Rollstuhlbasketball
Rahden glänzt und verliert

Rahden -

Beinahe hätte es zum ganz großen Wurf in der Rollstuhlbasketball-Bundesliga gereicht. Die Baskets 96 Rahden hatten die 72 Spiele in Serie ungeschlagenen Tabellenführer der Thuringia Bulls lange Zeit am Rande der Niederlage, ehe sich der Seriensieger doch noch (irgendwie) durchsetzen konnte.

Montag, 22.02.2021, 18:48 Uhr aktualisiert: 22.02.2021, 18:50 Uhr
Rahdens Trainer Josef Jaglowski stand mit seinen Rahdener Baskets vor einem Überraschungssieg in der Bundesliga. Foto: Ingo Notz

„Mit Rahden kommt die dritte Macht der Rollstuhlbasketball-Bundesliga in die Osterlange.“ So stand es im Vorbericht der Bulls geschrieben. Dass dies nicht einfach warme Worte des Anstands wegen waren, sondern gebührender Respekt, wurde von Beginn an eindrucksvoll von den Baskets 96 unterstrichen. Beim 10:9 hatten die Gäste die erste Führung inne, weil Mustafa Korkmaz mit zwei Dreiern binnen 27 Sekunden für einen 6:0-Lauf gesorgt hatte. Ein ohnehin wieder einmal herausragender Auftritt von Rahdens Spielmacher, der bereits zur Pause satte 19 Punkte auf dem Konto hatte. Die heimischen Korbjäger waren durch ihn richtig drin in der Partie und zogen durch „Mus“ sowie Tom Smith und Quinten Zantinge von 16:13 auf 23:13 davon. Eine zweistellige Führung beim großen Favoriten, die auch beim 35:25 Mitte des zweiten Viertels noch Bestand hatte. Ein kurioser Vorsprung, denn die Bulls hatten mit 62 Prozent die deutlich bessere Trefferquote gegenüber Rahden (53 Prozent). Doch die Baskets zwangen den Serienmeister zu Fehlern, hatten bereits zu diesem Zeitpunkt drei Steals geholt und setzten die Thüringer derart unter Druck, dass diesen gleich sieben leichte Ballverluste erlaubten. Rahden nutzte das Momentum, nach Korkmaz’ drittem erfolgreichem Dreier bei drei Versuchen betrug der Vorsprung sogar 15 Punkte (44:29). Unmittelbar vor Pause dann allerdings bittere Sekunden für die Baskets 96: Erst sorgte Bulls-Akteur Jens Albrecht im Fallen für einen Zauberkorb, dann holte sich Aliaksandr Halouski beim vergebenen Freiwurf den Rebound und traf ebenfalls inklusive Foulspiel. Mit dem verwandelten Freiwurf sorgte Halouski für einen 5:0-Lauf - in nur zwei Sekunden! Und dennoch: Es ging mit einem sensationellen 46:36 für Rahden in die Halbzeit.

In dieser schienen in der Kabine der Bulls deutliche Worte gefallen zu sein, denn die Gastgeber kamen mit einem Blitzstart aus der Kabine. Ehe sich die heimischen Korbjäger versahen, lagen sie nach einer 2:13-Serie plötzlich mit 48:49 in Rückstand. Doch wer nun damit rechnete, dass sich das Spiel immer mehr in Richtung des Favoriten verschieben sollte, sah sich getäuscht. Rahden blieb dran und lies die Bulls nicht weiter als drei Punkte davonziehen. Nach dem Ende des dritten Viertels stand ein 56:57 aus Baskets-Sicht auf der Anzeigetafel. Zehn Minuten waren sie also noch entfernt von der Sensation, das wusste auch Spielmacher Korkmaz. „Mus“ ergriff daher in der letzten Viertelpause das Wort, tippte sich mit der Zeigefinger an die Stirn und ermahnte seine Mitspieler damit, mit Köpfchen und clever zu agieren. Gesagt, getan. Rahden zeigte sich in der Abwehrarbeit konzentriert und war vorne immer wieder durch Korkmaz und Bandura erfolgreich. Der Center traf zur 58:57- sowie 60:59-Führung, der Spielmacher legte zum 64:61 nach. Und da waren nur noch fünf Minuten zu spielen. Die „Crunchtime“, wie es im Basketball so gern umschrieben wird. Genau da fühlen sich aber nun mal die großen Teams besonders wohl. Zu sehen in den kommenden Augenblicken, als die Thuringia Bulls in nur zwei Minuten aus dem Drei-Punkte-Rückstand eine Sieben-Punkte-Führung machten (71:64).

Die Vorentscheidung in einem packenden Spitzenspiel, das den Vorschusslorbeeren mehr als gerecht wurde. Zwar reichte es für die Baskets 96 Rahden nicht zur Sensation, aber „stolz können die Jungs trotzdem auf ihre Leistung sein“, sagte Trainer Josef Jaglowski unmittelbar nach Spielende. Und legte zugleich den großen Respekt für die Thuringia Bulls nach: „In den entscheidenden Momenten ist dieses Team einfach immer wieder zur Stelle. Unglaublich, diese Willens- und Nervenstärke.“ Auch Spielmacher Korkmaz analysierte den überragenden Auftritt seiner Mannschaft ähnlich: „Wir waren ganz nah dran an dem großen Wurf. Eigentlich kann man gar nicht so wirklich sagen, woran es letztlich gescheitert ist. Aber das zeichnet Teams wie die Bulls eben aus.“

Die Punkte für die Baskets 96 Rahden erzielten: Mustafa Korkmaz (25), Krzysztof Bandura (20), Thomas Smith (12), Quinten Zantinge (9), Krzysztof Kozaryna (6), Tarik Cajo, Elvis Fakic, Carl Fritzell, Kallum Stafford und Konstantinos Tsatsoulis.

 

 

 

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