Aktueller Tabellenstand bindend – TTC Rahden damit aus der Landesliga abgestiegen
Saison-Aus kostet den Klassenerhalt

Frankfurt/Minden (WB). Der DTTB hat eine Grundsatz-Entscheidung getroffen: Die Tischtennis-Saison ist in allen Spielklassen, von der Bundesliga bis zur untersten Kreisklasse, mit sofortiger Wirkung beendet. Über Auf- und Abstieg entscheidet der letzte gültige Tabellenstand. Das schafft einige Härtefälle – wie den TTC Rahden. „Stand jetzt gehe ich davon aus, dass wir abgestiegen sind“, sagt Karsten Grundmann, Kapitän des Landesliga-Vorletzten.

Mittwoch, 01.04.2020, 19:48 Uhr aktualisiert: 01.04.2020, 19:50 Uhr
Tischtennis-Frust: Karsten Grundmann muss mit dem TTC Rahden die Landesliga verlassen. Die Mannschaft ist aktuell Vorletzter, der zuletzt gültige Tabellenstand soll nach dem DTTB-Beschluss über das sofortige Saisonende für Auf- und Abstiegsfragen relevant sein. Foto: Ingo Notz

Persönlich begrüße ich die jetzt getroffene Entscheidung des DTTB. Es macht keinen Sinn, die Saison immer weiter nach hinten zu verschieben.

Harald Wiese, Kreisvorsitzender Minden-Lübbecke

Harald Wiese, Vorsitzender des Tischtennis-Kreises Minden-Lübbecke, kündigte derweil an, ­ einige Flexibilität in Auf- und Abstiegsfragen walten lassen zu wollen. „Es wird viele Teams im Graubereich geben, wo man genau hinschauen muss“, so Wiese, der sich über das Ende der wochenlangen Hängepartie freut. „Persönlich begrüße ich die jetzt getroffene Entscheidung des DTTB. Es macht in meinen Augen keinen Sinn, die mögliche Saison-Fortsetzung immer weiter nach hinten zu verschieben“, sagt Harald Wiese.

Auch wenn es das Datum nahelegen konnte: Es handelte sich bei der Meldung aus Frankfurt gestern nicht um einen Aprilscherz. Die Spielzeit 2019/2020 ist für den gesamten Mannschaftsspielbetrieb in Deutschland beendet. Zu der Entscheidung waren der DTTB und seine 18 Landesverbände in einer Telefonkonferenz bereits am Dienstagabend gekommen. Die Tabelle zum Zeitpunkt der jeweiligen Aussetzung der Spielzeit wird als Abschlusstabelle gewertet. Der heikelste Punkt der Abmachung wird zu Diskussionen führen.

Regelung zu Auf- und Abstieg erzeugt Härtefälle

Die in den Abschlusstabellen auf den Auf- und Abstiegsplätzen befindlichen Mannschaften steigen auf bzw. ab. Der DTTB und die Landesverbände entscheiden individuell, wie Mannschaften berücksichtigt werden, die sich zum Zeitpunkt des Aussetzens Mitte März auf den Relegationsplätzen befinden. Ihre Entscheidungen darüber wollen die beteiligten Verbände kurzfristig einzeln erarbeiten und veröffentlichen. An den Vorgaben und Terminen der Wettspielordnung zur Planung der Saison 2020/2021 wird zum jetzigen Zeitpunkt festgehalten.

Kreisvorsitzender Harald Wiese begrüßt das Saisonende.

Kreisvorsitzender Harald Wiese begrüßt das Saisonende. Foto: Notz

„Wir bedanken uns herzlich für den sehr angenehmen und konstruktiven Austausch bei der Telefonkonferenz zu diesem wichtigen und komplexen Thema“, sagt Heike Ahlert, Vizepräsidentin Leistungssport des Deutschen Tischtennis-Bundes, die die Sitzung geleitet hatte. „Für diese Krisensituation konnte es keine einfache Lösung geben, die allen gerecht wird.“ Auch in zwei weiteren Punkten seien sich alle Gesprächsteilnehmer einig gewesen: Die Fortsetzung des Spielbetriebs wird in absehbarer Zeit nicht möglich sein. Und: Die Vereine sollten so schnell wie möglich Planungs­sicherheit für die jetzige und die kommende Spielzeit haben. „Es hätte wohl niemand verstanden, wenn wir eine Aussetzung immer weiter verlängert hätten, insbesondere vor dem Hintergrund, dass eine Wiederaufnahme zu extremen Terminproblemen geführt hätte“, erklärt Ahlert.

DTTB-Präsident Michael Geiger lobte die erfolgreiche Umsetzung der von allen Seiten gewünschten bundeseinheitlichen Lösung für die Saison 2019/2020. „Ein Trainer würde stolz sagen: ‚Das war eine geschlossene Mannschaftsleistung.‘ In dieser Krisensituation haben alle an einem Strang gezogen – von der Entwicklung vieler Vorschläge für den Spielbetrieb in dieser Saison bis zur gestrigen Entscheidung.“ 36 Seiten in Punktgröße zehn war die Zusammenfassung aller Vorschläge lang.

Harald Wiese will Teams in „Grauzone“ entgegenkommen

Einige Landesverbände hatten zuvor bei ihren Bezirken und Kreisen ein Meinungsbild eingeholt. Es folgte eine Vorauswahl unter Entwicklung verschiedener Szenarien für die Verschiebung von Wettkämpfen, deren Streichung sowie Auf- und Abstiegsregelungen, die dann abschließend in der Telefonkonferenz am 31. März diskutiert wurden. „Es war eine Herkulesaufgabe unter Hochdruck, die alle Beteiligten bestmöglich gelöst haben“, so Geiger. Klar ist aber auch: „Es wird einige Härtefälle geben, die mit dieser Lösung nicht zufrieden sind“, sagt Heike Ahlert.

Die Tischtennisverbände reagieren mit dem Saisonabbruch auf die anhaltenden öffentlichen Beschränkungen, um die Ausbreitung des neuen Coronavirus zu verlangsamen. Schon am 19. März hatte der DTTB den Großteil der Bundesveranstaltungen im Nachwuchs-, Senioren- und Erwachsenenbereich im Individualspielbetrieb der Spielzeit 2019/2020 ersatzlos gestrichen.

Harald Wiese erwartet in den nächsten Wochen viel Arbeit. Denn Härtefälle wird es auch im heimischen Tischtennis-Kreis geben. „Es gibt Teams, die sich zum Zeitpunkt des Abbruchs in einer Grauzone bewegen. Da muss man sich jeden Fall einzeln angucken und sehen, was ist gerecht“, sagt der Kreisvorsitzende.

Das ist mehr als bitter für uns. Wir sind jetzt die Dummen.

Karsten Grundmann, Kapitän des TTC Rahden

Das trifft auch auf den TTC Rahden zu: Der Landesligist ist Vorletzter, hätte an den verbleibenden vier Spieltagen aber noch genug Punkte sammeln können, um sich in die Relegation zu retten. „Das ist mehr als bitter für uns“, unterstreicht Karsten Grundmann und verweist auf den dichten Tabellenkeller, in dem fünf Teams nur durch einen Punkt getrennt sind. „Wir sind damit jetzt die Dummen.“ Die Hoffnung, dass sich in den nächsten Tagen durch den Landesverband noch eine Hintertür auftun könnte, ist nicht sehr groß. „Wir werden aber natürlich beim WTTV nachfragen“, sagt Grundmann.

„Aus meiner Sicht sollte es aber flexible Lösungen geben“, sagt Minden-Lübbeckes Kreis-Vorsitzender Harald Wiese. „Wenn eine Staffel in der nächsten Saison dann mit zwei Teams mehr gestartet wird, sehe ich da persönlich kein Problem.“ Immerhin: Die Sportler haben nun Klarheit und müssen sich nicht mehr länger mit der möglichen Saison-Fortsetzung beschäftigen. Bei den Härtefällen gelte es nun, „Liga für Liga zu schauen“, sagt Wiese. Die Funktionäre sind am Zug.

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