Rückraum-Ass glaubt nicht an Saison-Fortsetzung, hält sich aber in Karlsruhe weiter fit
Spohn wirft jetzt auf die Hauswand

Karlsruhe (WB). Zurück in der Heimat: Valentin Spohn hat sich nach der Saisonunterbrechung kurzerhand wieder bei seinen Eltern in ­Karlsruhe einquartiert. Hier wird er wohl auch die nächsten Wochen verbringen. Der Handballer des TuS N-Lübbecke glaubt nämlich nicht daran, dass der Spielbetrieb in der laufenden Zweitliga-Serie noch einmal aufgenommen werden kann. „Ich gehe von einer monatelangen Pause aus”, betont der 22-Jährige.

Samstag, 04.04.2020, 09:00 Uhr
Auf dem Weg zum Tor ist Valentin Spohn nur schwer zu stoppen, wie der Rückraumspieler in dieser Saison oft genug unter Beweis gestellt hat. Das Corona-Virus verhindert aber, dass er derzeit seiner Lieblingsbeschäftigung – das Torewerfen – nachgehen kann. Foto: Oliver Krato

In der vergangenen Woche hatte auch der TuS N-Lübbecke für seine Profi-Mannschaft Kurzarbeit beantragt. Die Handballer sind seitdem selbst für die Erhaltung ihrer Fitness verantwortlich, der Trainingsbetrieb beim Zweitligisten ist ausgesetzt. Aufgrund der deutschlandweit geltenden Kontaktbeschränkungen hätte Spohn, wäre er in seiner Wohnung in Lübbecke geblieben, eine extrem einsame Zeit bevorgestanden.

Ich kann in Karlsruhe in der Praxis meines Bruders mit integriertem Fitnessraum trainieren. Da bin ich in einer ziemlich glücklichen Lage.

Valentin Spohn über die guten Bedingungen in der Heimat

„Zwischendurch hat man sich mit dem ein oder anderen Teamkollegen getroffen und ist durch die Stadt spaziert – natürlich mit dem vorgeschriebenen Abstand”, berichtet Spohn von den ersten Tagen der Corona-Auszeit. Nach der TuS-Entscheidung, die Spieler hundertprozentig auf Kurzarbeit zu setzen, um die Betriebskosten in der Liga-Pause zu senken, machte sich „Valle“ aber auf den Weg nach Hause – auch weil er in Karlsruhe beste Bedingungen vorfindet, um sich trotz Alltagsbeschränkungen fit zu halten: „Ich bin in einer ziemlich glücklichen Lage: Mein Bruder betreibt hier eine Physiotherapie-Praxis mit integriertem Fitnessstudio. Das kann ich nutzen”, berichtet er.

Ein bisschen Spaß muss sein: „Valle“ Spohn beim Training – mit einem Gruß in seine Zweitheimat Lübbecke.

Ein bisschen Spaß muss sein: „Valle“ Spohn beim Training – mit einem Gruß in seine Zweitheimat Lübbecke. Foto: privat

Trainer Emir Kurtagic muss sich um die Form seines Rückraum-Shooters somit keine Sorgen ­machen. „Es gab schon Tage, an denen ich drei bis vier Stunden trainiert habe”, so Spohn, der die Corona-Pause bestmöglich nutzen will. “Physisch wird mich die Auszeit vielleicht sogar nach vorne bringen”, mutmaßt der Spieler, der seinen Vertrag beim TuS kürzlich um zwei Jahre bis 2022 verlängert hatte und als Hoffnungsträger für die Zukunft gilt.

Noch kein Mittel gegen die „Entzugserscheinungen” gefunden

Gegen die Entzugserscheinungen in handballerischer Hinsicht hat aber auch Spohn noch kein Mittel gefunden. „Am meisten vermisse ich es, den Ball aufs Tor zu werfen. Ich will nicht wissen, wie unsere Schultern in einigen Monaten aussehen werden”, scherzt der Torjäger a.D., der sogar schon überlegt hatte, sich eine Sporthalle zu mieten – nur um allein auf die Bude zu werfen. „Das ist aber nicht erlaubt. Vielleicht klebe ich demnächst einfach einen Tapestreifen auf die Hauswand und werfe dann da drauf. Ein paar Bälle habe ich noch im Keller.”

Ansonsten macht Spohn das Beste aus der aktuell angespannten Lage. Die Decke ist ihm jedenfalls noch nicht auf den Kopf gefallen. „Bisher gibt es noch genug für mich zu tun. Ich habe ja schon zweimal ein Studium angefangen und abgebrochen. Einen dritten Versuch starte ich lieber erstmal nicht”, lacht Spohn – auch in der Hoffnung, dass möglichst schnell wieder ein Stück Normalität in den Alltag einkehren kann. „Deutschland geht bisher schon unheimlich gut mit der Situation um”, findet der Spieler.

Die Zeit mit der Mannschaft fehlt mir. Das ist ja wie eine Familie.

Valentin Spohn über den Trainingsstopp beim TuS N-Lübbecke

Doch wie geht’s in der 2. Liga weiter? Spohn ist hinsichtlich einer Saison-Fortsetzung skeptisch. Er glaubt eher nicht daran, zumal einige Vereine sich bereits vehement gegen ein mögliches Szenario mit Geisterspielen ausgesprochen haben. Den ­ TuS N-Lübbecke würde es um die Chance berauben, die starke Rückrunde fortzusetzen. Mit fünf Siegen aus sechs Spielen hatte sich das Team 2020 in der Spitzengruppe in eine gute Position gebracht.

Corona kam dazwischen. Spieler und Fans müssen sich nun noch länger in Geduld üben. Spohn, als kommunikativer Typ bekannt, hält derweil aus Karlsruhe den Kontakt zu seinen Teamkollegen. „Die Mannschaft ist ja wie eine Familie. Die gemeinsame Zeit auch beim Training fehlt einem schon sehr”, sagt Spohn. Zurzeit bleibt ihm nur der Fitnessraum als Ersatzbeschäftigung – und über kurz oder lang wohl doch die Hauswand.

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