WESTFALEN-BLATT-Serie Sportgeschichte(n), Folge 4: TuS Schwarz-Weiß Wehe
Immer schon gut vereint

Wehe (WB). Eigentlich wollte der TuS SW Wehe an diesem Wochenende den 100. Vereinsgeburtstag feiern. Die Vorbereitungen liefen auf Hochtouren, das Jubiläumsjahr war mit dem Freundschaftsspiel gegen den TuS N-Lübbecke gebührend eingeläutet worden. Doch dann kam Corona, und so mussten das für diese Woche vorgesehene Sportfest und die dort vorgesehenen Jubiläumsfeierlichkeiten verschoben werden.

Freitag, 10.07.2020, 10:52 Uhr aktualisiert: 10.07.2020, 10:54 Uhr
Nur sieben Jahre nach der Gründung der Abteilung werden die Handballer im Jahr 1934 Kreismeister. Für diesen Erfolg sorgen (von links) Fritz Detering, Karl Dreier, Wilhelm Kröger, Willi Sprado, Willi Schwarze, Karl Piening, Heinrich Dreier, Heinrich Herkens, Karl Bockhorn, Heinrich Aebker und August Löhr. Foto: TuS SW Wehe

Wie bei dem bis heute sehr familiär gebliebenen Klub, der inzwischen mehr als 1000 Mitglieder im wahrsten Sinne des Wortes vereint und wohl wie kein Zweiter den Ruf des „Handball-Dorfes“ bis weit über die Grenzen Ostwestfalen-Lippes hinaus getragen hat, alles angefangen hat, darauf blicken wir im vierten Teil unserer Serie Sportgeschichte(n) zurück.

Treibende Kraft Wilhelm Fangmeier

Im Gründungsjahr des Sportvereins spürte man in Wehe noch die Nachwehen des Ersten Weltkrieges. Trotzdem oder vielleicht gerade deshalb entschlossen sich einige Männer des Dorfes, im Sommer 1920 einen Sportverein zu gründen. Die treibende Kraft war wohl Wilhelm Fangmeier, der bis dahin dem Rahdener Turnverein 1909 angehörte. Er und der 1. Vorsitzende des neu gegründeten Vereins, Wilhelm Hollendieck, setzten sich unter schwierigen Bedingungen für ein reges Vereinsleben ein. Beide haben sich auch um die Weiterentwicklung des Sportvereins verdient gemacht.

Wilhelm Fangmeier übernahm seinerzeit den Posten des Kassierers, Schriftführer war Wilhelm Lehde. Weitere Mitbegründer des Vereins waren Heinrich Aepker, Karl Bockhorn, Heinrich Büsching, Fritz Detering, Karl Dreier, Wilhelm Henne, Heinrich Herkens, August Löhr, Heinrich Piening, Karl Piening, Heinrich Rümke, Hermann Schlottmann, Wilhelm Schwarze, Heinrich Siekmeier und Wilhelm Sprado. Der neue Verein hieß Union Wehe, und zunächst wurde nur Fußball gespielt. Das Vereinslokal war bei dem Gastwirt Wilhelm Tacke in Wehe. 1922 begann dieser mit dem Bau eines Saales mit Bühne.

1924 wurde der Fußball in Wehe eingestellt

Sportplätze gab es zu dieser Zeit in kaum einem Dorf, das galt auch für Wehe. Da aber wie in anderen Vereinen zunächst nur Fußball gespielt wurde, genügte eine Wiese als Sportplatz. Verschiedene Wiesen und der heutige Schützenplatz, für den eine Jahrespacht von 20,- RM an den Bauern Döpke, Wehe 1, gezahlt werden musste, dienten als Spielfläche. Im Jahr 1924 wurde der Fußballsport eingestellt. Die Gründe dafür sind leider nicht bekannt. Um die Wiederaufnahme des Sportbetriebes im Jahre 1925 bemühte sich besonders der Lehrer Heinrich Büsching. Durch die Gründung einer Turnabteilung, zu der sowohl eine Männer- als auch eine Frauenriege zählten, gab er dem Vereinsleben neuen Auftrieb.

Handballer starteten 1927

Wie groß der Zusammenhalt und der Idealismus der Menschen in der damaligen Zeit war, zeigt sich darin, dass man aus eigenen Mitteln einen Barren aus Nordel kaufte, der in Tackes Saal aufgestellt wurde. Als 1927 auch eine Handballabteilung gegründet wurde, entstand der heutige Name des Vereins: „Turn- und Sportverein Schwarz-Weiß 1920 Wehe“. Neben der Turnabteilung, die sich sofort dem „Deutschen Turnerbund“ anschloss, wurden Handball und Leichtathletik eingeführt. Die Handballmannschaft gehörte schon bald zu den führenden Mannschaften im Kreis Lübbecke und wurde 1934 Kreismeister.

Schon damals erkannte die Vereinsführung, dass die Breitenarbeit für die Weiterentwicklung auf gesunder Grundlage von großer Bedeutung war. Die Erfolge der Sportler in den leichtathletischen Wettkämpfen wiesen den rechten Weg, obwohl den Turnern, Handballern und Leichtathleten zur Ausübung ihrer sportlichen Betätigung nur der Saal im Gasthaus Tacke bzw. die heutige Schützenwiese zur Verfügung standen. Das Gasthaus war seinerzeit auch Vereinslokal. Bereits in den ersten Jahren nach der Gründung des Sportvereins zeigte sich unter den Sportlern ein großes Zusammengehörigkeitsgefühl. Das belegen die vielen Ausflüge, die zu der damaligen Zeit unternommen wurden.

Drei Jahre Verhandlungen für einen Sportplatz

Ab 1930 bemühte sich die Gemeinde um die Beschaffung eines Spiel- und Sportplatzes bei der Schule. Der Gastwirt Wilhelm Tacke und der Landwirt Wilhelm Windhorst (25) wollten im Bereich der Weher Schule Land verkaufen. Etwa drei Jahre zogen sich die Verhandlungen hin, bis schließlich eine Fläche von etwa einem Morgen (2500 qm), die unmittelbar an die Schule grenzte, zu einem Preis von 1,60 RM pro Quadratmeter erworben wurde. Dieser Platz diente sowohl als Sportstätte als auch als Pausen- und Spielplatz der Volksschule Wehe bis 1966. Das von Windhorst angebotene Landstück konnte die Gemeinde wegen der finanziell schlechten Lage leider nicht kaufen. Ebenfalls 1930 wurde trotz großer wirtschaftlicher Not die Laienspielgruppe des Weher Sportvereins gegründet. Es war damals eine schwere Zeit, über 5 Millionen Menschen waren ohne Arbeit und täglich verloren viele mehr ihren Arbeitsplatz. Anlass zur Gründung war wohl die Auflösung der Theatergruppe des damals gemischten Weher Sängerchores. Einige interessierte Mitglieder des Vereins riefen die Laienspielgruppe ins Leben, die erste in einem Sportverein, was bis dahin ungewöhnlich war.

Als der 2. Weltkrieg ausbrach, ging der Sportbetrieb zunächst noch unter dem Vorsitzenden Heinrich Rümke (bei 1) weiter, bis dann 1940 er und mit ihm fast alle Männer des Dorfes zum Kriegsdienst einberufen wurden. Seitdem ruhte nun auch in Wehe jede sportliche Tätigkeit.

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