass wir als Gemeinschaft stark sein können und auf der anderen Seite Probleme kriegen, wenn man von diesem Kurs abweicht. Ich bin aber überzeugt: Die lange Vorbereitung war sehr gewinnbringend für die weitere Entwicklung der Mannschaft.

Sein Wort hat in der Mannschaft Gewicht. Das hat Peter schon in der vergangenen Saison in schwierigen Situationen gezeigt.

Rolf Hermann über die Wahl von Peter Strosack zum Kapitän

 

Was hat für die Wahl von Peter Strosack zum neuen Kapitän gesprochen?

Kurtagic: Er ist ein Spieler, der seine Leistung – trotz der Höhen und Tiefen, die der TuS in den letzten Jahren durchgemacht hat – immer abgerufen hat. Ihm liegt sehr viel am Verein. Dazu kommt, dass wir acht, neun neue Spieler im Kader haben. Von diesen jemanden gleich zum Kapitän zu machen, ist schwierig. Peter hat gerade als Rechtsaußen einen anderen Blick aufs Ganze. Hermann: Ich glaube, dass sein Wort in der Truppe Gewicht hat. Die Worte, die er letzte Saison in schwierigen Situationen an die Mannschaft gerichtet hat, waren immer zielführend. Das war ein Mosaikstein für die Entscheidung, ihn zum Kapitän zu machen.

 

Welche Zielsetzung stecken Sie sich für diese schwierige Saison mit den Unwägbarkeiten der Corona-Pandemie im Hinterkopf?

Kurtagic: Ich will mich selbst in der besten Verfassung präsentieren und das Team bestmöglich auf eine ungewöhnliche Saison vorbereite. Wir haben noch nicht mal angefangen und es ist schon jetzt vieles anders als in der Vergangenheit. Man muss den Weg in dieser Saison mehr vorgeben. Wir dürfen uns nicht mit Sachen zu beschäftigen, die nicht in unserer Macht liegen, sondern müssen uns maximal auf unsere Aufgaben konzentrieren. Für die ganzen Dinge, die allein in den letzten Wochen passiert sind, finde ich es erstaunlich, wie zielorientiert und ehrgeizig die Mannschaft weiter gearbeitet hat. Es ist halt eine andere Vorbereitung, die uns aber wirklich auf die Saison vorbereitet hat.

Corona-Problematik hält die sportliche Leitung weiter in Atem

 

Nach der Absage des ersten Saisonspiels gegen den HSV wegen eines Corona-Falls beim Gegner steht nun endlich die erste Partie an. Was erhoffen Sie sich?

Kurtagic: Für Samstag in Eisenach erwarte ich einfach, dass wir brennen. Wir müssen Vorfreude auf das Spiel, auf die Saison haben. Man hat gerade zu Beginn der Corona-Krise vor Augen geführt bekommen, wie schnell so eine Geschichte wieder platzen kann, daher sollten wir das jetzt genießen und mit maximaler Leidenschaft an den Job rangehen. Hermann: Was sollen denn die Eisenacher sagen? Die wussten zu Wochenbeginn nicht einmal, ob sie bei dem Spiel Zuschauer reinlassen dürfen. Diese Nebenschauplätze sind unser Job und täglich Brot. Es ist gut, wenn man das von der Mannschaft fernhält. Ich würde mir wünschen, wenn sich die Spieler nach der langen Vorbereitung auf die Saison freuen und einfach ein Stück weit belohnen können. Es gibt nichts Schöneres, als nach so einer langen Pause wieder um Punkte zu kämpfen.

Die Saison wird eine Riesenherausforderung in allen Bereichen. Dass wir oben mitspielen wollen, ist kein Geheimnis.

Emir Kurtagic

 

Welche konkreten Ziele haben Sie sich gesteckt?

Kurtagic: Es ist nicht realistisch, über genaue Ziele zu reden. Die Saison wird eine Riesenherausforderung in allen Bereichen, sowohl sportlich als auch organisatorisch. Dass wir oben mitspielen wollen, ist kein Geheimnis. Wir haben die Mannschaft nach bestem Wissen und Gewissen zusammengestellt – in der Hoffnung, dass wir um die Aufstiegsplätze mitspielen können. Das ist aber Stand heute noch so weit weg. Die Überzeugung zu ent­wickeln, dass die Saison überhaupt zu Ende gespielt wird, fällt ja schon schwer. Wir haben die Ziele intern mit der Mannschaft geklärt. Ohne arrogant oder übermütig zu sein, glaube ich schon, dass wir eine Mannschaft haben, die sich nicht verstecken braucht. Wichtig ist, dass wir einen deutlich besseren Start hinlegen als vor einem Jahr. Wir haben vor keinem Gegner Angst, aber wir müssen unsere 36 Schritte bis zum Ziel erstmal machen, und zwar einen nach dem anderen.

Jetzt ist noch nicht der Zeitpunkt, über konkrete Ziele zu sprechen, aber natürlich sehe ich uns im Endeffekt auch mit da oben.

Rolf Hermann

 

Wen erwarten Sie von den anderen Teams oben?

Kurtagic: Ganz ehrlich: Wir sind gut beraten, uns auf uns zu konzentrieren. Ich erwarte uns da oben. Das ist das, was ich sagen kann. Über andere Mannschaften will ich nicht reden. Die 2. Liga ist hart und gefährlich. Corona-Ausfälle, Verletzungen und der Spielplan – das alles kann am Ende eine Rolle spielen. Wir sind gut beraten, uns auf uns zu konzentrieren und das Ziel im Auge zu behalten. Ich hoffe, dass wir gegen jeden Gegner zweimal spielen dürfen. Hermann: Jetzt ist noch nicht der Zeitpunkt, um über konkrete Ziele zu sprechen, aber natürlich sehe ich uns im Endeffekt auch mit da oben. Wir sind gut beraten, uns Etappenziele zu setzen. Das heißt jetzt: erst einmal in Eisenach bestehen. Ansonsten hoffe ich, dass alle Teams gesund durch die Saison kommen. Sonst wird es hinten raus für die Liga eng. Ich freue mich tierisch drauf, dass wir am Samstag nach Wochen und Monaten der Ungewissheit und einer langen Vorbereitung endlich wieder in die Halle können.

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