TuS-Trainer Emir Kurtagic hofft in der Rückrunde auf mehr Konstanz bei seinem Team „Zwischen den Extremen“

Lübbecke (WB). Höhen und Tiefen hat der Handball-Zweitligist TuS N-Lübbecke im ersten Saisonteil durchlebt. Dem durchaus ordentlichen Auftakt mit 5:3 Zählern folgte eine Serie mit drei Niederlagen, durch die die Rot-Schwarzen auf Rang 15 abrutschten. Danach aber ging es bergauf. Leistungen und Ergebnisse stabilisierten sich, Rückschläge wie zuletzt in Rimpar blieben dennoch nicht aus. So ist es keineswegs verwunderlich, dass TuS-Trainer Emir Kurtagic im Gespräch mit unserem Redakteur Hans Peter Tipp ehrlich bilanziert: „Wir bewegen uns weiterhin zwischen den Extremen.“

Voll engagiert beim Neuaufbau des TuS N-Lübbecke: Trainer Emir Kurtagic gibt seit dem Sommer bei den Rot-Schwarzen die Kommandos.
Voll engagiert beim Neuaufbau des TuS N-Lübbecke: Trainer Emir Kurtagic gibt seit dem Sommer bei den Rot-Schwarzen die Kommandos. Foto: Oliver Krato

20:16 Punkte, Tabellenplatz sieben nach dem ersten Saisonabschnitt: Herr Kurtagic, sind Sie mit dieser Zwischenbilanz zum Jahresende zufrieden?

Emir Kurtagic: Insgesamt gesehen sind wir sicherlich drei oder vier Punkte hinter dem zurückgeblieben, was für uns möglich gewesen wäre und mich damit auch ein bisschen glücklicher gemacht hätte. Nimmt man aber die Tabellensituation weg, dann gibt es sicherlich auch einige positive Dinge, die man aus der Hinrunde mitnehmen kann. Natürlich ist uns aber auch deutlich gemacht worden, was wir verbessern müssen, um nach der EM-Pause noch etwas erfolgreicher zu sein als bislang.

Woran müssen Sie besonders arbeiten?

Kurtagic: Wir haben Nachholbedarf im Angriffsspiel. Das meine ich aber nicht in taktischer Hinsicht. Wir müssen im individuellen Bereich bessere Entscheidungen treffen. Ganz ehrlich: Uns hat es in diesem ersten halben Jahr sehr oft das Genick gebrochen, dass wir zu häufig zu viele freie Bälle liegengelassen haben. Ich denke, dass wir in vielen Spielen gut gespielt haben, uns aber selbst das Leben extrem schwer gemacht haben.

Haben Sie eine Begründung dafür?

Kurtagic: Auf die Schnelle würde ich sagen, es ist eine Sache der Konzentration und der absoluten Fokussierung. Aber natürlich spielen der situative Druck und die Psyche auch eine große Rolle. Nichtsdestotrotz kann ich meinen Jungs keinen Vorwurf machen, dass sie es nicht wollen. Fakt ist jedoch, dass wir in den genannten Bereichen Schwächen gezeigt haben und wir uns als Mannschaft damit auseinandersetzen müssen.

Womit waren Sie zufrieden im ersten Saisonabschnitt. Was hat Ihnen besonders gut gefallen?

Kurtagic: Auch wenn das letzte Auswärtsspiel verloren gegangen ist: Auswärts haben wir einen sehr stabilen Eindruck hinterlassen. Wir haben bei Spitzenmannschaften wie Bietigheim, Essen und bei einer bis dahin vor eigenem Publikum ungeschlagenen Eisenacher Mannschaft, aber auch nach einem Siebentorerückstand zur Halbzeit in Dresden unsere Aufgaben gut gelöst. Gerade auswärts haben wir extrem reif gewirkt, fast ruhiger als in eigener Halle. Ich denke, dass wir über die Hinrunde gesehen mit unserer Abwehrarbeit zufrieden sein können. Wir haben in der Hinrunde die zweitbeste Abwehr der Liga gestellt (Gummersbach hat in der Hinrunde ein Tor weniger kassiert), und sie ist definitiv die Grundlage unseres Spiel, auf der wir jetzt weiter aufbauen können. Man sieht daran, dass wir uns weiterhin zwischen den Extremen bewegen. Jetzt gilt es, an Konstanz zuzulegen, das aufrechtzuhalten, was wir bislang super gemacht haben, und das besser, was weniger gut gelaufen ist.

Stichwort Konstanz: Ist es das, was die aktuellen Spitzenmannschaft dem TuS momentan voraushaben?

Kurtagic: Bei Coburg muss man sagen, dass sie diese Konstanz besitzen – vor allem zuhause. Da haben sie in neun Spielen 18 Punkte gesammelt. Deshalb stehen sie auf Platz eins. Bei den anderen Mannschaften ist es ähnlich wie bei uns. Auch sie haben schon geschwächelt. Wir haben uns aber zwei, drei Ausrutscher mehr erlaubt.

Was ist für den TuS noch drin im zweiten Saisonabschnitt?

Kurtagic: Damit sollten wir uns gar nicht beschäftigen und uns auch nicht mit irgendwelchen Aussagen belasten. Ich glaube, dass wir uns in allen Segmenten weiter steigern können. Die Situation ist doch eindeutig: Wir sind sechs Punkte hinter einem Aufstiegsplatz. Von mehr zu träumen? Warum nicht? Das sollten wir schon. Träumen ist erlaubt. Aber das Wichtigste ist, eine gewisse Kon­stanz in unser Spiel zu bekommen, uns zu stabilisieren und uns öfter von unserer besseren Seite zu präsentieren. Gelingt uns das, werden wir eine wesentlich bessere Rückrunde spielen.

Wie gut muss die Rückrunde laufen, damit sie zufrieden sind?

Kurtagic: Grundsätzlich bin ich zufrieden, wenn ich das Gefühl habe, dass meine Mannschaft alles gegeben hat, wenn die Spieler mit der richtigen Einstellung ins Spiel gehen und ich nach dem Spiel sehe, dass sie nicht mehr geben konnten. Deshalb möchte ich das nicht an Toren oder Punkten festmachen. Ich bin aber optimistisch, denn ich kann mir kaum vorstellen, dass wir schlechter werden. Im Gegenteil: Wir werden von Tag zu Tag besser werden.

Der TuS ist auch mit dem Ziel in diese Saison gegangen, die eigenen Zuschauer wieder für den Handball zu begeistern, wieder Spaß bei den Heimspielen zu entwickeln. Finden Sie, dass das bislang gelungen ist?

Kurtagic: Teils, teils. Wir hatten durchaus einige Phasen, in denen Mannschaft und Zuschauer eine Einheit gebildet haben. Aber wir hatten auch einige Spiele, wo eine gewisse Lethargie spürbar war – sowohl bei den Zuschauern, aber auch bei der Mannschaft. Eines muss uns für die Rückrunde klar sein: Wir brauchen unsere Zuschauer und müssen sie mit ins Boot nehmen. Wir sehen es ja, wenn wir auf Reisen sind. Dresden, Aue, Rimpar: Egal, wo wir spielen, alle haben extreme Unterstützung durch ihre Zuschauer. Wir müssen jetzt dafür sorgen, dass Heimspiel für uns keine Hemmung sind, sondern dass wir uns darauf freuen. Ich glaube zwar, dass wir als Mannschaft den ersten Schritt machen müssen. Aber die Lübbecker haben schon gezeigt, dass sie hinter dieser Mannschaft stehen und unser achter Mann sein zu wollen. Und ich bin mir ganz sicher, dass wir noch viele spannende Spiele sehen werden, in denen für uns die Gelegenheit besteht, es besser als in der Hinrunde zu machen.

Die Rückrunde beginnt mit Heimspielen im Doppelpack: Wie wichtig können die Begegnungen am 31. Januar gegen Emsdetten und am 7. Februar gegen Coburg sein für den weiteren Saisonverlauf?

Kurtagic: Extrem wichtig. Emsdetten zum Auftakt ist kein leichtes Spiel, aber von der Tabellensituation her müssen wir gewinnen. Man darf aber nicht vergessen, dass Emsdetten tief im Abstiegskampf steckt und sicherlich nicht als Punktelieferant antreten will. Danach kommt der Spitzenreiter aus Coburg. Dieses Spiel kann für uns ein kleiner Fingerzeig sein, ob wir die Saison noch mal richtig spannend machen können. Im Erfolgsfall sind wir danach nicht davon abhängig, wer für uns spielt, sondern könnten es selbst in die Hand nehmen, uns Schritt für Schritt nach oben zu arbeiten.

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